Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 166. Sitzung / 184

Sehr geehrte Frau Bundesministerin! Ich glaube, daß wir mehr leisten hätten können und daß wir Parlamentarier uns wieder einmal mit der unerquicklichen Frage beschäftigen müssen, ob wir überhaupt mit unserem Tempo der Erarbeitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen schnell genug sind, um parallel reagieren zu können, oder ob wir und die Verwaltung gerade bei diesen Themen, die sich einer rasanten Entwicklung erfreuen, so langsam sind, daß dann, wenn wir unsere Beschlüsse fassen, die wissenschaftliche Forschung eigentlich immer schon um zwei oder drei Schritte vor uns ist.

Ich glaube, daß der österreichische Konsument und die österreichische Bevölkerung auf diese entscheidenden Fragen eine Antwort bekommen sollten.  Aus meiner Sicht und aus der Sicht der freiheitlichen Fraktion ist die Antwort auf diese Frage eindeutig und klar negativ: Die Verwaltung und die Politik sind in diesem Bereich überfordert, sie haben zu langsam und zu zögerlich reagiert, vielleicht auch mit dem Willen, anderen Interessen und Lobbys Vorschub zu leisten. Auch das mag, Kollege Leiner, zugegeben sein. Ich glaube aber, daß wir im Interesse der Bevölkerung und im Interesse der Sicherheit unserer Umwelt sowie unserer Zukunft nicht immer weise Entscheidungen getroffen haben. Diese Kritik muß ich leider heute aufrechterhalten! (Beifall bei den Freiheitlichen.)

20.55

Präsident MMag. Dr. Willi Brauneder: Weiters zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Dr. Pittermann. 6 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung.  Bitte.

20.55

Abgeordnete Dr. Elisabeth Pittermann (SPÖ): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Hohes Haus! Zuerst möchte ich meinen Dank an alle Beteiligten für diesen interessanten und ausgewogenen Bericht aussprechen. Im Ausschuß wurden die Vorsitzenden und von meinem Vorredner wurde die ganze Kommission als zu gentechnikfreundlich abqualifiziert.

Ich kann im Bericht keine einseitige Haltung erkennen. Gerade diese Vorsitzenden, Sektionschef Dr. Bobek, ein profunder Kenner der Materie, der als Beamter zu höchster Objektivität verpflichtet ist, und mein sehr verehrter Lehrer, der hochgeschätzte, international anerkannte Wissenschafter und frühere Wissenschaftsminister Universitätsprofessor Dr. Tuppy, sind ebenso wie die anderen Mitglieder dieser Kommission Garanten für höchste Qualität, eingehende Prüfung und beste Ergebnisse. Ich gebe aber zu, daß mich persönlich kontroversielle Meinungen und Gegenstimmen bei nicht einstimmigen Beschlüssen interessieren.

In vielen Ausschußsitzungen und in der Plenardebatte haben wir uns eingehend mit vielen Aspekten der Gentechnik auseinandergesetzt. Ich stelle nochmals fest: Nur ein Fünftel der Wahlberechtigten stimmte für das Volksbegehren. Die restlichen vier Fünftel schienen keine so gravierenden Bedenken zu haben, um das Volksbegehren zu unterzeichnen. Wir haben derzeit eine ausgezeichnete Gesetzeslage im Bereich der Gentechnik, in der umfassend auf alle Bedürfnisse eingegangen wird. Eine Erweiterung ist daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht nötig! (Beifall bei der SPÖ.)

Als Ärztin sind mir in erster Linie alle mit der Gentechnik verknüpften medizinischen Fragen überaus wichtig. In der Medizin bieten Genanalysen und Gentherapie eine faszinierende Möglichkeit, Patienten zu helfen, und zwar gerade jenen, die die schwersten Leiden haben. Daß es vor allem im Bereich Genanalysen sehr ernste ethische Fragen gibt, ist allen klar. Trotzdem erachte ich die Möglichkeit, Bescheid zu wissen, welches Krankheitsrisiko man in sich birgt, als wichtig. Dies ist nach dem derzeitigen Wissensstand vielleicht bei der Chorea Huntington äußerst problematisch, bei der man zwar die Gewißheit des Krankheitsausbruchs, aber keine Möglichkeit der Verhinderung oder Heilung hat. Es ist aber sinnvoll, um eine Prädisposition für Brust-, Eierstock- und Darmkrebs festzustellen, denn derzeit ist Krebs nur bei Früherkennung und Operation heilbar.

Wer weiß, daß sein Erkrankungsrisiko höher ist, wird öfter zu den nicht immer angenehmen Vorsorgeuntersuchungen gehen und hat so bessere Überlebens- und Heilungschancen. Allen, die sagen, daß es so schrecklich ist, zu wissen, daß man ein erhöhtes Krankheitsrisiko hat, kann ich nur sagen: Der Tod ist für jeden von uns gewiß. Und man muß einem Patienten, wenn


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