Nationalrat, XXII.GP Stenographisches Protokoll 43. Sitzung / Seite 76

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3) Ausbildungsgarantie für Jugendliche

Alle Jugendliche haben das Recht auf eine Lehrstelle oder einen Platz in einer weiter­führenden schulischen Ausbildung. Es darf deshalb kein Jugendlicher ohne Ausbil­dungsplatz dastehen!

Das AMS muss mit ausreichenden finanziellen Mitteln ausgestattet werden, um sowohl persönliche Beratung als auch Qualifizierung zu garantieren. Jene Jugendlichen, die aufgrund von sozialen oder sprachlichen Problemen oder Schul- oder Lehrabbrüchen Schwierigkeiten haben, eine Lehrstelle oder einen schulischen Ausbildungsplatz zu finden, brauchen spezielle Unterstützung. Zur Förderung der Lehrlingsausbildung soll auch die Möglichkeit geschaffen werden, Vollzeitberufsschulen in Form von Schulver­suchen nach §7 SchOG – wo regional notwendig – zu erproben.

4) Lastenausgleich zwischen den Betrieben durch einen Lehrlingsfonds

Die Kosten für die Lehrlingsausbildung sind in Österreich zwischen den Unternehmen ungerecht verteilt. Jene Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen in Zukunft einen finanziellen Beitrag in einen Fonds einzahlen. Dieses Geld soll jenen Betrieben zugute kommen, die Lehrlinge ausbilden. Der Lehrlingsfonds soll auch die Motivation der Be­triebe steigern, Lehrlinge auszubilden.

5) Einrichtung von regionalen Jugendbeschäftigungsgipfeln

Die jährliche Situation am Lehrstellenmarkt ist aus regionaler Perspektive am besten abschätzbar, da Probleme vor Ort besser erkannt werden und Lösungen somit rascher erfolgen können. Jugendbeschäftigung soll daher regional gefördert werden. Im Rah­men von regionalen Jugendbeschäftigungsgipfeln mit VertreterInnen der Wirtschaft, der Schulen und der Politik soll jährlich bis zur Jahresmitte die Lage am Arbeitsmarkt erhoben werden. Angebot und Nachfrage müssen geprüft werden um frühzeitig etwaige Auffangmaßnahmen zu beschließen.

6) Flexiblere Lehrlingsausbildung

Fundierte Grundkenntnisse und Spezialisierung dürfen in der Lehrlingsausbildung keinen Gegensatz darstellen.

Dafür ist notwendig:

Modularisierung der Ausbildung: Bei einem Modulsystem könnten die Lehrlinge neben einem Basismodul mehrere Zusatzmodule ohne Verlängerung der Lehrzeit absolvie­ren. Diese Zusatzmodule können auch in Partnerbetrieben abgelegt werden, die Ver­antwortung für den Lehrabschluss bleibt jedoch beim ersten Lehrbetrieb.

Verbund von Ausbildungsbetrieben: Wenn ein Betrieb nicht alle im Berufsbild fest­gelegten Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln kann, wird Lehrlingen damit die Mög­lichkeit geboten, einen Teil ihrer Ausbildung in einem Partnerbetrieb oder einer über­betrieblichen Einrichtung (BFI, WIFI usw.) zu erwerben. Die bisher schon mögliche Zusammenarbeit zwischen den Lehrbetrieben soll weiter ausgebaut werden.

Einrichtung von Gruppenlehrberufen: Um Schmalspurlehrberufe mit geringen Zukunfts­chancen zu vermeiden, sollen mehrere Lehrberufe zu einem Gruppenlehrberuf zusam­mengefasst werden. Eine breite Basisausbildung mit anschließender Spezialisierung ist hier das angestrebte Ziel.

7) Schaffung neuer Lehrberufe mit Zukunftsperspektive

Neue Lehrberufe müssen der Vielfältigkeit der neuen Berufsfelder entsprechen und Fachkräfte hervorbringen, die sowohl über Theorie- als auch Praxiskompetenz ver­fügen.

 


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