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Vorgeschichte

Kaiser Franz Joseph gab 1857 den Bereich der zu schleifenden Stadtbefestigungen Wiens und ihres unverbaut gebliebenen Vorfeldes, des Glacis, für repräsentative Verbauung frei und verlieh damit der Wiener Stadtentwicklung einen entscheidenden Impuls. Das Josefstädter Glacis blieb davon zunächst jedoch ausgenommen.

Der Paradeplatz

Hier befand sich seit dem 18. Jahrhundert ein militärisches Übungsgelände, das seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts auch als Paradeplatz diente. In den 1860er-Jahren war für dieses Gelände die Bezeichnung "Exerzier- und Paradeplatz" üblich.

Da dieser Platz weder von Fahrstraßen durchquert noch begrünt werden durfte, war er bei der Wiener Bevölkerung unbeliebt. Bei Trockenheit empfanden die Einwohner der Stadt die Staubentwicklung als belästigend, bei Regen verwandelte sich der Untergrund in Morast. Erst ab 1863 wurden Grasflächen und Feldwege angelegt.

Dem Wiener Bürgermeister Cajetan Felder blieb es vorbehalten, Wien von diesem Ärgernis zu befreien. Da er in der Josefstadt wohnte und täglich seinen Arbeitsplatz in der Inneren Stadt aufsuchen musste, hatte er selbst in besonderem Maße zu den Leidtragenden gezählt.

Auf seinen Vorschlag hin wurde für das Militär ein Ersatzplatz auf der Schmelz gefunden. Der Kaiser genehmigte daraufhin die Errichtung dreier zentraler öffentlicher Bauten auf dem Paradeplatz: des Reichsratsgebäudes, des Rathauses und der Universität.

Das Reichsratsgebäude (nunmehr Parlamentsgebäude)

Die Grundsteinlegung für das Reichsratsgebäude, das nunmehrige Parlamentsgebäude, erfolgte im September 1874, die Gleichenfeier im August 1879. Bis zur ersten Sitzung des Abgeordnetenhauses im neuen Reichsratsgebäude dauerte es aber noch bis Dezember 1883. Im Dezember 1884 folgte die erste Sitzung des Herrenhauses.

120 Jahre Parlamentsgebäude - Ausstellungskatalog / PDF, 243 KB

Die Errichtung des Gebäudes wurde in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Als Diskussionspunkte zwischen dem Architekten Theophil Hansen, der zu Eigenmächtigkeiten neigte, sowie dem Baukomitee erwiesen sich vor allem die Gestaltung der Rampe, die Außenpolychromie (Vielfarbigkeit), die nicht realisiert wurde, sowie die Brunnenanlage.

Dauerte die reine Bauzeit des Parlamentsgebäudes ein Jahrzehnt, nahm die Ausgestaltung drei weitere Jahrzehnte in Anspruch. So wurden z. B. der Athene-Brunnen erst 1902 und das 121 Meter lange Friesgemälde in der Säulenhalle erst 1911 fertiggestellt.

Hansen überwachte noch bis zu seinem Tode im Jahre 1891 alle Arbeiten von seinem Atelier im Herrenhaustrakt aus selbst.