Nationalrat, XXIV.GPStenographisches Protokoll203. Sitzung / Seite 135

HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite

Bereits zu Beginn der Legislaturperiode haben wir bemängelt, dass im Regierungspro­gramm lediglich sieben Seiten der Kultur gewidmet waren. Die Bewahrung unserer ei­genen Identität war keine Zeile wert, während Multikulti sowie der Aufbau von Parallel­gesellschaften angesagt waren. Mit diesem Mindestprogramm hat sich die Bundesre­gierung im Wesentlichen auch zufriedengegeben, und unsere Bundesministerin hat sich in den letzten Jahren eher auf eine passive Rolle der Verwalterin zurückgezogen.

Schon in der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt aus dem Jahr 2005, die man auch als Magna Charta der Kultur bezeichnen könnte, ist das Menschenrecht auf kultu­relle Vielfalt im Völkerrecht verankert. Kunst und Kultur sind somit als Träger von Iden­tität festgelegt.

Meine beiden Anträge, die heute auf der Tagesordnung stehen, sind eine Weichenstel­lung für die österreichische Museenlandschaft. Wo wenn nicht in unseren Museen wird unser reiches kulturelles Erbe bewahrt? (Beifall bei der FPÖ.)

Unser Volkskundemuseum ist aufgrund seiner umfangreichen Sammlungen und For­schungstätigkeit zur Volkskunst und zur Regionalkultur Österreichs das größte und das bedeutendste seiner Art in Europa. Ich weiß nicht, ob das hier alle im Haus wissen, ich hätte gerne, dass Sie jetzt wirklich zuhören und dass Sie das sozusagen in sich auf­nehmen: Dieses Haus mit jährlich nur 400 000 € abzuspeisen ist eine kulturpolitische Schande, meine sehr geehrten Damen und Herren! (Beifall bei der FPÖ sowie des Abg. Mag. Zinggl.)

Es gibt unzählige Multikulti-Tempel, die jährlich mit satter Unterstützung rechnen dür­fen. Ich bringe nur ein Beispiel: Das WUK, Basisstation für mehr als 130 Multikulti-Pro­jekte, erhält jährlich allein von der Stadt Wien über 1,4 Millionen €. Institutionen wie diese bekommen auch vom Bund satte Unterstützung. Auf der anderen Seite zerbrö­selt das Volkskundemuseum in Wien. Was frühere Generationen über Jahrhunderte mit Liebe und mit Sachwissen zusammengetragen haben, dämmert im Palais Schön­born vor sich hin.

Frau Bundesministerin, ich fordere Sie daher in meinem Antrag auf, das Volkskunde­museum sowohl organisatorisch als auch finanziell abzusichern! (Beifall bei der FPÖ.)

Sehr geehrte Damen und Herren! Es ist anscheinend Zeitgeist, sich nur mehr um an­dere Kulturen zu kümmern und Multikulti schick zu finden. Mit dieser Art von Kultur­politik werden aber unsere Wurzeln gekappt. Man nimmt damit den Menschen den Halt, man nimmt den Menschen damit die Geborgenheit und das Wissen um die eige­ne Bedeutung. Am Ende dieser Entwurzelung steht der manipulierte Einheitsmensch.

Sehr geehrte Damen und Herren, merken Sie denn nicht, dass das ein Akt der Selbst­verleugnung ist? Gut, bei der SPÖ wundert mich das nicht, obwohl ich jetzt beim He­runtergehen mit dem Herrn Klubobmann Cap fast einer Meinung war, hat er mir doch bedeutet, dass eigentlich die museumspolitische Art und Weise, wie ich die Sache an­gehe, nicht uninteressant wäre. Aber er hört jetzt leider nicht zu.

Aber von Ihnen von der ÖVP, muss ich ehrlich sagen, bin ich wirklich enttäuscht, weil Sie ja auch im Wahlkampf Heimat und Heimatbewusstsein auf Ihre Fahnen geschrie­ben haben. Wenn es aber darauf ankommt, dann versagen Sie völlig. Wie können Sie denn diesem Antrag nicht zustimmen?! (Beifall bei der FPÖ.)

Ich wundere mich wirklich – und da muss ich Ihnen schon ins Gewissen reden –: Wie kann man denn das Volkskundemuseum zwingen, dass es so vor sich hinsiecht? Ich wiederhole: Das ist eine kulturpolitische Schande ersten Ranges!

Doch nun zum Völkerkundemuseum, dessen Kernaufgabe die Beschäftigung mit den materiellen und immateriellen Zeugnissen verschiedener Völker ist. Allein für den Um­bau erhält es jetzt 25 Millionen €. Davon kommen großzügig aus dem Kunst- und Kul-


HomeSeite 1Vorherige SeiteNächste Seite