Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 106. Sitzung / Seite 56

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gemacht haben, die aber auch für den Bereich der Landwirtschaft gelten, nicht Parallelen haben, die umsetzbar, die zwischen den Fraktionen vereinbar sind. Ich glaube, das ist eine Diskussion, die noch nachgezogen werden muß.

Ich behaupte aber auch, meine Damen und Herren, Sie unterscheiden sich dort, wo Sie innovativ sein wollen, in Ihren Ansätzen nicht von den Liberalen, und deshalb sollten Sie uns auch nicht diffamieren, wenn wir von einer Grundsicherung reden. (Beifall beim Liberalen Forum.)

Der politisch wohl bewegendste Aspekt im Zusammenhang mit der Landwirtschaft wird auch im Jahr 1998 die Gentechnik sein. Wenn es zu Änderungen der Kriterien im Bereich der ÖPUL-Förderung kommt, dann wäre es sinnvoll, sich hier schärfere Kriterien zu überlegen, die etwa auch in die Richtung gehen, daß man sagt, man gewährt ÖPUL-Förderungen nur dort, wo Gentechnik in der Landwirtschaft nicht eingesetzt wird.

So zu handeln, ist nicht technikfeindlich, sondern dahinter steht folgende Überlegung: Wenn man eine bäuerlich strukturierte Landwirtschaft aufrechterhalten will, dann kann das zwangsläufig nur eine Landwirtschaft sein, die nicht besonders industriell geprägt ist. Die Gentechnik in der Landwirtschaft gehört aber zum Bereich der industriellen Landwirtschaft, sie ist eine Maßnahme der industriellen Produktion. Daher sollte man das Förderungssystem darauf ausrichten, daß nur jene Maßnahmen gefördert werden, die etwa in Richtung biologischer Landbau gehen, nur Maßnahmen, die wirklich einer flächendeckenden bäuerlichen Landwirtschaft dienen.

Sollte es dazu kommen, daß solche Überlegungen angestellt werden  vom Abgeordneten Wabl weiß ich das konkret , dann würde es von seiten der Liberalen die Zustimmung finden, solche Kriterien in die ÖPUL-Förderung aufzunehmen. (Demonstrativer Beifall bei den Grünen sowie Beifall beim Liberalen Forum.)

Meine Damen und Herren! Interessanterweise haben es Herr Abgeordneter Schwarzenberger und ebenso Frau Abgeordnete Aumayr von den Freiheitlichen verabsäumt, auf jenen sehr wichtigen Teil des Grünen Berichtes einzugehen, zu dem es auch eine Entschließung des Nationalrates gibt, nämlich auf jenen Bereich, der die Stellung der Frau betrifft.

Es braucht niemanden zu wundern, meine Damen und Herren, daß die Frauen in der Landwirtschaft  das geht aus diesem Bericht hervor  zwar in ihrem Arbeitsanteil überbelastet sind, daß hingegen ihr Anteil an den Entscheidungen im bäuerlichen Betrieb interessanterweise  nicht etwa, weil sie zu Entscheidungen nicht fähig wären, sondern deshalb, weil sie es nicht dürfen  nach wie vor sehr gering ist. Das steht in dem Bericht oben rechts auf Seite 163. Dort steht auch, daß eine partnerschaftliche Ehe im Bereich der Landwirtschaft etwas ist, von dem Frauen nur träumen können. Denn so etwas existiert dort nicht.

In Wahrheit ist es so, daß die Frauen selbstverständlich die Hausarbeit machen müssen und alle jene Arbeiten zu erledigen haben, die traditionell mit dem Bild der Frau verbunden sind. Darüber hinaus haben sie generell Lasten der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb zu tragen, aber die Gleichstellung in diesem Bereich ist einfach hintangestellt worden. Das ist noch nicht durchgedrungen, und deshalb muß es nicht verwundern, daß der Bereich der Landwirtschaft generell von hoher Überalterung der dort Berufstätigen gekennzeichnet ist und daß darüber hinaus das Bildungsniveau  so steht es in diesem Bericht  ein niedriges ist. Denn jede Frau, die sich das irgendwie ermöglichen kann, schlägt selbstverständlich einen anderen Karriereweg ein als den, in der Landwirtschaft tätig zu werden.

Wenn man eine bäuerlich strukturierte Landwirtschaft aufrechterhalten will, dann wird man Maßnahmen zu treffen haben, um den Bereich der Ausbildung besser abzudecken und das soziale Image  insbesondere der Frauen  zu heben. Sonst wird dieser Bereich  im wahrsten Sinne des Wortes  einfach vertrocknen. Es wird zu einer stark industrialisierten, kapitalintensiven Landwirtschaft kommen, und eine bäuerlich strukturierte Landwirtschaft wird etwas sein, das wir vielleicht fordern können, das aber sicherlich nicht gelebt werden wird.


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