Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 78. Sitzung / Seite 194

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Sie zeigen zumindest ein bißchen eine Reaktion! Das läßt doch ein wenig auf ein schlechtes Gewissen schließen. (Abg. Dr. Partik-Pablé: Schauen Sie einmal, ob Sie ein schlechtes Gewissen haben!  Weitere Zwischenrufe bei den Freiheitlichen.)

Lassen Sie mich nun aber auf das Berufsreifeprüfungsgesetz zu sprechen kommen. Ich darf mit einem Artikel aus der Zeitschrift des Europäischen Zentrums für Berufsbildung beginnen. Darin wird die Frage gestellt, wie sich das duale Ausbildungssystem attraktiver gestalten läßt. Es gab darüber in Deutschland eine große Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung bei 2 500 Ausbildungsbetrieben. Dabei ist interessant, daß ein wesentlicher Vorschlag, der von rund zwei Drittel dieser Ausbildungsbetriebe als sehr positiv angesehen wurde, der Zugang für Lehrlinge ohne Abitur zu den Hochschulen ist. Das ist ein ganz neuer Artikel! (Zwischenruf der Abg. Schaffenrath. )

In Deutschland wurde das neu untersucht, und dort beginnt erst jetzt die Diskussion darüber. Wir aber beschließen heute schon ein diesbezügliches Gesetz. Daran erkennt man, daß wir bei den Reformen im berufsbildenden Schulwesen durchaus die Nase vorne haben  auch in Europa! (Beifall bei SPÖ und ÖVP.)

Ich möchte diese Gelegenheit des weiteren dazu nützen, darauf hinzuweisen, daß ein ehemaliger Kollege von uns durch die Vorarbeiten, die Kollege Höchtl schon erwähnt hat, einen sehr wesentlichen Beitrag am Zustandekommen dieses Gesetz geleistet hat. Er hat sehr viele Verhandlungen geführt, das Gesetz in seinen Grundzügen aufs Gleis gestellt und bis zum Schluß die Arbeiten begleitet. Kollege Mrkvicka, der unserer Diskussion aufmerksam folgt, war es eigentlich, der die Impulse zu diesem Gesetz gegeben hat! Das möchte ich hier auch erwähnt haben. (Beifall bei der SPÖ.)

Auf ein paar Argumente kann ich noch eingehen. Sie meinen, es wäre besser gewesen, die Studienberechtigungsprüfung auszubauen. Das ist, glaube ich, auch der Inhalt Ihres Abänderungsantrages, sofern Sie ihn noch erläutern werden. Dieser Abänderungsantrag beweist, daß letztlich auch die Freiheitliche Partei nicht darum herumkommt, gewisse Reformen über Gesetze machen zu wollen. (Rufe bei den Freiheitlichen: Wir sind die Reformpartei!) Das wird uns nicht erspart bleiben, auch wenn Kollege Gaugg anderer Meinung ist. (Abg. Jung: Wir werden sicher drankommen, aber Sie werden nicht mehr dort sein!)

Eure großen Sprüche vor der letzten Wahl und danach die Verkleinerung der Fraktion zu beobachten, war wirklich ein Genuß! Wenn man euch vor der letzten Nationalratswahl zugehört hat, hat man den Eindruck gewonnen, die Hälfte des Hauses sei schon euer. (Abg. Rosenstingl: Sie als Sozialdemokrat sollten von Verkleinerung nicht reden!) Auf einmal seid ihr weniger geworden! Wir sind mehr geworden und ihr weniger. Sind wir uns da einig? Ja? (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Zur Studienberechtigungsprüfung: Sie ist ein wertvolles Instrument, kein Zweifel. Wir haben auch immer wieder wesentliche Verbesserungen an dieser Studienberechtigungsprüfung angebracht. Sie hat gegenüber der Berufsreifeprüfung allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie berechtigt nur für ein ganz bestimmtes Studium. Man kann zum Beispiel für Medizin, Jus oder was auch immer die Studienberechtigungsprüfung ablegen. Die heute zu beschließende Berufsreifeprüfung bedeutet, daß ein Lehrling oder ein Facharbeiter, der diese Prüfung noch zusätzlich macht, damit einen vollwertigen Zugang zu den Universitäten und Fachhochschulen hat. Das ist ein sehr entscheidender und wichtiger Unterschied, der zeigt, daß wir die Arbeit der Facharbeiter und der Lehrlinge wesentlich höher einschätzen, als Sie das tun. (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Insgesamt läßt sich zu diesem Instrument feststellen, daß das Interesse daran in den Monaten, in denen das diskutiert wurde, vor allem dann, wenn in den Medien darüber berichtet wurde, ungeheuer groß war. Es sind, wie ich gehört habe, Hunderte von Anrufen im Unterrichtsministerium eingegangen, auch in den Schulen und Interessenvertretungen. (Abg. Jung: Haben Sie das auch aus den Akten entnommen?) Ich habe selber eine ganze Reihe von solchen Anrufen beantwortet. Das ist richtig! Das gehört auch zu den Aufgaben eines Abgeordneten, sofern man


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