Länder, die die Geschwindigkeitslimits erhöht haben, wie zum Beispiel die USA die Speedlimits auf den Interstate Highways, haben eine Zunahme der Verkehrstoten von über 20 Prozent. Die Schweiz, die einen anderen Weg gegangen ist, nämlich eine Reduzierung der Limits von 130 km/h auf 120 km/h konnte um 10 Prozent oder 12 Prozent, um präzise zu sein, die Anzahl der Verkehrstoten reduzieren. Das würde bei uns über hundert Verkehrstote weniger bedeuten.
So, Herr Walch, sagen Sie jetzt immer noch, dass Sie nicht glauben, dass die Geschwindigkeit in irgendeinem Zusammenhang mit den Unfallzahlen steht?!
Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, und die Ergebnisse sind eigentlich sehr deutlich, sehr dramatisch. Auf einer Strecke, wo 160 gefahren wird, gibt es ein Verletzungsrisiko, ein Unfallrisiko und vor allem ein Risiko eines tödlichen Unfalls, das 77 Prozent über dem auf einer Normalstrecke liegt. Beim Risiko „tödlicher Unfall“ sind es sogar über 116 Prozent, also eine Verdoppelung. Das würde im Jahr mindestens fünf zusätzliche Verkehrstote, mindestens 50 zusätzliche Unfälle mit Personenschaden und zirka 120 zusätzliche Verletzte in Österreich bedeuten. Das ist eine dramatische Bilanz, die man sehenden Auges eigentlich nicht riskieren dürfte.
Jetzt frage ich Sie: Wer will denn eigentlich von Ihnen 160 km/h fahren und warum überhaupt? (Die Abgeordneten Neudeck, Bucher und Fauland heben die Hand.) Da zeigen jetzt mehrere auf. Sie glauben vielleicht an Zeitersparnis. Ich weiß es nicht. Aber ist es Ihnen wert, für, im Idealfall, sage und schreibe 10 Minuten Zeitersparnis auf der Strecke von Wien nach Salzburg durch Schnellfahren zusätzliche Menschenleben, zusätzliche Verletzte, zusätzliche auseinander gerissene Familien zu riskieren?
Ich sage Ihnen: Zehn Minuten gewinnen Sie im Idealfall. Wenn Sie von Wien mit 160 km/h losfahren und mit dieser Geschwindigkeit bis Salzburg durchfahren, gewinnen Sie bei normalen Bedingungen, wie örtlichen Tempolimits, Beschleunigungszeit, denn Gas geben muss man auch noch, abzüglich der Zeit, die man braucht bei nasser Fahrbahn und Dunkelheit, wenn 160 km/h nicht möglich sind, und abzüglich des Zeitverlustes durch Verkehrsbelastung – was schätzen Sie? (Abg. Neudeck: Sind wir hier bei der Millionenshow? Dann möchte ich den Publikumsjoker! – Abg. Großruck: Der Assinger ist besser!) –, eine halbe Minute. Für diese halbe Minute sind Sie bereit, all diese Konsequenzen in Kauf zu nehmen?
Ich glaube, jeder von uns kennt Familien, wo ein Familienmitglied durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Ich glaube, man kann das einfach nicht verantworten. Jede Maßnahme, die die Verkehrssicherheit in Österreich verschlechtert, ist abzulehnen, Herr Minister! (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Dr. Gusenbauer.)
Es gibt noch ein paar interessante Daten, außer diesem angeblichen Zeitgewinn. Die Studienautoren haben das recht zynisch verglichen: Im Durchschnitt, wenn man das auf die gesamte österreichische Lebenszeit umrechnet, wäre es effizienter und nützlicher, statt Schnürsenkel Klettverschlüsse bei Schuhen zu verwenden. Das bringt den Österreicherinnen und Österreichern mehr Zeitersparnis als Tempo 160 auf Autobahnen. (Beifall bei den Grünen sowie des Abg. Dr. Gusenbauer.)
Ich komme nun zum ökonomischen Aspekt, zum volkswirtschaftlichen Aspekt. – Ich glaube, ich brauche Ihnen nicht vorzurechnen, dass zusätzliche Verkehrstote und zusätzliche Verkehrsverletzte auch eine ökonomische Belastung für die Volkswirtschaft sind – bei aller Tragik, die das in den Familien anrichtet. Sie müssen auch berücksichtigen, dass genau bei jenen Strecken, auf welchen Sie das Tempolimit 160 einführen wollen, nämlich auf den dreispurigen Ausbauten rund um die großen Städte, also im suburbanen Bereich, auch sehr viele Siedlungen sind, Menschen wohnen und dass dort daher die Lärmschutzmaßnahmen, die dafür dann unzureichend sind, verstärkt werden müssten. Das würde laut der Studie, die wir in Auftrag gegeben haben,