Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 66. Sitzung / Seite 225

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amtes, aber auch anderer Institutionen, wenngleich das wurde schon angesprochen Zielformulierungen und auch Problembereiche viel zu wenig angesprochen wurden.

Ich möchte mich jetzt auf einen Teilbereich, und zwar auf die Arbeit des Bundesdenkmalamtes beschränken.

Sehr geehrte Damen und Herren! Wie wertvoll die Arbeit des Bundesdenkmalamtes ist, ist nicht nur anhand dieses Katalogs ersichtlich. Man braucht sich nur zum Beispiel die Denkmalorte in Oberösterreich anzusehen, wie etwa Freistadt, Braunau, Steyr oder auch andere. Dort ist in den letzten Jahren nach den Zerstörungen und den Bausünden der sechziger und siebziger Jahre eine sehr erfreuliche Entwicklung zu erkennen.

Die Erhaltung und Restaurierung von Baudenkmälern liegt in unser aller Interesse. Die Erhaltung der historischen Ortskerne und Baudenkmäler ist nicht nur für den Fremdenverkehr und für den Städtetourismus wichtig, sondern auch für unsere eigene Lebensqualität, für unser Wohlbefinden und auch für unsere Identität.

Es müssen aber nicht nur öffentliche Gebäude erhalten und saniert werden: Ein Großteil der Erhaltung ist vielmehr den Eigentümern von Privathäusern vorbehalten. Das ist oft eine große Belastung für die Bürger und Bürgerinnen in diesem Land. Dabei geht es nicht nur um die finanzielle Belastung. Oft fühlen sich diese Bürger entmündigt, wenn das Bundesdenkmalamt bestimmte Anforderungen an sie stellt. Heutzutage hat das Bundesdenkmalamt sehr oft damit zu kämpfen, daß viele konservatorische und wissenschaftliche Ziele im Gegensatz zu Forderungen der Öffentlichkeit und zu ästhetischen Wertvorstellungen der Bevölkerung stehen. Seit Jahren steigt die Zahl der Berufungen gegen die Bescheide des Bundesdenkmalamtes, was zu immer aufwendigeren und länger dauernden Unterschutzstellungsverfahren führt.

Das ist natürlich ein großes Problem angesichts der international gesehen sehr bescheidenen personellen und finanziellen Möglichkeiten der staatlichen Denkmalpflege. Wir müssen bedenken, daß es 1995 schmerzliche finanzielle Einschnitte gab, was Gott sei Dank 1996 und 1997 wieder ausgeglichen wurde.

Ich halte es für besonders wichtig, daß finanzielle Zuwendungen für das Bundesdenkmalamt auch in Zeiten von Sparpaketen fließen. Das ist insofern wichtig, als dies arbeitsplatzfördernd ist: Es handelt sich hiebei vor allem auch um Arbeitsplatzbeschaffung in den kleinen Gewerbebetrieben vor Ort. Zugleich geht es dabei selbstverständlich auch um die Erhaltung des traditionellen Handwerks.

Meiner Meinung muß es heute eine intensive Zusammenarbeit zwischen dem Bundesdenkmalamt, den Landeskonservatoraten und regionalen und lokalen Behörden geben. Dafür gibt es sehr gute und sehr wertvolle Beispiele: Ich denke zum Beispiel an meine eigene Heimatgemeinde Pupping, wo es tatsächlich gelungen ist, anläßlich der Tausendjahrfeier der Ortserhebung das Kloster, die Kirche, umliegende Bauernhöfe und auch Privathäuser in einer wirklich vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen Bevölkerung und Behörden zu sanieren und sehr vorbildlich neu zu gestalten.

Es geht heute auch darum, die Autonomie und die Teilrechtsfähigkeit des Bundesdenkmalamtes tatsächlich zu forcieren und auszugestalten, wie das der Rechnungshof bereits 1993 gefordert hat.

Wichtig scheint mir auch die rasche Fertigstellung und Veröffentlichung der so viel mir bekannt ist in Bearbeitung befindlichen Denkmalliste zu sein, damit alle denkmalgeschützten Objekte in Österreich tatsächlich einmal aufgelistet und protokolliert sind und jeder Bürger und jede Bürgerin davon Kenntnis erlangen kann. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

0.30

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Dietachmayr. Bitte.


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