Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 81. Sitzung / Seite 224

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Es strömen nun auch verstärkt Kinder etwas ärmerer Schichten und Arbeiterkinder an die Universitäten  eine Entwicklung, die uns Sozialdemokraten immer ein großes Anliegen war. Allerdings haben sich dadurch die Ausgaben des Staates in diesem Bereich in den letzten fünf Jahren auf über 1,2 Milliarden Schilling ungefähr verdoppelt.

Ein Ziel dieser Novelle ist es, die Berufstätigkeit während der Hauptferien attraktiver zu machen und jene während des Semesters einzuschränken. Dies soll durch ein weitgehendes Verbot von Erwerbsarbeit, die die Geringfügigkeitsgrenze von derzeit monatlich 3 740 S während des Studiums überschreitet, erreicht werden.

Durch einen Abänderungsantrag von SPÖ und ÖVP wird nun auch der Forderung der österreichischen Hochschülerschaft entsprochen, bei der Regelung für den Bezug von Familienbeihilfe neben den Hauptferien im Sommer auch noch die Weihnachts- und Osterferien vom Beschäftigungsverbot auszunehmen.

Da der weitaus größte Teil der Stipendienbezieher und -bezieherinnen auch Familienbeihilfe bezieht und schon jetzt außerhalb der Ferien nicht mehr als 3 740 S verdienen darf und außerdem eine Studie des Wissenschaftsministeriums zur sozialen Lage der Studierenden zeigt, daß nur ein Prozent jener Studenten, die ihr Studium zu mehr als 70 Prozent durch ein Stipendium finanzieren, regelmäßig arbeitet, kann ich diesem Vorschlag zustimmen.

Ich kann diesem Vorschlag auch deshalb zustimmen, weil er Studienverzögerungen verhindern will, die aufgrund von erzwungener, kontinuierlicher Berufstätigkeit entstehen.

Der Ruf nach immer fleißigeren Studenten und Studentinnen, die immer mehr "Scheine"  sprich: Zeugnisse  in immer kürzerer Zeit sammeln, kann für die Gesellschaft allerdings auch sehr kontraproduktiv werden, da dies mit einer extremen Verschulung einhergeht. Am Ende dieser Entwicklung haben wir dann vielleicht keine Universitäten mehr, an denen die Studenten umfassend ausgebildet werden und wo sie auch lernen, gesellschaftliche und gruppendynamische Zusammenhänge zu erfassen, denn die Universitäten drohen zu letztbildenden höheren Schulen zu verkommen, bei denen der "Schein" das Zeugnis  das Bewußtsein bestimmt. Es gilt, eine solche Entwicklung zu verhindern.

Sehr geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Es gibt noch ein weiteres Problem. Das Durchschnittsalter der Studenten und Studentinnen wird, obwohl diese immer fleißiger werden, immer höher. Der Grund dafür liegt in einem dramatischen Umbruch der Strukturen im studentischen Bereich. Die typische Studentin, der typische Student, die nach der Schule ein Studium beginnen und mit Mitte 20 dieses Studium abschließen, werden immer seltener, ihre Zahl beträgt nicht einmal mehr die Hälfte der Studierenden. Die Zahl jener StudentInnen, die vor oder während des Studiums arbeiten oder einer anderen Tätigkeit nachgehen, nimmt ständig zu.

Wir haben heute an den Universitäten in Wahrheit drei Gruppen: erstens die Gruppe der klassischen Studenten mit einem Studienabschluß etwa Mitte 20, zweitens die Gruppe jener, die entweder derzeit beschäftigt oder früher in einem Beschäftigungsverhältnis gestanden sind, und drittens die Gruppe der Seniorenstudenten. Auf diese Veränderung hat die Politik noch viel zuwenig reagiert, obwohl es durchaus im Interesse der derzeitigen Bundesregierung liegt, daß, um flexibler agieren zu können, in einem Berufsleben mehr als ein Berufsfeld erlernt wird.

Wir Sozialdemokraten und -demokratinnen haben nun eine Arbeitsgruppe initiiert, die sich mit den werktätigen Studentinnen und Studenten beschäftigt (Zwischenruf des Abg. Dkfm. Holger Bauer ) , ihre soziale Lage genauer untersucht und bessere Studienmöglichkeiten vorschlägt. Schon jetzt arbeiten mehr als 30 Prozent aller Studentinnen und Studenten regelmäßig. Wie viele davon ein Stipendium beziehen, weiß niemand, höchstwahrscheinlich ist es ein ganz geringer Teil. Auch die Altersstruktur der Stipendienbezieher ist gänzlich unbekannt.

Ein Studium muß auch neben dem Beruf möglich sein. Es gibt noch sehr viele Studienrichtungen, bei denen keine Lehrveranstaltungen am Abend stattfinden und Prüfungsanmeldungen grundsätzlich nur zu den Bürozeiten oder gar nur vormittags gemacht werden können.


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