Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 113. Sitzung / Seite 66

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Unternehmenszielorientierte Marktanalysen fanden bei der Bedarfsberechnung zuwenig Eingang. Auch das war ein Kritikpunkt.

Welche Veränderungen innerhalb der ÖBB gab es seit dieser Überprüfung, seit diesem Bericht, seit diesen Stellungnahmen?

Vom Jahre 1993 an hielt sich der neue ÖBB-Vorstand bei Neuanschaffungen zurück und wartete gesicherte Markt- und Bedarfsanalysen ab. Beim Einkauf wurden die Vorteile des Wettbewerbs effizienter als zuvor genutzt.

Der Personenverkehr war das stabilste Nachfrageelement. Diesem Umstand trugen die ÖBB mit der Beschaffung von Doppelstockwagen Rechnung.

Positiv äußerte sich der Rechnungshof zum Thema Personenbeförderung im Nahverkehr. Im Jahre 1996 reagierten die ÖBB auf den Bedarf beim Pendlerverkehr mit der Beschaffung von 60 Doppelstockwagen. Weitere 180 Doppelstockwagen bestellten die ÖBB im Juni 1996. Diese große Serie wurde international ausgeschrieben, und die ÖBB vermochten den Anschaffungspreis je Wagen im Vergleich zu dem Preis für die zuletzt im Jahre 1993 beschafften Reisezugwaggons um 18 Prozent zu senken und die Investition je Sitzplatz zu halbieren. Der Rechnungshof begrüßte in seiner Stellungnahme die Beschaffung von nahverkehrsspezifischem Rollmaterial zur Verbesserung des Komforts für die Kunden.

Zum Thema Beschaffung von Doppelstockwagen einige Details für Sie, meine Damen und Herren: Seit September 1997 sind Doppelstockwagen auf der Südbahn zwischen Wien und Payerbach-Reichenau im Einsatz. Wie schaut aber  und das ist für uns interessant  der weitere Plan für die Inbetriebnahme der Doppelstockwagen aus?  Vom September 1998 an werden Doppelstockwaggons auf der Ostbahn zwischen Wien und Parndorf eingesetzt, vom Mai 1999 an auf der Nordbahn zwischen Wien und Bernhardsthal, vom September 1999 an auf der Nordwestbahn zwischen Wien und Retz, vom Mai 2000 an auf der Westbahn  für mich als Niederösterreicherin sehr interessant  zwischen Wien und St. Valentin und vom September 2000 an auch auf der Franz-Josefs-Bahn zwischen Wien und Gmünd und zwischen Wien und Krems.

Meine Damen und Herren! Durch den Einsatz von Doppelstockwaggons kann man in einem Pendlerzug bei fast gleichen Kosten 1 200 statt 700 Fahrgäste befördern. Fast 70 Prozent der Pendler in Niederösterreich werden bis zum Jahr 2000 mit dem neuen rollenden Material unterwegs sein können. Der Ankauf von modernen und bequemen Doppelstockwaggons präsentiert sich somit als moderne und vor allem nahezu rein österreichische Lösung zur Attraktivierung des Nahverkehrs.

Als Niederösterreicherin möchte ich Ihnen auch einige Daten aus der Pendler-Studie, die die niederösterreichische Arbeiterkammer präsentiert hat, zur Kenntnis bringen. Laut dieser Studie muß ein Viertel der niederösterreichischen Arbeitnehmer täglich eine Stunde für den Weg zum Arbeitsplatz aufwenden. Von den 290 000 Tagespendlern müssen der Untersuchung zufolge 4 Prozent der Pendler eine Wegzeit von mehr als 90 Minuten in Kauf nehmen, 11 Prozent eine Wegzeit von 60 bis 90 Minuten, weitere 11 Prozent eine Wegzeit zwischen 45 und 60 Minuten, 18 Prozent eine Wegzeit zwischen 30 und 45 Minuten und 28 Prozent eine Wegzeit zwischen 15 und 30 Minuten.

Jeder vierte Pendler ist also insgesamt mehr als eineinhalb Stunden täglich unterwegs. Im Vergleich der Nettofahrzeiten schnitt die Bahn an gut ausgebauten Hauptstrecken  Süd- und Westbahn, Schnellbahn nach Hollabrunn und Gänserndorf  besser ab als die PKWs.

Meine Damen und Herren! Insgesamt ist die Anschaffung von Doppelstockwaggons zu begrüßen, da in diesem Zusammenhang die Wertschöpfung mit nahezu 100 Prozent in Österreich bleibt und damit österreichische Arbeitsplätze bei Produzenten und Zulieferbetrieben erhalten werden und somit auch der Ruf Österreichs im Eisenbahnbau gefestigt wird.


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