Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 3. Sitzung / Seite 83

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Tageszeitungen, die dann auch um 15 Uhr Redaktionsschluss hatten; an Katastrophentagen natürlich nicht.

Bei der „Zeit im Bild 2“ hatte man damals – und das mögen viele von Ihnen auch nicht glau­ben – die feste Ansicht, dass 20 Minuten Parlamentsberichterstattung pro Plenartag das In­teresse der Österreicherinnen und Österreicher treffen würden. Das war für denjenigen, der einen Tag lang mitgeschrieben hat, keine leichte Arbeit, aber es vermittelte den Sehern und Seherinnen des ORF ein viel besseres Bild von der Arbeit dieses Hohen Hauses, als es heute in den Kurzbeiträgen der „Zeit im Bild 1“ und der „Zeit im Bild 2“ gegeben wird. Mag sein, dass sich die Interessen der Menschen tatsächlich so verändert haben, dass man das heute den Leuten nicht mehr zumuten kann. Damals konnte man es, und ich sage Ihnen: Es waren vergnügliche, wenn auch anstrengende Tage hier im Hohen Haus, und ich habe Redner reden gehört, an deren rhetorische Qualitäten ich mich heute noch mit Bewunderung erinnere.

Ich freue mich jedenfalls auf meine neue Arbeit hier. Ich kenne ja viele von Ihnen von meinem alten Job her, und ich möchte mir die Gesprächsbasis, die ich mir als ORF-Mitarbeiter und Moderator mit Ihnen aufgebaut habe, erhalten, auch wenn Sie in anderen Teilen des Hauses sitzen als ich.

Das Leben eines Abgeordneten hat ja viel mit dem Leben eines Journalisten gemein – ich glaube, das kann ich jetzt schon sagen –: Es wird einem erstens nicht alles freiwillig gesagt, man wird zweitens im Kreis herumgeschickt, und man muss drittens froh sein, wenigstens hinter vorgehaltener Hand das eine oder andere doch noch „gesteckt“ zu bekommen. (Rufe bei der ÖVP: Das ist bei der SPÖ so! – Was ist das für ein Klub?) – Nun ja, das ist so, oder? Geht es Ihnen besser? Dann komme ich zu Ihnen recherchieren! (Weitere Zwischenrufe bei der ÖVP.) – Also wer immer sagt, er weiß alles, an den werde ich mich gerne wenden. Ich mache es mir auf diese Weise auch einfacher.

Meine ersten Erfahrungen hier sind aber ohnedies nicht so schlecht. Ich habe mir gedacht, ich schaue einmal, was passiert, wenn ich im Wirtschaftsministerium anrufe und sage: „Grüß Gott“ – vor drei Monaten hätte ich noch gesagt: „Broukal, ORF“, jetzt sage ich: „Broukal,
SPÖ“ –, „ich hätte gerne diese Zahlen.“ – Also das war nicht sehr von Erfolg gekrönt. (Ruf bei der ÖVP: Früher hat er es leichter bekommen!)

Besser ging es mir, muss ich sagen, im Finanzministerium, wo Herr Kollege Winkler sagt: Selbstverständlich!, und ein paar Stunden später hatte ich die Powerpoint-Präsentation, die die Herren Finz und Grasser vor ein paar Tagen gehalten haben, auf meinem Laptop und konnte sie in einem Vortrag verwenden, wofür ich mich sehr herzlich bedanke. (Demonstrativer Beifall sowie Bravo- und Super-Rufe bei der ÖVP.)

Man sieht, oft ist die Welt nicht so, wie man sie sich auf den ersten Blick vorstellt: Unterstützung dort, wo man sie nicht erwartet – und dort, wo man glaubt, offene Türen einzurennen, Beton, gegen den man klatscht. Aber man lernt jeden Tag dazu, und ich habe jetzt gelernt: Von Ihnen bekomme ich in Zukunft alles, was ich mir selbst nicht errecherchieren kann.

Es scheint in Österreich durchaus Privatwissen der staatlichen Verwaltung zu geben – damit komme ich jetzt langsam zu meinem Thema –, und ich muss sagen: Das unterscheidet meine neue Arbeit auch nicht so sehr von der alten. So wie man als Journalist natürlich oft sehr gute Beziehungen braucht, um Unterlagen zu bekommen, die mit Steuergeld angefertigt wurden und Verwaltungs- und Herrschaftswissen gegenüber den Untertanen dieses Landes bilden, so ist es nun auch als Abgeordneter. Ich denke etwa nur daran, dass es angeblich eine Umfrage über die Studiengebühren gibt, deren Ergebnisse die Frau Ministerin exklusiv hortet. (Abg. Dr. Bri­nek: Nein, ...!) Sie sagt uns ausgewählterweise, was sie uns davon sagen will, aber die Bitte des Klubs etwa der SPÖ, diese Umfrage in ihrer Gesamtheit präsentiert zu bekommen, damit man sich auch ein eigenes Bild machen kann – wie viele Befragte?, wie lauteten die Fragen genau? –, diese Bitte ist bis heute nicht erfüllt worden. Sollte ich offene Türen eingelaufen sein, freue ich mich sehr herzlich. Meine E-Mail-Adresse lautet: jb@netway.at. (Heiterkeit und Beifall


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