Nationalrat, XXIII.GPStenographisches Protokoll51. Sitzung / Seite 40

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wendig es ist, dass Kinder aus Familien, wo sich die Partner getrennt haben, auch Vä­ter haben, die für sie da sind.

Wir haben den ersten Männergesundheitsbericht gemacht, und es sind Einrichtungen geschaffen worden, die heute weitergeführt werden und nicht mehr wegzudenken sind. Zwei Beispiele: die Besuchsbegleitung und die Einführung der Besuchscafés für Väter besonders nach der Scheidung. Dazu, Herr Bundesminister, ist positiv zu vermerken, dass Sie für diese Besuchscafés mehr Geld in die Hand genommen haben. Aber ich vermisse nach wie vor die gesetzliche Basis dafür, für die Sie sich verstärkt einsetzen sollten. Es wurden in den letzten Jahren auch Männerberatungsstellen bundesweit ge­schaffen. Sie, Herr Bundesminister, haben diese Einrichtungen weiterentwickelt und führen sie weiter, und das ist grundsätzlich positiv.

In Anbetracht dessen frage ich mich: Was ist wirklich neu an der Männerpolitik dieser Bundesregierung? – Sie haben zuvor gesagt, dass ein Schwerpunkt die Bewusstseins­bildung für eine gleichberechtigte Partnerschaft ist. Das ist alles schön und gut, aber ich frage mich: Wie wollen Sie das sogenannte Rollenklischee aufbrechen, wenn nach wie vor 60 Prozent der Männer in Österreich sagen, dass die finanzielle Absicherung der Familie die Hauptaufgabe eines guten Vaters ist? Muss man nicht auch einmal hin­terfragen, ob Männer das wirklich tun müssen und gar keine andere Wahl haben? Wie wollen Sie in Anbetracht dessen das Bewusstsein schaffen, dass sich daran etwas än­dert?

Ich vermisse bei all den Diskussionen über die Väter-Thematik die notwendige Integra­tion der Männer in die Familienpolitik, denn Faktum ist: Frauen haben jahrzehntelang, bis zum heutigen Tag, um die gleiche Bewertung und um gleiche Chancen im Berufsle­ben gekämpft, aber Männer können bis heute gleiche Chancen im Familienleben zu wenig wahrnehmen.

Der freiwillige Vatermonat hat meiner Meinung nach einen gewissen Placebo-Effekt, denn damit allein ist es nicht getan – und es ist letztendlich auch nichts Neues. Wir ha­ben schon in der letzten Legislaturperiode darüber diskutiert, und mein damaliger Vor­schlag lautete, im Zusammenhang mit der Flexibilisierung des Kinderbetreuungsgeldes einen Monat von den sechs Monaten für Väter nach vor zu verlegen und da die Mög­lichkeit des Parallelbezuges des Kinderbetreuungsgeldes sowohl für Mütter als auch für Väter zu schaffen. (Abg. Krainer: ... drei Monate!) Dieser mein Antrag liegt nun schon seit November im Ausschuss. Aber ich freue mich, dass Sie jetzt auch dieses Modell als einen Vorschlag in diese Diskussion eingebracht haben.

Ich erwarte mir von Ihnen, sehr geehrter Herr Minister, dass Sie klare Worte zur Fami­lienarbeit finden, dass Sie einmal sagen, dass Familienarbeit und Erwerbsarbeit für Männer ebenbürtig sein müssen und auch sind und dass Kompetenzen, die man sich durch die Familienarbeit erwirbt, auch für Männer von Vorteil im Beruf sein können. Ich vermisse absolut, dass Sie die Elternteilzeit forcieren, dass Sie Teilzeit für Führungs­kräfte in Zusammenarbeit mit den Unternehmen verstärken und dass nicht alles nach alten Mustern weitergeht.

Herr Bundesminister, ich freue mich, dass Sie heute hier klar gesagt haben, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur Frauensache, sondern auch Elternsache ist – aber dafür muss man auch etwas tun! Sie melden sich zwar sehr gerne zu ver­schiedenen familienpolitischen Themen zu Wort, aber warum sind Sie diesbezüglich noch immer keine Kooperation mit den Unternehmen eingegangen?

Ich könnte hier zu diesem Thema noch vieles anführen. Ich glaube, dass neue Wege anders ausschauen. Neue Wege können nicht nur sein, dass man ermutigt, dass man Bewusstsein schafft, sondern neue Wege haben auch damit etwas zu tun, dass die nö-


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