Nationalrat, XX.GP Stenographisches Protokoll 176. Sitzung / 52

Unsere Überlegungen seit der uns allen noch erinnerlichen Zäsur im Jahre 1985 lauten zusammengefaßt: kompromißloses Eintreten für Qualität und bedingungsloses Bekenntnis zu kontrollierten, begrenzten Mengen.  Heute, 15 Jahre danach, hat der österreichische Wein weltweit einen hervorragenden Ruf, unsere Spitzenwinzer sind Weltklasse, auf sie können wir stolz sein, meine Damen und Herren! (Beifall bei der SPÖ und bei Abgeordneten der ÖVP.)

Als durchaus positiv ist auch hervorzuheben, daß die Zahl der Weininteressenten stark zugenommen hat. Und als Vertreter einer Tourismusregion darf ich noch folgendes hervorstreichen: Vor Jahren war das Angebot  sowohl in der Menge als auch in der Qualität  in der Gastronomie eher begrenzt und nicht von hohem Niveau.  Heute können wir feststellen, daß exzellente Weine angeboten werden und  was besonders erfreulich ist  von den Konsumenten auch geschätzt und gekauft werden. (Beifall bei der SPÖ.)

Ein weiterer wesentlicher Punkt: Mit der Novelle 1999, die wir heute beschließen, erfolgt nicht nur eine vollständige EU-Rechtsanpassung und damit verbunden ein Neuaufbau des Weingesetzes, geordnet nach Wein-Sachgebieten, sondern darüber hinaus wird mit dem neuen Weingesetz eine Begriffsdefinition vorangestellt, wodurch es nicht mehr  wie in der Vergangenheit immer wieder  zu Fehlauslegungen aufgrund großer Interpretationsspielräume kommen wird.

Diese Weingesetz-Novelle 1999, meine sehr geehrten Damen und Herren, bringt für Produzenten, Handel, Weinkonsumenten und Weinaufsicht ein neues, klar strukturiertes und damit sehr praktikables Weingesetz, welches durch die Streichung einer Bestandsmeldung auch der Zielsetzung der Entbürokratisierung gerecht wird.

Wir sind überzeugt davon, daß wir damit vor allem den dynamischen, über unsere Grenzen hinaus bekannten Weinbaubetrieben eine solide, einschätzbare und moderne Rechtsgrundlage geben, durch die der bisherige Erfolg im In- und Ausland weiterhin prolongiert wird. (Beifall bei der SPÖ.)

11.26

Präsident Dr. Heinrich Neisser: Nächste Rednerin ist Frau Dr. Gabriela Moser. 3 Minuten freiwillige Redezeitbeschränkung.  Bitte.

11.26

Abgeordnete Dr. Gabriela Moser (Grüne): Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Minister! Sehr geehrte Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Gestern brachte Herr Dr. Stummvoll anläßlich der Budgetdebatte ein  ja, wie soll man sagen?  sehr ausgebleichtes Porzellanschwein als Symbol an dieses Rednerpult.  An sich sollte dieses Symbol auch heute während der gesamten Debatte zu diesen Tagesordnungspunkten hier stehen, und zwar als Zeichen dafür, wie die industrielle Landwirtschaft mit den Tieren umgeht, unter welchen Umständen vor allem in unseren Konkurrenz- und Nachbarstaaten, teilweise aber auch in Großbetrieben in Österreich mit den Tieren verfahren wird.

Es liegen mir Unterlagen vor, die deutlich belegen, daß die Schweinezucht insgesamt eine Sache auf Minuten und Sekunden ist. Das fängt schon bei der Fütterung an, denn es wird all das genauestens zusammengemischt, was optimales Wachstum gewährleistet, es wird ein optimaler Mix mit dem Ziel hergestellt, das Ferkel möglichst bald von der Mutter trennen zu können, es wird also vor allem mit sehr viel Chemie gearbeitet! Alles dient dazu, möglichst schnell einen entsprechenden Umsatz zu haben, möglichst schnell zu Geld zu kommen.

Aber gerade dieses Bestreben führt dazu, daß auch bei uns der Schweinepreis im Keller ist, daß auch bei uns die Mäster Schwierigkeiten haben, daß auch bei uns insgesamt gesehen auf der einen Seite das Tierleid größer wird, auf der anderen Seite aber der Gewinn geringer. Das ist paradox, das ist pervers und für mich das deutlichste Signal und das beste Zeichen für eine völlig widersinnige Tierzucht- und Landwirtschaftspolitik, die es größtenteils auch in Österreich gibt.

Auf der anderen Seite haben wir in Österreich durchaus bereits den zukunftsträchtigen Weg in der Landwirtschaft eingeschlagen, denn es sind, wie ich glaube, schon 25 Prozent der Betriebe


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