Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll28. Sitzung, 13. Juni 2018 / Seite 140

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20 Jahren an einer Langform des Gymnasiums in Zell am See. Ich komme aus dem schönen Pinzgau.

Die zentralen Themen der Bildung sind mir somit als Lehrerin, als Mutter von zwei erwachsenen Kindern, als Klassenvorständin und nicht zuletzt auch als Schulrechtlerin sehr bekannt. Die schriftliche Reifeprüfung mit der zentralen Aufgabenstellung vor allem in Mathematik, Englisch und Deutsch ist ein Thema, das Schüler, Eltern und Lehrer sehr beschäftigt und auch sehr bewegt – und das nicht nur jetzt in der Hoch­phase der Reifeprüfung, in der wir derzeit sind. An vielen Schulen werden derzeit die mündlichen Reifeprüfungen abgelegt, auch mein Sohn ist nächste Woche dran. Wir wissen das alle, und wir kennen das nur zu gut.

Die Reifeprüfung ist deshalb auch so heiß umstritten, weil sie die letzte abschließende Prüfung ist, die eben wirklich die Eintrittskarte in den tertiären Bildungsbereich, zu den Fachhochschulen und Universitäten, mit sich bringt.

Nach nunmehr drei Durchgängen der zentralen schriftlichen Reifeprüfung ist es an der Zeit und berechtigt – und Sie, Herr Minister, haben das bereits angekündigt –, hiezu wirklich einen Nachdenkprozess einzuleiten, nachzudenken über dieses Modell, das jetzt drei Jahre gelaufen ist, und es wirklich gut zu prüfen, gut zu analysieren. Wir müssen uns die Stärken und die Schwächen dieses Modells vor Augen führen, wir müssen sehr verantwortungsvoll und, wie ich meine, durchaus auch ergebnisoffen in diesen Nachdenkprozess hineingehen. (Beifall bei ÖVP und FPÖ.)

Eines möchte ich hier schon noch anfügen, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen: Da einen Schnellschuss zu machen, wäre nicht zielführend und es wäre nicht sehr seriös. In diese Evaluation, Herr Bundesminister, sind tunlichst alle Schulpartner mit einzu­binden. Das Ergebnis sollte eine Verbesserung für die Schülerinnen und Schüler brin­gen. Wir müssen aber aufpassen, dass wir die Schülerinnen und Schüler der nächsten ein, zwei Jahrgänge nicht verunsichern, denn Veränderungen brauchen natürlich auch Vorbereitungszeit.

In diesem Prozess werden wir uns auch die Frage stellen müssen, welche immanenten Ziele die Reifeprüfung verfolgt. Einer Abwertung der Reifeprüfung dürfen wir nicht zu­schauen. Dabei gilt es, einen sehr intensiven Dialog mit den Fachhochschulen und Universitäten zu führen, um klar herauszuarbeiten, welche Anforderungen unsere Schü­lerinnen und Schüler für diverse Studien erfüllen müssen. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der FPÖ.)

Österreich hat ein sehr gutes differenziertes Schulsystem. Jeder junge Mensch kann seinen Bildungsweg seinen Talenten und Fähigkeiten entsprechend wählen. Dieses Modell, meine Damen und Herren, ist fast einzigartig und wird mittlerweile in etlichen anderen Ländern kopiert. Ich meine, dass wir die verschiedenen Schultypen durchaus in die Evaluierung miteinbeziehen und schauen müssen, wie wir ihnen auch in der schriftlichen Reifeprüfung gerecht werden können. Das wird eine wichtige Frage sein. Eine Vergleichbarkeit ist auch unter diesem Gesichtspunkt sicherlich zu überdenken.

Ich möchte wirklich meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, Herr Minister, dass Sie diesen Nachdenkprozess starten. Sie haben gesagt, es ist sinnvoll, nachzuschärfen, wo das Ergebnis dies anzeigt, und ich kann Ihnen versichern, wir Praktikerinnen und Praktiker sowie die Schulpartner werden diesen Dialog sehr, sehr gerne mit Ihnen führen und ihn auch positiv begleiten. (Beifall bei der ÖVP.)

Somit darf ich im Sinne meines Vorredners Rudi Taschner und auch Ihres Statements, Herr Bundesminister, für meine Partei, die ÖVP, einen Entschließungsantrag einbrin­gen.

Ich darf den Antrag verlesen, werte Kolleginnen und Kollegen:

 


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