Nationalrat, XXV.GPStenographisches Protokoll27. Sitzung / Seite 304

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In Österreich gibt es dagegen immer noch neunzehn unterschiedliche Ver­siche­rungsträger im Gesundheitsbereich. Dieses „Mehr-Kassensystem“ schafft ein „Mehr-Klassensystem“ zum Nachteil der Versicherten. Darüber hinaus generieren neun Verwaltungseinheiten auch neun unterschiedliche Interessenlagen, die einer effizienten Verwaltungsgestaltung diametral entgegenstehen.

Das bestehende Versicherungssystem ist unfair und intransparent. Unterschiedliche Leistungen für die Versicherten, unterschiedliche Honorarordnungen für Ärzte und neunzehn getrennt voneinander arbeitende Verwaltungsapparate belasten das Budget, erhöhen die Sozialabgaben schaffen keinerlei Mehrwert.

Große Herausforderungen wie etwa die Absicherung der Pflege werden nicht angegangen und unter Missachtung der tatsächlichen demografischen Entwicklung zu Lasten der Steuerzahler weiter in die Zukunft verschoben.

Um diese Problematik zu lösen, bedarf es eines einheitlichen nationalen Gesundheits­systems mit zentraler Steuerung und klaren Strukturen. Ein solches Gesundheits­system soll die Grundversorgung der Menschen sicherstellen und die zur Finanzierung erforderlichen Beiträge einheben. Sämtliche notwendige medizinische und pflegerische Leistungen, egal ob diese stationär oder ambulant erbracht werden, können unter Verwendung der Mittel der Beitragszahler nur noch über eine einzige Verwaltungseinheit abgerechnet werden.

Kernpunkt der Umstrukturierung zu einem harmonisierten öffentliche Gesundheits­wesen ist das Bekenntnis zu einer einzigen Firmenstruktur und der damit verbundenen  Befreiung von Bundesländergrenzen. Das ermöglicht die Zusammenlegung aller gleichgearteten Verwaltungseinrichtungen zu einer einheitlichen, transparenten und tragfähigen Struktur.

Die Spitalskoordination und der Ausbau des wichtigen niedergelassenen Bereiches als erste Anlaufstelle für Patienten können so nach dem tatsächlichen Bedarf geplant werden.

Eine umfangreiche Strukturreform ermöglicht auch, die gesamten bestehenden Verwal­tungs- Monitor- Kontroll- und Qualitätsmanagementgremien auf ein Planungsgremium zu reduzieren, in dem nicht Politiker und Funktionäre, sondern Ärzte und Vertreter aller Gesundheitsberufe die Planung für die Vergabe der tatsächlich zur Verfügung stehen­den Mittel innehaben.

Das öffentliche Gesundheitswesen in Österreich wird damit zu einem Unternehmen, das

zu 100 % im Besitz Bürger steht,

seine Bürger optimal versorgt,

seine Leistungen auch über die Bundesländergrenzen hinaus anbietet,

sowie kostendeckend wirtschaftet und laufend in Verbesserungen reinvestiert.

Privater Wettbewerb ist dabei unter fairen Voraussetzungen zugelassen, sowohl was Gesundheitseinrichtungen als auch Versicherungen betreffen.

Die öffentliche Hand garantiert die Rückerstattung des Honoraranteils für privat erbrachte Leistungen aus dem öffentlichen Leistungskatalog, zu den dort festgelegten Tarifen.

Mit einem harmonisierten österreichischen Gesundheitssystem wird die bestehende undurchsichtige Mittelaufbringung des öffentlichen Gesundheitssystems (gestaffelte und unterschiedliche Beiträge, zugewiesene Steuermittel über 15a Vereinbarungen


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