Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 77. Sitzung / Seite 259

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Die biologische Landwirtschaft ist somit die umweltgerechte Landwirtschaftsreform schlechthin. Das gilt insbesondere für den großen Problembereich Grundwasser. Ich meine daher, daß der biologische Landbau einen nicht zu unterschätzenden Lösungsansatz für die Bewältigung vielfältiger Probleme aller bäuerlichen Betriebe in Österreich bietet und in Zukunft verstärkt darstellen sollte und könnte.

Wenn ich mein Bundesland, die Steiermark, betrachte, dann kann ich feststellen, daß bereits 3 400 Landwirte  man stelle sich vor: 1980 waren es nicht einmal 100!  auf Biolandwirtschaft umgestellt haben. Laut Statistik der Steiermärkischen Landwirtschaftskammer sind das 8 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe. Wir liegen damit genau im österreichischen Schnitt.

Laut Gewässerschutzbericht 1996 liegt Österreich, gemessen an den EU-Staaten, bei der Abwasserreinigung im Mittelfeld. Wir konnten in Österreich auch den Anschlußgrad an öffentliche Kanalnetze von 71 Prozent im Jahre 1991 auf 75 Prozent aller Haushalte anheben. Es wäre zu wünschen, daß wir in den nächsten zehn Jahren diesen Anschlußgrad noch weiter, und zwar auf 80 bis 85 Prozent, erhöhen könnten.

An dieser Stelle ist es wohl recht und billig, auch die Kehrseite der Medaille zu betrachten und diese Problematik nicht zu verschweigen, weil sie weltweit gilt und daher auch für uns von Relevanz ist. Die Landwirtschaft kommt  und das ist ein besonderes Problem  im Zusammenhang mit dem Trinkwasser, welches letztendlich ein Gut ist, das wir nicht hoch genug einschätzen können, mehr und mehr ins umweltpolitische Blickfeld. Umso wichtiger ist es, daß die konventionelle Landwirtschaft versucht, die Verursachung von Wasserschäden vor allem durch die Art der Düngung, des Pestizideinsatzes und der Tierhaltung hintanzuhalten.

Anfang dieses Jahres wurde der erste globale Umweltbericht der Vereinten Nationen vorgelegt, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Ressourcen der Erde weiterhin stärker geplündert werden, als sie sich regenerieren können  und das vor allem im Bereich des Trinkwassers. Ich glaube, wir in Österreich sind uns dessen gar nicht bewußt, welchen Reichtum wir mit unserem Trinkwasser haben. Umso stärker sollten wir uns dieses Reichtums aber auch gewahr werden und diesen Reichtum schützen. Es ist ein Irrtum, wenn man, wenn über das Trinkwasser diskutiert wird, meint, es handle sich um Probleme der Dritten Welt. Gerade auch wir in Europa haben mehr Trinkwasserprobleme, als manche meinen.

Laut Europäischer Umweltagentur werden auf einem Großteil der Agrarflächen die geltenden Höchstwerte für die Belastung mit Nitraten und Pestiziden überschritten. Nicht umsonst hat bereits im Jahre 1995 Ken Collins, der Obmann des Umweltausschusses des Europäischen Parlamentes, darauf hingewiesen, daß beispielsweise die Höchstmenge der Pestizide auf 75 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen deutlich überschritten wird.

Es ist bemerkenswert, wenn man sich einliest und feststellt, daß auch in Österreich 400 000 Menschen mit Wasser versorgt werden, dessen Pestizidgehalt über den derzeitigen gesetzlichen Grenzen liegt. Für mindestens 120 000 Einwohner in Österreich ist der derzeit gültige Nitratwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten.  Ich glaube, das zeigt die Problematik deutlich auf und zeigt auch auf, wo wir den Hebel ansetzen müssen.

Auch in den Untersuchungen des Landwirtschaftsministeriums wurden wir darauf hingewiesen, daß die Pestizidbelastung ausschließlich und die Nitritbelastungen des Grundwassers zu 60 bis 80 Prozent von der Landwirtschaft verursacht werden. Auch das ist ein Hinweis darauf, daß in Richtung biologischer Landbau umgestellt werden muß.  Da ist der Ansatz vorgezeichnet, wir sollten diesen auch nützen!

Sanierungsmaßnahmen sind meiner Meinung nach eingeleitet. Sie greifen nicht überall so schnell, wie wir uns das wünschen würden, aber der erfreulicherweise überaus hohe Grad der Teilnahme unserer Bauern, auch der Bauern aus der Steiermark, am Öpul-Programm, dem österreichischen Programm für umweltgerechte Landwirtschaft, läßt mich durchaus positiv in die Zukunft blicken. Unter diesem Aspekt sollten wir diesen Bericht zur Kenntnis nehmen und uns


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