BundesratStenographisches Protokoll883. Sitzung, 883. Sitzung des Bundesrates am 12. Juli 2018 / Seite 184

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Bei diesem Erwachsenenschutz-Anpassungsgesetz ist schon wieder etwas ganz tief drinnen versteckt, das man auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so erkennen kann. (Zwischenruf bei der ÖVP.) Wir haben nun schon aus einigen Bundesländern gehört, was da drohen und auf uns zukommen kann. Als Vertreterin Niederösterreichs muss ich mir natürlich auch die Auswirkungen auf mein Bundesland ganz genau anschauen. Ich muss sagen, dass das, was da zutage tritt, mehr als gravierend ist.

Ich nehme an, Sie alle haben den Brief (besagten Brief in die Höhe haltend) genauso gut und ausführlich gelesen wie ich. Ich glaube nicht, dass sich die NÖGKK diese Sor­gen und Ängste irgendwie zusammenreimt, sie sich aus den Fingern saugt, sondern ich habe die Befürchtung, dass das, was die NÖGKK da anspricht und aufzeigt, ganz, ganz konkrete Auswirkungen sind.

Das wird, nehme ich einmal an, ganz klassisch mit dem Nichtnachbesetzen von Stellen bei Pensionierungen beginnen. Das bedeutet dann natürlich eine sukzessive Einspa­rung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. (Bundesrat Bader: Das ist nicht wahr!) Das wird letztendlich auch zu Service- und Qualitätseinbußen in den Servicestellen in den Bezirksaußenstellen führen. Und ja: Das sind Aussagen von entsprechenden Mitarbei­terinnen und Mitarbeitern. (Bundesrat Samt: Bewusste Unwahrheit! – Bundesrat Rösch: Versteht man nicht!) – Wenn Sie den Betroffenen zuhören würden, dann würden Sie das genauso wissen wie ich.

Was unterm Strich dabei herauskommen wird, sind Schließungen von Zweigstellen. Dazu kommt nun mittlerweile auch noch die Befristung für Nachbesetzungen beim Ver­waltungspersonal bis 2019. Ich glaube, man braucht kein Hellseher zu sein, um zu erkennen, dass qualifizierte Fachkräfte aufgrund dieser Befristung auf einen Zeitraum von maximal 1,5 Jahren dann nicht unbedingt Schlange stehen werden. Wenn der pot­enzielle Arbeitsplatz von Haus aus ein Ablaufdatum hat, wird das Interesse von quali­tativ hochwertigen Bewerberinnen und Bewerbern eher enden wollend sein.

Was droht uns nun noch ganz konkret aufgrund dieser Ausgabenbremse, dieses Aus­gabenstopps? – Es geht da eben um das Aus für anstehende Neubauten. Es geht da zum Beispiel um Horn und Waidhofen an der Ybbs. Das bereits beschlossene Ser­vicecenter in Pöchlarn ist in Gefahr. (Bundesrat Bader: Das stimmt ja nicht!) Wir haben nun zwar von Kollegin Zwazl gehört, dass das nicht der Fall ist, aber die Befürchtung ist da. (Bundesrat Bader: Wenn du zugehört hättest, bräuchtest du das jetzt nicht mehr zu sagen!) Das Problem ist, dass diese Garantie nicht im Gesetz steht. Das heißt, wer garantiert uns, dass das dann auch nicht so sein wird? (Zwischenrufe bei ÖVP und FPÖ.)

Es geht um die Außenstelle in Neunkirchen, die saniert werden sollte (Bundesrat Ba­der: Das steht auch nicht im Gesetz!), und um das Projekt in Gänserndorf. Es geht da um das Rehazentrum in Alland, das Rehazentrum in Hochegg und vieles mehr. Es geht um die angesprochenen Praktikumsplätze, um diese 50 jungen Menschen, die dann möglicherweise, was das Ferialpraktikum betrifft, in der Luft hängen. Meines Wis­sens sind die Absagen bereits durch- und rausgegangen (Zwischenruf des Bundesra­tes Bader) – das ist ja auch in den Medien bereits so kolportiert worden. (Zwischenrufe bei der FPÖ.)

Unterm Strich wird diese Ausgabenbremse nicht nur Verschlechterungen für die So­zialversicherungen selber bringen (Zwischenrufe bei der FPÖ), sondern es wird zu massiven Verschlechterungen für die Menschen – in meinem Fall auch in Niederöster­reich – kommen. Dann sind nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Sozial­versicherungen betroffen, sondern auch die Vertragspartner der Sozialversicherungen und – das ist das Beängstigende an der Geschichte – natürlich in ganz besonderem Maße auch die Patientinnen und Patienten. (Bundesrat Samt: Im Schüren von Ängsten seid ihr Weltmeister!)

 


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