LETZTES UPDATE: 09.10.2017; 10:14
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Generalsanierung der Dampfschornsteine im Innenhof des Parlaments 2002-2005

Die beiden 32 Meter hohen Kamine nehmen zwar schon lange nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion wahr, weil das Hohe Haus seit Jahren an das Fernwärmenetz angeschlossen ist. Dennoch mussten sie wegen massiver Schäden generalsaniert werden. Im Oktober 2005 wurden die letzten Arbeiten abgeschlossen. Die neu angebrachte Blattvergoldung gibt den beiden Kaminen ihr ursprüngliches Erscheinungsbild wieder.

Dampfschornsteine im Verborgenen

Man muss schon ein paar Schritte vom Parlamentsgebäude zurücktreten oder das Haus am Ring umrunden, um sie zu entdecken. Und selbst wenn man sie zwischen Dachwinkeln, Saalaufbauten und Quadrigen ausfindig gemacht hat, mag man vielleicht rätseln, was es mit den beiden reich dekorierten Säulen auf sich hat. Auch wenn es kaum jemand weiß: In den Innenhöfen des Parlaments stehen zwei hohe Dampfschornsteine.

Aussehen der Schornsteine

Eigentlich wollte Parlaments-Architekt Theophil Hansen seinerzeit gar keine Schornsteine, weil sie seiner Auffassung nach das ästhetische Gesamtgefüge des Hauses störten. Aber man brauchte sie für die Heizungsanlage. So verpasste er den beiden Kaminen die Form einer ionischen Säule, auf die er monumentale Zieraufsätze aus Metall setzte. Vier lebensgroße Figuren mit Fackeln und Hämmern, die Gesellen des Hephaistos, schmücken die Spitzen der beiden Kamine. Sie sind aus Metall gefertigt. Hephaistos ist in der griechischen Mythologie die Personifikation des aus der Erde brechenden Feuers und der Schutzgott der Schmiedekunst. Er hat, so die Geschichte, die Attribute der Götter angefertigt, wie z. B. den Wagen des Helios oder das Zepter des Zeus.

Die Schornstein-Aufsätze

Große Überraschung bei der Restaurierung

Dass die kompletten, 5,8 m hohen und nach einem Modell von Hugo Härdtl gefertigten Schornstein-Aufsätze einschließlich des mächtigen ionischen Kapitells mit seinen Muschelvoluten, Palmetten, Blattornamenten und Löwenköpfen, tatsächlich aus Gusseisen und nicht etwa aus Stein oder Terracotta sind, mochte man zuletzt kaum glauben. Die Täuschung war darauf zurückzuführen, dass die Gussbestandteile, die ursprünglich alle blattvergoldet waren, im Zuge früherer Restaurierungsarbeiten mehrfach übermalt worden waren, zuletzt mit einer beigen, an Stein erinnernden Farbe. Nur der aus Schmiedeeisen gefertigte, korbartige Funkenfänger war originalgetreu schwarz geblieben.

Aufsätze beim Abnehmen in äußerst schlechtem Zustand

Die Restaurierung der rund 110 Jahre alten Schornstein-Aufsätze wurde in einer Werkstätte unter Einbeziehung des Bundesdenkmalamtes durchgeführt. Der Zustand der Aufsätze war, wie das Restauratorenteam rund um Elisabeth Krebs feststellen musste, noch schlechter als ursprünglich angenommen. Witterungseinflüsse und fortschreitende Korrosion hatten den Metallbestandteilen arg zugesetzt. Trägerkonsolen waren gebrochen, bei den Figuren gab es dicke Rostaufplatzungen.

Dampfschornsteine zählen auch heute nicht zum "alten Eisen"

Parallel dazu wurden die mehr als 25 m hohen Ziegelaufbauten der Kamine saniert. Außerdem galt es, die beiden Keramikreliefs mit Löwenköpfen und Girlanden, die sich an jedem der beiden Kaminschäfte befinden, wieder in den Originalzustand zu versetzen.

Ganz ohne Funktion sind die beiden Dampfschornsteine im Übrigen auch heute nicht. Die historische Heizkesselanlage ist zwar schon seit dem Anschluss des Parlamentsgebäudes an das Fernwärmenetz nicht mehr in Betrieb, einer der Kamine ist aber nach wie vor Teil des Reservekesselhauses. Und der zweite dient - für den Fall des Falles - als "Auspuff" für das im Haus befindliche Notstromaggregat.