Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 145

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so hilft mir das Zeugnis, das jemand mitbringt, überhaupt nicht, denn es enthält zwar Ziffern, aber das ist eine Codierung, die ich nicht entschlüsseln kann. Ich weiß noch nicht einmal genau, was der gemacht hat, was er wirklich kann. Ich muß das selbst im Einstellungsgespräch und in komplizierteren Prozessen evaluieren. Die Note sagt überhaupt nichts aus.

Wenn das Liberale Forum daher fordert, daß andere Methoden der Leistungsbewertung eingeführt werden, dann heißt das nicht, daß wir keine Kriteriensetzungen wollen, sondern daß wir solche haben wollen, die man nicht nur dann versteht, wenn man daneben irgendeine statistische Tabelle zur Entschlüsselung hat.

Nebstbei  das ist ganz wichtig in diesem Zusammenhang  sind diese Noten außerdem die Bestätigung, durch die ein Ausbildender bestätigt, daß ein bestimmtes Ziel von dem Menschen erreicht wurde, den er selbst ausgebildet hat. Das heißt, der Ausbildner teilt einseitig mit, was herausgekommen ist. Er bewertet damit aber auch seine eigene Arbeit. Und daher sind wir der Meinung, daß es durchaus sinnvoll wäre, auch die Qualität der Lehrer zu beurteilen. Es geht nicht an, daß auf Dauer nur die Schüler beurteilt werden, aber die Ausbildenden nicht. Das war der Grund, warum meine Kollegin Schaffenrath unter anderem den Vorschlag in den Raum gestellt hat, daß man den Ausbildner in der letzten Ferienwoche in die Pflicht nehmen sollte, daß er dem Auszubildenden bei der Nachprüfung behilflich ist, damit er sie besser bestehe.

Das war der Frau Bundesministerin zunächst angenehm, bis die Gewerkschaft gerufen hat, das gehe doch zu weit, da müßte man womöglich eine Woche früher zum Dienst. Die Frau Bundesministerin hat also heute gesagt, es gibt Lehrer, die das ohnedies machen. Das wissen wir auch. Natürlich gibt es diese. Sie werden allerdings von vielen anderen, die das nicht machen, letztlich für deppert gehalten, weil diese erst in der letzten Minute kommen. Daher ist es die Aufgabe eines Dienstgebers  das ist in diesem Fall der Bund , dafür zu sorgen, daß er den Dienstnehmer an seine Pflicht erinnert und ihn eben notfalls einberuft, auf daß er erscheine. (Beifall beim Liberalen Forum.)

Daß das im Bereich der Schulen nicht besonders leicht ist, wissen wir. Immerhin hat die Frau Bundesministerin einen sehr saloppen Satz in ihrer Anfragebeantwortung gesagt: Lehrer sind wie alle anderen auch eben öffentlich-rechtliche Bedienstete. Da ist mir aufgefallen, sie hat noch nicht einmal im Ansatz die Idee gehabt, daß das vielleicht zu hinterfragen wäre. Muß es zwangsläufig so sein, daß jemand, der Schüler unterrichtet, in einem öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnis steht? (Abg. Mag. Peter: Es war immer so!)

Muß das so sein? Kann das nur ein Beamter, oder müßten wir da nicht eigentlich konsequenterweise Privatschulen vielleicht überhaupt verbieten, weil dort keine Beamten arbeiten? Das meint die Frau Bundesministerin wohl nicht, aber sie sagt: Das ist halt der vorgefundene Zustand, und mit dem muß man sich abfinden. Deswegen war die Dringliche Anfrage betreffend jahrzehntelange Versäumnisse mehr als richtig begründet. Aber wenn man sich mit solchen Dingen einfach nur abfindet und gar nicht bemerkt, daß in der Arbeitswelt längst ganz andere Dynamiken stattfinden, dann ist man nicht reformfähig. Ich sage bewußt "jahrzehntelang" und meine damit nicht die Frau Bundesministerin. Ich weiß, daß sie noch nicht so lange im Amt ist, sondern das österreichische Schulsystem hat sich in eine Zweidrittelfalle begeben. Sie wissen, daß das eine Materie ist, die Sie nur mit Zweidrittelmehrheiten ändern können und daß daher seit Jahrzehnten eine Lähmung durch Zwangsverkoppelung stattfindet.

Kollege Höchtl hat auch das gegliederte Schulsystem verteidigt und hat zum Beweis die Volksschule angeführt. Das wurde schon angeführt. Die Volksschule ist das ja nicht. Da hat er offenbar den Eindruck erwecken wollen, daß das irgendwelche Qualifikationselemente sind, die sich da abbilden. Ich sage Ihnen, dazu gibt es Studien, und ich habe hier gerade eine aus Wien in der Hand, die den Wechsel von der Volksschule in die Hauptschule beziehungsweise in die AHS analysiert. Statistisch wird untersucht, nach welchen Kriterien die Kinder von ein und derselben Volksschule  man hat mehrere Volksschulen zusammengefaßt, man hat eine repräsentative Studie gemacht  in die Hauptschule oder in die AHS gehen.


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