Dr. Franz Fiedler von Transparency International formulierte es im Ö1 Abendjournal vom 30.03.2021 treffend:
„Also ich schließe ihn auch nicht aus, dass nun bei der strafrechtlichen Prüfung der derzeit in Diskussion stehenden Vorgängen nichts herauskommt. Ich möchte aber vor einem warnen: Dass man nämlich, wenn die Staatsanwaltschaft der Meinung ist, sie hat keinen Grund zu einer Verfolgung, dass dann sozusagen alles in Ordnung gewesen sei. Das wird nämlich vielfach von den Beteiligten da nachträglich immer wieder ins Spiel. "Ja, die Staatsanwaltschaft hat ja ohnedies kein strafbares Verhalten festgestellt." Das ist zu wenig, das ist eine Ausrede. Korruption beginnt nicht erst ab der Grenze der Strafbarkeit. Korruption liegt auch bereits unter der Schwelle der Strafbarkeit. Das sollte man nicht vergessen. Und dass die Vorgänge, wie sie jetzt publik geworden sind, ein typisches Beispiel für Korruption sind, das steht für mich außer Frage.“
Ergänzt wird die zum Teil skurril anmutende „Causa Blümel“ von während einer Hausdurchsuchung spazieren geführten Laptops und Kabinettchefs, die diese wieder zurückbringen. Weniger skurril hingegen sind die schwarz-türkisen Netzwerke quer durch alle Institutionen und Ministerien. Das Profil berichtete am 2. April 2021 folgendes dazu:
„Einer der so abgefilmten Chatverläufe war die Kommunikation zwischen Pilnacek und Blümels Kabinettschef Clemens-Wolfgang Niedrist am 24. Februar, der Tag vor der Sicherstellung von Pilnaceks Handy, zwei Tage vor Blümels Einvernahme.
Am Abend dieses 24. Februar schrieb Pilnacek an Niedrist die nunmehr ikonische Nachricht „Das ist ein Putsch!! …“ – als Zeit für verschwindende Nachrichten waren 24 Stunden eingestellt. Am Abend des 25. Februar wäre diese Botschaft ein für alle Mal perdu gewesen.
Ein Bild verdichtet sich. Pilnacek war nicht nur ein gut vernetzter Beamter. Er spielte zuweilen eine Doppelrolle. Da der Sektionschef des Justizministeriums, dort der Berater der ÖVP.
In diesem Kontext ist seine Kommunikation nach innen und außen zu interpretieren.
Nach innen: Von Johann Fuchs, dem Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien (auch gegen ihn laufen Ermittlungen), bekam Pilnacek immer wieder Dokumente zu ausgesuchten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen geschickt (obwohl Pilnacek dafür fachlich seit Herbst 2020 nicht mehr zuständig war).
Nach außen (was in Pilnaceks Fall aber irgendwie auch innen ist): Siehe ÖVP und hier die Kommunikation mit Blümels Kabinettschef. Darüber hinaus war Pilnacek zum Beispiel auch in die Entstehung einer parlamentarischen Anfrage der ÖVP an das Justizministerium eingebunden (ausgerechnet in Zusammenhang mit der HD bei Blümel).
Am 16. Februar 2021 stellte die ÖVP-Abgeordnete Michaela Steinacker dem BMJ (Adressatin Alma Zadić (Grüne), vertreten durch Werner Kogler) im Wege einer parlamentarischen 25 Fragen „betreffend der Vorgehensweise“(sic!) der WKStA gegen Finanzminister Blümel.
Auf Pilnaceks Handy fand sich nun ein Word-Dokument mit dem Dateinamen „Parlamentarische Anfrage betreffen HD Blu_mel.docx“. Es handelte sich offenbar um den Entwurf der späteren Anfrage, aus den Metadaten konnten die IT-Experten auch den Autor des Dokuments identifizieren: einen Mitarbeiter des ÖVP-Parlamentsklubs, der zuvor unter auch für ÖVP-Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka gearbeitet hatte.
Wie bereits ausführlich berichtet, empfahl Pilnacek dem Kabinettschef des Finanzministers am 24. Februar, gegen die staatsanwaltschaftlichen Maßnahmen im
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