LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:08
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Bauidee

War ursprünglich geplant, sowohl für das Abgeordnetenhaus als auch für das Herrenhaus des Reichsrates jeweils ein Gebäude zu errichten, so entschied man sich letztendlich aus Kostengründen für ein einziges Bauwerk. Den Auftrag für dessen Planung erhielt der dänische Architekt Theophil Hansen im Jahre 1869.

Das Baukonzept

"Denn so wie die Griechen die größte Entfaltung und höchste Vollendung der Kunst in ihren Tempeln verwirklicht haben, die Römer in dem Forum, die spätere christliche Zeit in den Kirchen, so ist in unserer Zeit ein neues Monument hinzu gekommen, wo sich die Aufmerksamkeit der Völker concentrirt, das ist das Parlament." Mit diesen Worten würdigte Hansen die Institution "Parlament".

Der Architekt erklärte weiters, er habe für das Parlamentsgebäude den Stil der griechischen Klassik gewählt, weil die Hellenen das erste Volk waren, welches die Freiheit und die Gesetzmäßigkeit über alles liebte. Zudem stammen auch wichtige staatsrechtliche Begriffe wie z. B. "Politik" oder "Demokratie" aus der griechischen Antike.

Symbolhafte Bedeutung hat auch die Verwendung von Materialien aus fast allen Kronländern der Monarchie, die das Zusammenwirken aller Kräfte im Reichsrat versinnbildlichen soll.

Autarkie in den Versorgungseinrichtungen, modernste Technik, ein bis ins kleinste Detail durchdachtes monumentales Bauwerk, bei dem Architektur, Bildende Kunst, Malerei und Handwerk ein harmonisches Ganzes bilden, darin besteht die Leistung des Architekten des Reichsratsgebäudes.

Das Parlamentsgebäude – ein Gesamtkunstwerk

Der Architekt legte viel Wert darauf, das Äußere und das Innere des Parlaments im Sinne eines Gesamtkunstwerkes aufeinander abzustimmen. Deshalb entwarf er auch die malerischen und plastischen Ausstattungen selbst und nahm auf die Umsetzung großen Einfluss.

Allegorien und architektonische Details

Wenn man das Gebäude außen und innen genau betrachtet wird deutlich, wie sehr sich die Idee eines humanistischen Staates in Details wiederfindet.

Der plastische Schmuck an der Fassade und im Inneren verdeutlicht das Zusammenspiel der Gewalten und die Grundideen der Demokratie.

Der Athenebrunnen vor dem Parlamentsgebäude verweist auf die Gewaltentrennung als ein Grundprinzip des modernen Rechtsstaates.

Pallas Athene in der Mitte des Brunnens soll die Staatsweisheit verkörpern. Neben ihr sitzen zwei Figuren, die die "Gesetzgebung" und den "Vollzug der Gesetze" darstellen. Die Gesetzgebung wird durch eine Gesetzestafel in der Hand der rechten Figur verdeutlicht, der Vollzug der Gesetze durch Richtschwert und Waage in den Händen der linken Figur.

Über dem Haupteingang ist ein Glasmosaikfries zu finden, das das Motiv der Gewaltentrennung erneut aufgreift. Links ist eine Frauengestalt zu erkennen, die das Buch der geschriebenen Gesetze in ihren Händen hält und rechts ist Justitia abgebildet. Im Zentrum dieses Frieses ist Austria zu erkennen, der die Kronländer und die Stände (Handel, Verkehr, Ackerbau und Viehzucht) huldigen.

Ein weiteres Gemäldefries von Eduard Lebiedzki ist in der Säulenhalle zu bewundern. Es ist wegen irreparabler Schäden durch den Krieg heute nur noch in Fragmenten erhalten. Die allegorischen Darstellungen weisen auf die "vorzüglichsten Ideale und volkswirtschaftlichen Aufgaben des Parlaments" hin.

Auf den Giebeln der Gebäudeflanken wird auf die Verwaltung und die Justiz hingewiesen.

Am Beginn der Rampe, die zum Parlament führt, findet man die "Rossebändiger". Die Männer, die die Pferde zähmen, stellen einen Appell an die ParlamentarierInnen dar. Sie sollen ihre politische Leidenschaft zügeln.

Die griechischen und römischen Geschichtsschreiber mahnen Verantwortung jedes politischen Handelns vor der Geschichte ein.