Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll68. Sitzung, 28. März 2019 / Seite 108

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Für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, sowie eine nachhaltige Umwelt- und Klimapolitik spielt der Umgang mit chemisch-synthetischen Pestiziden eine entschei­dende Rolle.

Einer der weltweit meist eingesetzten Wirkstoffe in chemisch-synthetischen Pestiziden ist Glyphosat.

Seit Jahren mehren sich die Hinweise darauf, dass der Wirkstoff Glyphosat für Mensch und Tier gefährlich ist. So steht Glyphosat unter anderem in Verdacht, krebserregend zu sein und den Hormonhaushalt zu stören.

Glyphosat ist ein Wirkstoff in Pestiziden, sog. „Herbiziden“. Es tötet jede Pflanze, die nicht gentechnisch so verändert wurde, dass sie den Herbizideinsatz überlebt. Es wirkt systemisch, d.h. aufgenommen über die Blätter gelangt es in alle Bestandteile der Pflan­ze: in Blätter, Samen und Wurzeln.

Glyphosat lässt sich nicht abwaschen und wird weder durch Erhitzen noch durch Einfrieren abgebaut. Glyphosat-Rückstände halten sich etwa ein Jahr lang in Lebens- und Futtermitteln.

Die pflanzenvernichtenden Eigenschaften von Glyphosat wurden von der Firma Mon­santo in den 1970er Jahren patentiert. Das Mittel kam unter dem Namen „Roundup“ auf den Markt und wurde zum Bestseller.

Glyphosatprodukte werden mittlerweile von mehr als 40 Herstellern vertrieben.

Glyphosat wird unter anderem in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaus­halten eingesetzt.

Die Krebsforschungsagentur der WHO beurteilt Glyphosat seit Juli 2015 als „wahr­scheinlich krebserregend beim Menschen“ und die biologische Vielfalt zerstörend. Eine Studie der University of Florida bringt Glyphosat nicht nur mit einem erhöhten Krebs­risiko, sondern auch mit der Förderung von Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson und Autismus in Verbindung.

Zugleich hat Glyphosat eine antibiotikale Wirkung gegen Bakterien und Mikroorganis­men und schädigt damit insbesondere auch Insekten. Die University of Texas in Austin konnte belegen, dass der Wirkstoff Glyphosat als eine Art Antibiotikum bei Bienen die Darmflora angreift und somit neben Neonikotinioden wesentlich zum Bienensterben der vergangenen Jahre beigetragen hat.

Die Verwendung von Glyphosat wurde über die Jahrzehnte hinweg weltweit immer viel­fältiger. Sie blieb nicht auf das sogenannte „Totspritzen“ von „Unkräutern“ beschränkt. Zunehmend wird Glyphosat auch zum Totspritzen von Getreide, Mais, und Soja unmit­telbar vor der Ernte verwendet, was Pestizidrückstände am Ernteprodukt bedingt. Tests durch das Umwelt-Netzwerk „Friends of the Earth“ haben Glyphosat im mensch­lichen Körper nachgewiesen. 182 Urinproben von Menschen aus 18 europäischen Län­dern wurden in einem unabhängigen Labor in Deutschland auf Glyphosat und seinen Metaboliten AMPA untersucht. In 45 Prozent aller Proben wurde Glyphosat nachge­wiesen, in Malta in 90 Prozent der Proben, in Mazedonien in 10 Prozent. In Österreich wurde eine Belastung mit Glyphosat in 30 Prozent der Harnproben nachgewiesen.

Vorsorgender Grundwasserschutz ist in Österreich besonders essenziell, da unser Trinkwasser aus Grundwasserreserven und Quellen gewonnen wird. Diffuse Einträge (Nitrat, Pestizide) in Grundwasserkörpern und Quellen sind deshalb zu vermeiden.

Fakt ist, viele Hausbrunnenbesitzer können ihre Brunnen nicht mehr für Trinkwasser­zwecke nutzen. Betroffen sind vor allem niederschlagsarme, durch intensive konven­tionelle Landwirtschaft genutzte Regionen.

 


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