Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 122. Sitzung / Seite 88

Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite

ortfaktor, als Produktionsfaktor von Bedeutung ist und daß die Universitäten in Gesellschaftsdebatten, in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen eine große Rolle spielen sollten.  Das zum einen. (Abg. Dr. Grollitsch: "Zum Einem"!)

Zum zweiten sagt sie, daß aber auch Gesellschaftsdistanz wesentlich ist, im Sinne von Reflexion, konstruktiver Kritik an den Universitäten, Bewußtmachung von Widersprüchen, die es in einer Gesellschaft gibt, und auch als Funktion, Wissen zu bewerten.

Der dritte Punkt wäre  und das halte ich für einen sehr interessanten Beitrag, den Universitäten leisten könnten  die Gesellschaftsmoderation. Wenn es  etwas überspitzt formuliert  apokalyptische Zukunftsentwürfe gibt, könnten die Universitäten ein Ort der Kommunikation sein, wo man über die Fragen der Zukunft und über die Fragen der Gestaltung der Zukunft diskutieren könnte. (Abg. Dr. Lukesch: Genau das passiert ja!) Aber nicht in genügendem Ausmaß. Hier könnten meines Erachtens die Universitäten als Rolle der Initiatoren, als Rolle der Moderatoren von solchen gesellschaftlichen Debatten eine sehr anerkannte Rolle spielen. (Abg. Dr. Lukesch: Was steht dem entgegen?)

Was dem entgegensteht? Herr Lukesch, keine Frage, daß die Universität diese Aufgaben schon teilweise übernimmt. Ich glaube, daß diese Moderation der gesellschaftlichen Lernprozesse etwas ist, was die Universität in noch viel zu geringem Ausmaß für sich in Anspruch nimmt. (Abg. Dr. Lukesch: Das ist eine Frage der Akzeptanz!) Die Frage der Akzeptanz? (Abg. Dr. Lukesch: Das ist eine Frage der Akzeptanz!)

Ja, aber es ist die Frage, ob sie es in einer selbstbewußten Art und Weise für sich in Anspruch nimmt und sagt: Wir mischen hier mit, wir sind da, um bei diesen Jahrhundertdebatten mitzureden. Ich glaube schon, daß das akzeptiert wird, wenn sie es tut. (Abg. Dr. Lukesch: Wer hat denn die Wissenschafts- und Technologiefeindlichkeit genährt?) Nein, nein! Es ist nur mittlerweile so, Herr Lukesch, daß die Universitäten das von sich aus nicht mehr in Anspruch nehmen, und es wird von ihnen auch nicht mehr erwartet.

In vielen anderen Bereichen der Forschung, außerhalb der Universitäten, erwarten wir Antworten auf sehr viele Fragen und bekommen diese Antworten auch, etwa zur Arbeitslosigkeit  um nur ein Beispiel zu nennen , die eine Geißel unserer Zeit ist. Aber von der Universität erwarten wir dazu überhaupt nichts mehr.

Ich glaube, ein Problem dabei ist die disziplinenorientierte Universität. Es gibt diesen Spruch: "Communities have problems, universities have departments", oder, wie Peter Klotz das überspitzt formuliert  und das ist wirklich überspitzt : Die Wirklichkeit ist frech genug, sich über Fakultätsgrenzen hinwegzusetzen, manche Professoren nicht.  Insofern, glaube ich, wäre das ein Ansatz, um eine Diskussion darüber zu eröffnen  die sicherlich schon beginnt, aber nicht in genügendem Ausmaß , welche Rollenvielfalt sich für die Universität darstellen könnte. Dazu gehört meines Erachtens auch, daß sich Professoren und natürlich auch andere Universitätsangehörige nicht nur in ihrer Rolle Professoren sehen, sondern auch als Beteiligte an gesellschaftlichen Prozessen.

Ich glaube auch, daß wir dazu  und das ist etwas, was wir noch viel zuwenig ausgeprägt haben  einen Wissenschaftsjournalismus brauchen und auch die Bereitschaft, das an den Universitäten vorhandene Wissen überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Beifall der Abgeordneten Dr. Antoni und Dr. Karlsson. )

Zum dritten: Ein Punkt, der den Aufgaben der Universität entgegensteht, ist meines Erachtens das Problem der Aufwertung der Lehre. Ich glaube schon, daß es noch einen Mangel an didaktischer Ausbildung gibt und daß Karrierekriterien bei den Universitätsangehörigen sich noch viel zu sehr an der Forschung orientieren und noch zuwenig auch an der Lehre. (Beifall der Abgeordneten Dr. Antoni und Dr. Karlsson. )

Denn ich glaube auch, daß wir einen sehr traditionellen Forschungsbegriff haben, der das Lernen des Forschers als unwichtig und nur das Resultat als wesentlich hinstellt und der nicht


Home Seite 1 Vorherige Seite Nächste Seite