Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 75. Sitzung / Seite 59

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der Austria-Tabak-Regie Säcke schleppen und andere Dinge machen, wofür ich Geld bekommen habe  nicht sehr viel, aber immerhin. Es war für mich wunderbar, ins Geschäft gehen und für mich eine herrliche geräucherte Makrele, eine Flasche Rotwein  der burgenländische Rotwein war damals nicht nur herrlich, sondern auch sehr, sehr billig! (Abg. Mag. Steindl: Auch heute noch!)   sowie ein wunderbares Stück Weißbrot kaufen zu können. Dann konnte ich mich in dieser herrlichen Stadt Klagenfurt  die ist nämlich wirklich herrlich, wenn nicht ganz bestimmte Personen dort Politik machen (Heiterkeit)   an den Lendkanal setzen und dort dieses herrliche Essen genießen. Und ich habe mir gedacht: Das ist Reichtum!  Meine Damen und Herren! Das ist wirklich Wohlstand: Ich gehe in ein Geschäft, nehme ein paar Scheine heraus und habe ein wunderbares Essen.

Damals hätte ich wahrscheinlich die Diskussion, die wir heute führen, ganz anders geführt. Ich hätte über Einkommenssituationen und auch über Armut und Reichtum wahrscheinlich ganz anders gedacht.  Und so geht es vielen Menschen in Österreich, wenn sie die Höhe der Bezüge hören.

Ich sage Ihnen, Herr Stadler: Wenn Sie den Österreicherinnen und Österreichern sagen, Sie wollen 120 000 S brutto als Höchstbezug für einen Politiker oder eine Politikerin haben, dann werden die meisten überhaupt nicht verstehen, ob das viel oder wenig ist (Zwischenruf des Abg. Mag. Stadler ), weil Sie die Relation nicht mehr herstellen können, weil offensichtlich eine gesellschaftliche Entwicklung stattgefunden hat, die niemand mehr verstehen kann! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der SPÖ.  Abg. Mag. Stadler: Das, was Sie ausverhandeln, versteht auch keiner!)

Ich sage Ihnen auch folgendes, Herr Stadler  und das auch zur Ehrenrettung des von mir zu Recht geschmähten Höchtl : Die Geschichte hätte nicht nur "Höchtl" heißen können, sondern sie hätte mit derselben Berechtigung auch den Namen "FPÖ" tragen können. Das sollten Sie sich auch merken! (Beifall bei den Grünen, der SPÖ und ÖVP sowie dem Liberalen Forum.)

Meine Damen und Herren! Diese Maßlosigkeit und der Umstand, daß diese Verhältnismäßigkeit verlorengegangen ist, haben damit zu tun, daß wir offensichtlich meinen, es sei ein Fortschritt in der menschlichen Entwicklung, wenn man immer mehr hat, ein immer größer werdendes Einkommen hat. (Abg. Mag. Stadler: Sie sind über den Tisch gezogen worden, und jetzt wollen Sie es kaschieren, das ist alles! Ihnen ist es heute peinlich, daß Sie dabei sind! Das können Sie Ihren Wählern nicht mehr erklären!  Abg. Dr. Petrovic: Vielleicht kann es der Brauneder erklären!) Wir können uns ein Leben ohne jene Bedingungen, die wir heute vorfinden  ohne Kühlschrank, ohne Auto, ohne Fernseher, ohne selbstverständliche Verkehrsmittel, Kommunikationsmittel  überhaupt nicht mehr vorstellen. Das, was vor 50 oder 100 Jahren selbstverständlich war, kann man sich heute nicht mehr vorstellen, wäre unmöglich.

Ich hätte mir gewünscht  ich weiß nicht, ob es möglich gewesen wäre , daß Sie sich an dieser Diskussion, an diesen Verhandlungen beteiligt hätten, dann wäre vielleicht in der einen oder anderen Sache etwas noch Besseres herausgekommen. Sie haben aber von Anfang an klargemacht, daß Sie das nicht wollen. (Abg. Mag. Stadler: Wir haben gesagt, wir wollen hinunter mit den Bezügen, und Sie wollten hinauf!  Abg. Dr. Petrovic: Reden Sie doch einmal mit dem Herrn Brauneder!  Abg. Dr. Haider: Reden wir eh oft!)

Zur Frage der Maßlosigkeit: Herr Kollege Stadler! Die Grünen haben ihre politischen Lorbeeren erstmals in Graz verdient, wo sich die Freiheitlichen so unverschämt bedient haben wie kaum eine andere Partei. (Abg. Dr. Haider: Darum haben wir auch gewechselt!) Deshalb habe ich bei Ihrer Partei ein bißchen Schwierigkeiten hinsichtlich der Redlichkeit in dieser Debatte. (Beifall bei den Grünen, der SPÖ und ÖVP.)

Wenn Sie der Meinung sind, daß es für einen Politiker wie den Herrn Bundeskanzler angemessen ist, 60 000 S netto oder 120 000 S brutto zu verdienen, dann muß ich Ihnen sagen: Sie sollten wissen, daß das in dieser transparenten Pyramide für den Bundeskanzler festgelegte Gehalt noch immer geringer ist als jenes von hundert Personen in staatsnahen Betrieben! (Abg. Mag. Stadler: Na das ist eine Argumentation: Die anderen bedienen sich, daher der Bundes


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