Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll27. Sitzung / Seite 242

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

brauchen, dass wir ein gebündeltes Vorgehen brauchen, dass wir in der Tourismuswirt­schaft, um die Potentiale österreichweit nutzen zu können, endlich an einem Strang ziehen sollen. Die Wirtschaftskreise im Tourismus haben dafür einen Namen, sie nen­nen das Masterplan. Ich habe daraufhin bereits Ende Jänner einen Vorschlag hier im Parlament gemacht, dass wir zu einer gemeinsamen Strategie kommen, dass wir einen gemeinsamen Masterplan entwickeln. Doch dann begann das Tauziehen.

Herr Minister, wir wissen es ja, der Bereich Tourismus fällt in die Zuständigkeit der Bundesländer. Wir kennen das in anderen Gebieten Ihres Tätigkeitsbereiches auch: neun Bauordnungen – Sie sind auch für Bauten zuständig. Aber es hat sich an den neun Bauordnungen nichts geändert, nicht einmal eine Artikel-15a-Vereinbarung ha­ben wir zustande gebracht. Im Tourismus wird es womöglich genauso sein: kein Mas­terplan, sondern heute eine Allparteieneinigung auf Minimalniveau. Minimalniveau heißt, der Herr Minister wird Vereinbarungen mit den Bundesländern schließen, wird Verhandlungen führen im Hinblick auf eine strategische Weiterentwicklung. (Abg. Zweytick: Sehr sinnvoll!) Ich habe mir gedacht: Stimmen wir zu, vielleicht macht er es wirklich, denn notwendig ist es!

Herr Kollege Zweytick, darf ich Ihnen die Zahlen einmal nennen: Es gibt weltweit zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2006 Gästeankünfte, die durchschnittlich um 3,4 Prozent gestiegen sind. In Österreich sind es 2,2 Prozent. Warum in Österreich we­niger? – Die Hoteliervereinigung sagt, dass das daran liegt, dass wir nicht koordiniert und akkordiert vorgehen, daran, dass wir unsere Potentiale nicht synergetisch nutzen, daran, dass es einen Kantönligeist gibt. (Abg. Zweytick: Man muss den Level verglei­chen!)

Stichwort „Kantönligeist“. In der Schweiz ist der längst verabschiedet worden. In der Schweiz gibt es eine Dachmarke, und deswegen hat die Schweiz ein Nächtigungsplus von über 4 Prozent im vergangenen Winter erreicht. Aber in Österreich sind wir um mindestens 1 Prozent dahinter geblieben.

Das alles ist das Resultat dieser unkoordinierten Vorgangsweise! Und darum spricht überhaupt nichts dagegen, dass wir das besser machen und dass wir das masterplan­mäßig machen. Jetzt machen wir den ersten Schritt. Ich bin neugierig, wie weit uns die­ser bringen wird.

Herr Minister, mein Problem ist ja, dass Sie Wirtschaftsminister und Arbeitsminister sind, dass Sie sich mit Sachen beschäftigen, die Sie lieber dem Sozialminister überlas­sen sollten, um dadurch mehr Zeit dafür zu gewinnen, sich genuin für Wirtschaftsbelan­ge einzusetzen, eben für Tourismusbelange, für Belange, die auch die Hoteliervereini­gung fordert.

Ich kann Ihnen da nur die Zahlen weiter nennen. – Es wird beklagt, dass wir im Zeit­raum von 2009 bis 2015 insgesamt auf 28 Millionen Nächtigungen und damit auf 4,8 Milliarden € Umsatz werden verzichten müssen – das sagen die Vertreter der Wirt­schaft –, wenn wir nicht akkordiert vorgehen. Und da bleibt mir als grüner Tourismus­sprecherin wirklich nichts anderes übrig, als hier der Wirtschaft das Wort zu reden: Warum sollen wir nicht bündeln? Warum sollen wir nicht akkordiert vorgehen? Warum sollen wir nicht einen gemeinsamen Masterplan machen?

Deswegen plädiere ich dafür, dass wir das, was wir heute sozusagen allparteienmäßig beschließen, als ersten Schritt betrachten und diesem ersten Schritt einen zweiten folgen lassen, denn wir brauchen, auch was das Potential des Tourismus angeht – 16 Prozent Bruttoinlandsprodukt werden ja da erwirtschaftet –, Wachstumsmärkte. Es heißt ja immer wieder, dass wir Wachstumsmärkte brauchen – ich spreche ja den Jar­gon jetzt schon eloquent nach, denn man lernt ja das im Handumdrehen.

 


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite