LETZTES UPDATE: 17.07.2017; 14:09
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Zerstörung und Wiederaufbau

In den Kämpfen des Zweiten Weltkrieges wurde das Parlamentsgebäude stark in Mitleidenschaft gezogen. Zirka die Hälfte der Bausubstanz wurde vernichtet.

Seit November 1918 war das Parlamentsgebäude Sitz des Parlaments der Ersten Republik Österreichs. Zunächst tagten Provisorische und Konstituierende Nationalversammlung und später Nationalrat, Bundesrat und Bundesversammlung in den Sitzungssälen, die bis zur Zerstörung 1945 unverändert geblieben waren.

Massive Schäden nach zwei Bombentreffern

Am 7. Februar 1945 erlitt die Säulenhalle durch einen Bombentreffer schwere Schäden. Zwei Säulen wurden komplett zerstört und auch andere architektonische Besonderheiten schwer in Mitleidenschaft gezogen. Unter anderem wurden die Randdeckenkonstruktion mit einer reich vergoldeten Kassettendecke und ein prachtvolles Friesgemälde schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau erfolgte die Rekonstruktion nicht mehr in der ursprünglichen von Hansen vorgesehenen Ausstattung.

An Stelle von Pavonazzo-Marmor wurde für den Wandplattenbelag Salzburger Marmor verwendet. Das Friesgemälde konnte vorerst nicht wiederhergestellt werden. Erst in den 1990er-Jahren war es schließlich möglich, einzelne erhalten gebliebene Teile zu restaurieren.

Neben Zerstörungen im Kanzleitrakt an der Ringstraße und in der Säulenhalle war vor allem der Herrenhaustrakt von den Folgen des Krieges gezeichnet.

Neugestaltung des Sitzungssaales des Nationalrates

Der Sitzungssaal des Herrenhauses (Sitzungssaal des Nationalrates) war total ausgebrannt. Die Marmorplastiken von griechischen Philosophen und Schriftstellern und der reiche Schmuck des Saales konnten nicht wiederhergestellt werden.

Deshalb entschloss man sich dazu, den alten Herrenhaussitzungssaal neu zu gestalten. Der Saal sollte sachlich, vornehm und vor allem zweckmäßig ausgestattet sein.

Die Architekten Max Fellerer und Eugen Wörle waren vor die Aufgabe gestellt, in der Wirkung des Saales eine Fortsetzung des Hauptwerks Theophil Hansens zu erzielen.

Dabei war es wichtig, auf die veränderten Bedürfnisse eines modernen Parlaments Rücksicht zu nehmen.

Beim Wiederaufbau von 1945-1956 wurde viel Wert darauf gelegt, die von Hansen angestrebte technische Eigenständigkeit weiter auszubauen und zu vervollkommnen. Das Parlament verfügt deshalb heute über ein Notstromaggregat und viele weitere technische Einrichtungen, die dafür sorgen sollen, dass eine durchgehende Stromversorgung und eine weitestgehende Unabhängigkeit gewährleistet sind.

Aufrechterhaltung des parlamentarischen Betriebes in Krisenzeiten

Für das österreichische Parlament ist Versorgungsautonomie wichtig: Auch im Falle eines außergewöhnlichen Notstandes muss die Arbeit der österreichischen VolksvertreterInnen reibungslos funktionieren.

Für Nationalrat und Bundesrat ist es wichtig, dass immer, besonders in Krisenzeiten, die materiellen Voraussetzungen für ihre Arbeit gegeben sind.

Deshalb gibt es unter anderem Notstromaggregate (USV-Anlagen) und viele andere für die Autarkie notwendige Einrichtungen, die von Bediensteten der Parlamentsdirektion betreut werden. Zum Personalstand gehören deshalb nicht nur AkademikerInnen, StenographInnen, VerwaltungsbeamtInnen, SekretärInnen und BeamtInnen des Saaldienstes, sondern auch die mit der Wartung des Gebäudes beauftragten TechnikerInnen und FacharbeiterInnen.