19.03

Abgeordnete Mag. Meri Disoski (Grüne): Herr Präsident! Frau Bundesministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Zuseherinnen und Zuseher! Was Frauenorganisationen, was feministische Vereine und WissenschafterInnen seit Jahren fordern, das setzen wir jetzt endlich um. Österreich wird an der EU-weiten Zeitverwendungserhebung teilnehmen, und das ist wirklich gut so.

Frau Kollegin Mühlberghuber, wenn Sie fragen: Was bringt uns das? Wieso ist das wichtig?, kann ich Ihnen das ganz leicht beantworten, weil die Verteilung von Zeit ein absolutes Politikum ist. Wer wie viel Zeit für bezahlte Arbeiten, für unbezahlte Arbeiten aufwendet, das ist eine hochpolitische Frage, insbesondere aus frauenpolitischer Perspektive. Wieso? – Na, ganz einfach: weil das viel über herrschende Geschlechterverhältnisse, über Geschlechterhierarchien und Machtstrukturen in einer Gesellschaft aussagt und weil so auch evident wird, wo dringender politischer Handlungsbedarf vorhanden ist.

Zeitverwendungsstudien liefern einerseits quantifizierbare Informationen über die geschlechtsspezifische Verteilung von unbezahlter und von bezahlter Kindererziehungs-, Versorgungs- oder Familienarbeit, und sie legen andererseits auch die geschlechtsspezifische Verteilung bezahlter Erwerbsarbeit offen. Sie geben zum Beispiel Aufschluss über benötigte Kinderbetreuungs- oder auch Pflegeplätze.

Zeitverwendungsstudien stellen außerdem auch die Grundlage für sogenannte Monetarisierungsstudien dar. Mit diesen wiederum kann man das Ausmaß und auch den Wert von unbezahlter Arbeit für die Volkswirtschaft sichtbar machen. Diese Studien sind somit – darum brauchen wir sie, Kollegin – eine wichtige Grundlage für Politik, um Fehlentwicklungen zu korrigieren, Fehlentwicklungen, die zum Beispiel durch eine unfaire Verteilung von Sorgearbeit und einen dadurch auch entstehenden eingeschränkten Zugang von Frauen zum Arbeitsmarkt entstehen.

Wir wissen, bezahlte und unbezahlte Arbeit ist in Österreich zwischen den Geschlechtern eklatant – nämlich wirklich eklatant – ungerecht verteilt. Anders formuliert: Unbezahlte Arbeit ist weiblich. Während zwei Drittel der bezahlten Erwerbsarbeit in Österreich von Männern bestritten werden, leisten Frauen zwei Drittel der unbezahlten Arbeit. Männer arbeiten im Durchschnitt 16 Stunden pro Woche unbezahlt, Frauen doppelt so viel, also 32 Stunden, und das sind 32 Stunden, für die sie nicht bezahlt werden, 32 Stunden, die am Pensionskonto später fehlen, 32 Stunden, die oft auch in die Altersarmut führen.

Darum brauchen wir diese Studie, weil sie offenlegen wird: Wo ist der politische Handlungsbedarf, wo müssen wir ansetzen? Wie können wir mit zeitgemäßen neuen Elternteilzeitmodellen, mit Karenzmodellen, aber auch mit einer Arbeitszeitreduktion dorthin kommen, wo wir hinwollen, nämlich zu einer faireren Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit?

Die letzte Studie – Sie haben es schon gehört – ist zwölf Jahre alt, das heißt, die Daten sind veraltet. Evidenzbasierte Gleichstellungspolitik braucht aber aktuelle qualitative Daten, und die bekommen wir nun mit dieser Studie. Ich freue mich wirklich sehr, weil in der letzten Bundesregierung, unter der türkis-blauen Bundesregierung, eine Durchführung der Zeitverwendungsstudie nicht vorgesehen worden ist. Umso mehr freue ich mich, dass wir es geschafft haben, in dieser Hinsicht auch unseren Koalitionspartner von der Notwendigkeit derselben zu überzeugen.

Ich schließe mit zwei oder drei schnellen Sätzen ab. Überlegen Sie sich das einmal: Zeit ist das Kostbarste, das wir im Leben haben. Ein Tag hat für uns alle nur 24 Stunden, und es wird endlich Zeit, dass wir die gerecht verteilen! (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der ÖVP.)

19.07

Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen.

Wünscht die Frau Berichterstatterin ein Schlusswort? – Das ist nicht der Fall.

Wie vereinbart verlege ich die Abstimmungen an den Schluss der Verhandlungen über die Vorlagen des Gleichbehandlungsausschusses und fahre in der Erledigung der Tagesordnung fort.