Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 165. Sitzung / 205

nur  wie man aufgrund der Darstellung des Kollegen Graf schließen könnte  lauter faule Kerle, spät vom Geistesblitz Getroffene oder "Abgedrängte" und so weiter, sondern das sind Studierende, sowohl männliche wie auch weibliche, die das Studieren mit einer systematischen Berufstätigkeit kombinieren. Da aber fehlt uns nun ein wenig das statistische Material, das statistische Instrument, um die Teilzeit-Studierenden auch als solche erfassen zu können und sie nicht in den "Topf" derer zu werfen, die aus anderen Gründen überlange Studienzeiten brauchen.

Das ist nun schon eine Interpretation des Berichtes zur sozialen Lage, die wir sorgfältig genug machen müssen. Es geht hier nicht an, einfach zu sagen  so wie ich es von Ihnen gehört habe , die Studierenden würden in die Berufstätigkeit abgedrängt. Diesbezüglich gibt es einen Nachholbedarf für einen Nachdenkprozeß. Dazu kommt sicher auch noch der Umstand, daß die Zubringerschulen vermehrt die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sind und daß sich von daher Studierende auch viel systematischer mit der künftigen Beschäftigung und Berufstätigkeit auseinandersetzen und nicht bloß Schwarzarbeit, wie auch angeklungen ist, betreiben oder Ferialjobs irgendwelcher Art annehmen oder sonst irgend etwas machen, sondern sich mit ihrer Berufstätigkeit in Wahrheit auf das Studium und auf den Beruf danach vorbereiten.

Meine Damen und Herren! Ich rufe in Erinnerung, daß wir im November 1998 eine Entschließung gefaßt haben, in der die Bundesregierung ersucht wird, bis längstens Ende 1999 Vorlagen zur Schaffung des Teilzeitstudiums einschließlich der studienrechtlichen, sozial- und arbeitsrechtlichen Aspekte zu präsentieren, damit die Implikationen daraus abgelesen werden können.

Ich bringe diese Entschließung in Erinnerung und fand den Bericht zur sozialen Lage der Studierenden bis jetzt sehr aufschlußreich und für mich hilfreich für die weitere Arbeit.  Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.)

22.30

Präsident Dr. Heinz Fischer: Nächster Redner ist Herr Abgeordneter Dr. Rada.  Bitte.

22.31

Abgeordneter Dr. Robert Rada (SPÖ): Sehr geschätzter Herr Präsident! Herr Bundesminister! Hohes Haus! In einem einzigen Punkt bin ich mit Kollegen Graf einer Meinung: Es ist gut, daß dieser Bericht vorliegt, und es ist gut, daß es diesen Bericht gibt. Man kann daraus auch sehr viel Positives herauslesen, und das habe ich eher herausgelesen als Sie, Herr Kollege. (Abg. Dr. Graf: 31 Jahre alte Studenten!)

Wir nehmen natürlich zur Kenntnis  Frau Abgeordnete Brinek hat das jetzt ganz klar und deutlich ausgeführt , daß es auch Menschen gibt, die vorher in einen Beruf einsteigen und erst später noch einmal ein Studium beginnen. Es wird sicherlich auch den einen oder anderen geben, der durch die Strukturanpassungsgesetze vielleicht noch früher und auch bereits während seines Studiums in einen Beruf eingestiegen ist. Aber das ist es nicht ausschließlich, denn mehr und mehr erwartet sich die Wirtschaft von einem Studienabgänger, daß er bereits einschlägige Berufserfahrungen gemacht hat. Wann aber soll er diese Erfahrungen denn machen, wenn nicht während seiner Studienzeit?

Natürlich gebe ich auch zu, daß manche junge Menschen aufgrund ihrer sozialen Situation Berufe ausüben müssen. Aber das war nicht erst jetzt, seit es diese Strukturanpassungsgesetze gibt, so, sondern das war immer der Fall. Wenn man diesen Bericht insgesamt durchliest, so ist daraus klar und deutlich zu erkennen, daß es unseren jungen Menschen jetzt während ihrer Studienzeit doch wesentlich besser geht, als es jenen vor ungefähr 20 Jahren gegangen ist.

Folgendes ist in diesem Zusammenhang allerdings hervorzuheben  und auch das kann man aus diesem Bericht herauslesen, wenn man ihn kritisch hinterfragt : Es wird für Berufstätige schwieriger, die Rahmenbedingungen an den Universitäten und Hochschulen dafür vorzufinden, das vorgeschriebene Pflichtseminar auch dann besuchen zu können, wenn sie dazu Zeit haben, oder den Prüfungstermin dann zu bekommen, wenn es ihr Beruf zuläßt, um nicht durch dadurch bedingte Zeitverluste eine erhöhte Studiendauer zu haben.


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