Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 62. Sitzung / Seite 115

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wicklung (Abg. Dr. Grollitsch: Die Sie zu verantworten haben!) zu ändern, weil doch wirklich niemand Interesse daran haben kann, einfach nur zuzuschauen.

Beim Aufzeigen der gesamten Problematik und der damit verbundenen Themen weigern wir uns oft noch, bestimmte Entwicklungen klar zu erkennen und zuzugeben. So wollen wir etwa nicht erkennen, daß wir am Zenit des Wachstums angelangt sind, daß es schon aus diesem Grund Korrekturen geben wird. Wir wollen nicht erkennen, daß die Ostöffnung zwar demokratiepolitisch etwas Großartiges war, wirtschaftspolitisch aber noch viel aufzuarbeiten ist. All das muß doch irgendwann einmal gesagt werden! Wir wollen auch nicht erkennen, daß es in Österreich sehr viel zu erledigen gibt. So müssen wir zum Beispiel schauen, daß wir die vorhandenen Märkte besser nützen.

Der Herr Vizekanzler und auch der Herr Bundeskanzler haben heute in ihren Erklärungen in beeindruckender Weise darauf Bezug genommen, was wir in der nächsten Zeit machen werden ich betone: nicht machen wollen , sondern machen werden , daß beispielsweise die Exporte angekurbelt werden, damit wir im Land wieder mehr Beschäftigung, mehr Wertschöpfung haben.

Meine Damen und Herren! Wir werden unseren Bürgern eben auch sagen müssen, daß ein großer Faktor der Arbeitslosigkeit Kollege Mag. Peter wird das sicherlich bestätigen können zum Beispiel im Fremdenverkehrsbereich liegt. Wir haben, wie ich meine, sogar die Pflicht, auf etwas hinzuweisen, worunter wir sehr leiden, nämlich darauf, daß wir im Tourismusbereich zuwenig Nachfrage und dadurch zuwenig Beschäftigung haben, auf der anderen Seite aber von der Bevölkerung jährlich zweistellige Milliardenbeträge für Auslandsbuchungen aufgewendet werden. Auch das ist etwas, worüber wir reden sollten.

Wir müssen weiters darüber nachdenken, wie wir uns in nächster Zeit auf die Veränderungen in der Wirtschaft einstellen und die Aus- und Weiterbildung verbessern. Es geht darum, nicht nur zuzusehen, wie sich die Dinge verändern, sondern auch daran beteiligt zu sein und die Veränderungen selbst zu steuern.

Meine Damen und Herren! Meiner Ansicht nach wird das Postulat, Arbeit in Europa zu halten, in den WTO-Verhandlungen große Beachtung finden müssen. Wenn sich Europa in diesen Verhandlungen nicht stark positioniert, wird es von der harten Konkurrenz des Weltmarktes noch stärker überfahren werden. Daher bin ich froh darüber, daß wir den Weg nach Europa gegangen sind.

Auch wenn Sie als Initiatoren der heutigen Sondersitzung darüber nicht reden wollen, erzähle ich Ihnen etwas, was mir vor kurzem in einem Betrieb mitgeteilt wurde. Es sagte mir der Betriebsinhaber folgendes: Wären wir diesen Weg nach Europa nicht gegangen, dann gäbe es in meinem Unternehmen eine um mehr als ein Drittel geringere Produktion, weil die Exporte weggefallen wären.

Wir, die Regierungsparteien, haben den richtigen Weg eingeschlagen. Sie haben uns dabei wenig unterstützt; das war auch nicht zu erwarten. Wir werden uns auf diesem Gebiet weiterhin bemühen. Wir werden auch über die Frage, wie wir den Faktor Arbeitszeit neu strukturieren können, über Überstunden und vieles andere mehr nachdenken müssen. (Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)

Ich habe mich hier zu Wort gemeldet, um anzuregen, daß wir nicht nur in den zentralen Orten, in den großen Städten neue Arbeit schaffen, sondern vor allem auch draußen in den ländlichen Regionen. Das ist besonders wichtig. Es ergibt keinen Sinn, die Leute stundenlang in die Zentren zu transportieren, dafür ihre wertvolle Zeit in Anspruch zu nehmen und draußen die Regionen veröden zu lassen. Die Regierung und viele Bundesländer haben dafür gute Konzepte. Das ist eine Herausforderung, an der wir uns alle orientieren sollten. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Wenn Sie glauben, daß die Probleme hausgemacht seien, dann empfehle ich Ihnen, das Buch "Die Globalisierungsfalle" zu lesen. Darin steht noch viel Schrecklicheres geschrieben.


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