Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 66. Sitzung / Seite 37

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Seitdem ich diesem Hohen Hause angehöre, waren fünf Minister für dieses Ressort zuständig: die Minister Tuppy, Mock, Busek und Scholten sowie nunmehr Bundesminister Einem. Die Vorhaben sind jedoch ewig die gleichen, und die Ergebnisse sind ernüchternd. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Österreich ist in den letzten elf Jahren von einem Staat, der zu den Industrienationen der Welt gehörte, zu einem Dienstleistungsland geworden. Ich glaube, daß gerade das Defizit bei der Forschung und bei der Technologieentwicklung in den letzten Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen hat, daß sich Österreich von einer Industrienation zu einem Dienstleistungsland entwickelt hat. Das braucht uns aber auch nicht zu wundern: Als die Koalitionsregierung 1986 antrat, war die Technologieoffensive das Vorhaben der damaligen Bundesregierung. Heute befinden wir uns jedoch immer noch auf dem gleichen Stand: Damals betrug der Anteil 1,386 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, heute sind es 1,5 Prozent. Das ist ein bescheidener Erfolg von elf Jahren Regierungspolitik, Technologieoffensive und Innovation in diesem Bereich!

Ich glaube, daß als Beispiel dazu auch einmal die derzeitige Entwicklung der OECD ins Treffen geführt werden sollte: Als ich hier im Parlament begann, waren es im Schnitt 1,8 Prozent, heute sind es 2,2 Prozent. Daran sieht man, daß wir nicht nur nicht Schritt halten konnten, sondern gegenüber dem OECD-Schnitt sogar ins Hintertreffen geraten sind.

Diese "Technologiemilliarde", mit welcher immer argumentiert wird, wird hauptsächlich von großen industriellen Unternehmen und nicht von der mittelständischen und gewerblichen Wirtschaft in diesem Lande lukriert, welche aufgrund der ausufernden bürokratischen Instrumentarien in diesen Bereich heute, elf Jahre nach Beginn der Technologieoffensive, noch immer keinen gerechten Zugang zu diesen Förderungstöpfen hat. (Beifall bei den Freiheitlichen.)

Meine Vorredner haben einige Zielpunkte angeführt. Ich darf hier wiederholen: Plansee-Werke, VAT-Stahl, KFZ-Graz, Immuno. Aber Hand aufs Herz, Herr Bundesminister: Waren diese fünf Bereiche nicht schon in den achtziger Jahren die Highlights der österreichischen Technologiezentren? Was hat sich hier entwickelt? Was hat sich in diesem Bereich verbessert? (Abg. Koppler: Fahr nach Linz! Fahr nach Donawitz!) Herr Kollege Koppler! Wir konnten mit Müh und Not den damaligen Stand halten!

Im medizinischen Bereich haben wir in diesen elf Jahren maßgeblich verloren. Erinnern Sie sich, daß wir im medizinischen und medizintechnischen Bereich einmal weltführend waren! Herr Kollege Lukesch! Da Sie so zweifelnd schauen, darf ich Ihnen sagen: Sie brauchen nur die Zahlen an internationalen Punkten, die seinerzeit für Publikationen in angesehenen medizinischen Fachschriften vergeben wurden, mit dem heutigen Niveau zu vergleichen: Vor 25 Jahren war eine Publikation im damals neu erschienenen und aufgebauten "Lancet" (vgl.)etwa eineinhalb soviel wert wie eine Publikation in den damals angesehenen und vor langer Zeit eingeführten "Wiener Medizinischen Wochenblättern". Heute sind wir sogar im Inland schon soweit, daß eine Habilitation in Österreich eine Publikation in den "Wiener Medizinischen Wochenblättern" mit eineinhalb Punkten, die Publikation eines Erstautors im "Lancet" hingegen mit zehn Punkten bewertet wird. Ich glaube, man kann nicht mehr anführen als die eigene Einschätzung im eigenen Land, um nachzuweisen, was wir in diesen Bereichen versäumt haben!

Herr Bundesminister! Als freiheitlicher Sprecher zu diesem Thema fordere ich Sie auf: Machen Sie das, was Ihre Vorgänger versprochen haben, endlich wahr! Sorgen Sie dafür, daß jene Konzepte, die erhoben wurden und mit Ende des Jahres 1996 vorgelegt hätten werden sollen, endlich fertig werden! Wir können uns nicht mehr länger erlauben, zuzuwarten, ob Herr Minister Farnleitner weiterhin mit seiner Gießkannenpolitik durch Österreich fahren wird oder ob Ihre Experten sich mit Schwerpunktförderungen endlich durchsetzen werden.

Für mich als Freiheitlichen ist es unabdingbar, daß die Förderungsfonds noch mehr entbürokratisiert werden, als sie ohnehin schon sind, daß endlich Schwerpunktförderungen in jenen Bereichen vorgenommen werden, wo Österreich seine Zukunftschancen sieht, und daß in jenen Bereichen, die wir nicht bearbeiten können, weil unser Land zu klein ist, die Gießkannen


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