Nationalrat, XXI.GP Stenographisches Protokoll 28. Sitzung / Seite 83

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Meine Damen und Herren! Es gibt Dinge, die man nicht oft genug betonen kann und immer wieder in Erinnerung rufen muss: Die Kinder und Jugendlichen sind die Zukunft für uns alle. Diese Prämisse sollte auch die Politik in Österreich in Zukunft noch deutlicher als bisher prägen. Regierungsprogramm und Budget bieten hier deutliche Ansätze mit einer zukunftsorientierten Familienpolitik.

Wenn wir jedoch Politik für Jugendliche und Kinder machen, dann müssen wir uns auch deren Bedürfnisse näher ansehen. In Oberösterreich hat das Landesjugendreferat eine Studie, die "Jugendstudie 2000", durch das Market-Institut durchführen lassen, um einen Einblick in die Jugendkultur und in die Erwartungshaltungen  welche Wünsche und Anliegen und dergleichen gibt es bei den Jugendlichen?  zu erhalten.

Die wichtigsten Ergebnisse waren unter anderem: Für Jugendliche in Oberösterreich heißt Jungsein Spaß haben. Dennoch stehen Ehrlichkeit und Geradlinigkeit ganz vorne. Die Mitgestaltung der eigenen Zukunft  das heißt auch Mitarbeit in der eigenen Heimatgemeinde  ist für die Jugendlichen durchaus ein anzustrebendes Ziel. Die Jugend in den ländlichen Regionen wünscht sich eine bessere Infrastruktur, die näher an ihren Bedürfnissen ist, angefangen von der verkehrstechnischen Einbindung bis hin zur Versorgung mit Ausbildungsmöglichkeiten, Ausgehmöglichkeiten und Einkaufschancen.

Nur ein Beispiel in diesem Zusammenhang: In den letzten Tagen wurde des Öfteren der abgestufte Bevölkerungsschlüssel angesprochen. Der Jugendliche in Wien ist mehr als 12 000 S im Jahr wert, ein Jugendlicher in ländlichen Regionen nur 6 000 S. Ist das gerecht?  Ich glaube, der abgestufte Bevölkerungsschlüssel schreit eigentlich nach Neuordnung und nach Gerechtigkeit. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Insbesondere Arbeitsplätze sind ein Topthema bei den Jugendlichen. Weitere Themen in dieser Rangordnung sind für die Jugend vor allem auch die Pensionen und die Kriminalität. Das heißt, die Jugendlichen haben durchaus einen Weitblick.

Diese wenigen Eckpunkte der Studie zeigen: Die Jugendlichen haben konkrete Vorstellungen von ihrer Zukunft und wollen sich für diese auch engagieren, und sie halten Werte wie Ehrlichkeit sehr hoch. Auf der anderen Seite sind manche Jugendliche durchaus politik- und auch europaverdrossen  ein Grund mehr dafür, dass wir uns der Jugend zuwenden, anstatt sie aus dem Blickfeld zu verdrängen. Oder, anders gesagt: Die Politik darf in Zukunft nicht "jugendverdrossen" sein.

Ein wesentlicher Punkt ist, dass sich die jungen Oberösterreicher mehr Zeit mit der Familie wünschen. Ich glaube, da sind wir als Regierungsparteien auf dem richtigen Weg: in Richtung bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (Beifall bei der ÖVP sowie bei Abgeordneten der Freiheitlichen.)

Das Thema "sichere Arbeitsplätze" steht an oberster Stelle. Arbeitslosigkeit kann bei Jugendlichen wirklich bis zu hin einer Sinnkrise führen, sie beeinträchtigt schlicht und einfach auch das Selbstbewusstsein. Arbeit und Beschäftigung gehören zum gesamtheitlichen Ansatz und zur Akzeptanz in der Gesellschaft. Es muss unsere Aufgabe sein, verstärkt weiterhin Arbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen und darüber hinaus entsprechend in Richtung Ausbildung und Bildung vorzusorgen.

Jugendliche im ländlichen Raum sind in bestimmten Bereichen benachteiligt. Ich denke dabei zum Beispiel an die fehlende Heimfahrtbeihilfe für Internatsschüler und Schüler. Diese Ungerechtigkeit muss, sobald es das Budget erlaubt, beseitigt werden. (Beifall bei der ÖVP und den Freiheitlichen.)

Ich denke, neben diesen beispielhaft angeführten konkreten Maßnahmen müssen sich die Politiker aller Fraktionen in der Zukunft mehr der Anliegen der Jugendlichen annehmen. Jugendliche haben ein gutes Gespür dafür, wer gebetsmühlenartig Phrasen betet, und wer  auch wenn dies manchmal unangenehm ist  sich wirklich bemüht, die Wahrheit sagt und ihre Anliegen ernst nimmt, wer sich kompetent um die Lösung von Problemen bemüht, wer sich wirklich zur Heimat


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