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Wer arbeitet im Parlament?

Herr Böhm berichtet von seiner Tätigkeit als Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung im Parlament. In der Scannerstraße werden die Taschen, die ins Parlament mitgenommen werden, auf gefährliche Gegenstände durchsucht. Als erste Anlaufstelle im Haus werden im Eingangsbereich auch viele menschliche Schicksale sichtbar, auch Sorgen und Probleme werden hier abgegeben.

In der Schlosserei führen wir ein Interview mit Herrn Bierbaumer. Er geht jeden Tag gerne in die Arbeit. Die Tätigkeit in der Schlosserei ist so abwechslungsreich, dass man am Vormittag oft noch nicht weiß, was man am Nachmittag zu tun hat.

Herr Peyerl berichtet von der Arbeit im Personalbüro des Parlaments. Außerdem erläutert er, welche Aufgaben er hat, wenn er am Präsidium bei Nationalratssitzungen sitzt.

Bei den Stenographischen Protokollen steht Frau Gibba im Mittelpunkt der öffentlichen Beobachtung. Sie sitzt quasi in der ersten Reihe bei den Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats und schreibt genau auf, wenn ein Mandatar einen Zwischenruf macht.

Zu Recherchezwecken wird oft auf die KollegInnen in der Parlamentsbibliothek zurückgegriffen. Eine von ihnen ist Frau Werderitsch, die sich als Schnittstelle zwischen den Medien und den Menschen betrachtet. Ohne Beschlagwortung finden die über 370.000 Bücher und Medien nicht zu den Menschen … aber auch umgekehrt.

Böhm: Da sieht man jetzt einen Rucksack, da dürften Batterien drin sein. Das sieht man da. Das dürfte auch … ein Mikro? Kann das sein? Also man erkennt das schon. Das ist zum Beispiel organisch hier, nicht? Das ist Metall eben. Und da sieht man zum Beispiel, Sie haben … einen Notizblock dürften Sie drinnen haben. Das heißt, man erkennt … Wenn man gewisse Erfahrung hat, dann erkennt man alles ziemlich genau, was halt in dem Rucksack drinnen ist.

Katharina Brunner: Herzlich willkommen liebe Hörerinnen und Hörer zur ersten Folge von „Parlament erklärt“. Mein Name ist Katharina Brunner …
David Riegler: … und ich bin David Riegler. Wir beide ermöglichen Ihnen mit diesem Podcast einen Blick hinter die Kulissen des österreichischen Parlaments. In jeder Folge wollen wir eine Frage zum Parlament und seinen Aufgaben beantworten, und zwar eine, die Sie sich auch schon einmal gestellt haben.

***** Musik *****

Brunner: In dieser ersten Episode fragen wir uns: Wer arbeitet eigentlich im Parlament? Wer sind die Menschen, die den Betrieb abseits der Politik am Laufen halten?
Böhm: Mein Name ist Wolfgang Böhm. Ich bin da im Parlament in der Sicherheitsabteilung. Quasi Sicherheitsgruppe, um es genau zu sagen, und unsere Aufgaben gehen von Personenkontrolle bis Anmeldung und ähnliche Tätigkeiten.
Riegler: Weil die Sicherheitsmitarbeiter täglich in Kontakt mit Menschen sind, wissen sie, wie man mit angespannten Situationen umgeht.
Böhm: Durch das, dass halt das Parlament da eine Anlaufstation ist, kommen natürlich viele Leute, die glauben … erstens einmal glauben sie, dass Politiker da zur Verfügung stehen, auch wenn kein Sitzungstag ist. Meistens ist es so, weil wir da quasi im Regierungsviertel sind: Der war schon im Rathaus. Dort ist er weggeschickt worden. Der war schon im Bundeskanzleramt. Da ist er weggeschickt worden. Dann kommt er zu uns. Dann ist er schon ein bisschen aufgeregter, nicht? Und dann ist für uns wichtig, die Ruhe zu bewahren, dass das nicht irgendwie eskaliert.
Riegler: Welche Anliegen haben die Menschen da?
Böhm: Wir haben schon quer durch alles gehabt. Wir haben gehabt Leute, die sagen - was weiß ich -: Einer haben sie die Wohnung weggenommen, und der Staat ist schuld, oder sonst was. Also es sind meistens … die Zeiten werden schlechter. Die Leute haben weniger Geld, und damit sind sie auch …, nicht? Also, es sind quer durch verschiedenste Anliegen.
Brunner: Bei größeren Besuchergruppen gibt es immer wieder Gäste, die es stört, wenn es einen Moment dauert, bis man durch die Sicherheitsschleuse kommt, erzählt Herr Böhm.
Böhm: Das sieht man halt nicht, was alles durch die Sicherheit verhindert wird, weil das nicht messbar ist, nicht? Wenn wir nicht wären: Was wäre passiert? Das kann man nicht sagen. Sondern wir sehen nur: So, jetzt muss ich mich kontrollieren lassen. Aber in Wirklichkeit ist ja, dass auch die anderen kontrolliert werden, für mich eine Sicherheitsbestätigung.

*****

Brunner: 430 Menschen arbeiten im Parlament, neben den Abgeordneten des Nationalrates, den Bundesräten und den Mitarbeitern der parlamentarischen Klubs. Die sind für die inhaltliche, für die politische Arbeit zuständig. Die Mitarbeiter der Parlamentsdirektion sorgen dafür, dass der tägliche Betrieb reibungslos ablaufen kann. Einer von ihnen ist auch der Schlosser, Herr Bierbaumer.

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Josef Bierbaumer: Da haben wir alte Schlosskasten. – Au weh! Der ist sicher schon älter als wir zwei miteinander, wenn nicht schon doppelt so alt. Ich gehöre schon zum alten Inventar in dem Haus. Aber ich muss aber sagen, ich gehe gerne Arbeiten. Ich gehe jeden Tag gerne rein. Du hast immer neue Überraschungen. Ich kann Ihnen gerade sagen, jetzt wie Sie angekündigt wurden. Das weiß ich gerade die ersten paar Stunden, was ich zu tun habe. Aber dann geht es schon an mit Anrufen, per E-Mail oder Reparaturen, und du rennst schon den ganzen Tag. (Lacht)
Riegler: Bevor er begann, im Parlament zu arbeiten, war Herr Bierbaumer LKW-Fahrer. Er ist auch Langstrecken gefahren, oft auf den Straßen Osteuropas. Das viele Unterwegssein war aber nichts auf Dauer. Im Parlament sind seine Aufgaben dagegen recht abwechslungsreich.
Bierbaumer: Von den Rodeln, die Luftbereifung, wenn die hin sind, dann tue ich den Patschen picken und solche Sachen auch. (Lacht) Das ist recht lustig auch. Türen einstellen, Fenster reparieren auch, wenn sie hängen und liegen bleiben, dann auch so kleine Schäden beheben auch im Hause. Alles was den Hochbau spezifisch betrifft, das ist meine Aufgabe.

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Brunner: Wenn man die Mitarbeiter des Parlaments kennenlernt, merkt man schnell, dass es viele langjährige unter ihnen gibt, wie Herr Bierbaumer mit seinen 32 Dienstjahren. Herr Peyerl zum Beispiel ist auch schon seit 25 Jahren im Parlament.
Riegler: Wo Hammer und Bohrer die Werkzeuge von Herrn Bierbaumer sind, arbeitet Herr Peyerl eher mit Gesetzestexten und Geschäftsordnungen. Er ist einer der vielen Juristen im Haus und Leiter der Abteilung Personalangelegenheiten in der Parlamentsdirektion.
Martin Peyerl: Wir sind eigentlich, ja, die Verwaltungseinheit des Parlaments. Unsere Aufgabe ist die Servicierung des Gesetzgebungsprozesses. Das tun wir auf vielfältige Weise, sei es, dadurch, dass wir schlichtweg Räume, Büroräume, Büromöbel und ähnliches zur Verfügung stellen und das instand halten, sei es dadurch, dass wir den Prozess der Gesetzgebung begleiten. Allerdings nicht inhaltlich, sondern wir sind prozessverantwortlich.
Brunner: Neben seinen Aufgaben in der Personalabteilung unterstützt Herr Peyerl auch den Nationalratspräsidenten beim Vorsitz von Plenarsitzungen, zum Beispiel, wenn Fragen zur Geschäftsordnung auftauchen.
Peyerl: Ob etwa ein Antrag zulässig ist, der im Zuge der Sitzung eingebracht wird, ob verschiedene Wortmeldungen ordnungsruf-würdig sind, etwa. Da gibt es immer Diskussionen.

*****

Riegler: Davon kann Frau Gibba ein Lied singen. Sie ist Stenographin und protokolliert mit ihren Kollegen die Sitzungen des Nationalrates, des Bundesrates und der Untersuchungsausschüsse. Die Protokolle sind auf der Parlamentshomepage für jeden zugänglich.
Margarete Gibba: An Sitzungstagen, wenn wir im Plenarsaal sind, wo wir dann auch prominent in der Mitte sitzen, läuft das so ab, dass wir einen Turnus haben, dass wir viele, viele Kolleginnen sind, die jeweils 20 Minuten dann im Saal sind und für diese 20 Minuten zuständig sind. Dann sitzt man eben vorne vorm Redner im Nationalrat und Bundesrat und schreibt eben alles mit, also die Rede, die Zwischenrufe, die Beifälle, die Anträge … alles, was so sonst noch passieren kann. Man ist diese 20 Minuten im Saal, und dann geht man eben zurück an seinen Arbeitsplatz und arbeitet das am Computer aus.
Riegler: Von der Rede des Abgeordneten gibt es eine Tonaufnahme, die ihr dabei hilft, ihre Mitschrift zu vervollständigen.
Gibba:
Viele Zwischenrufe sind natürlich das Herausforderndste, weil man da ebenso gefordert ist. Ich muss wissen, wer das ist. Ich muss wissen, was er sagt. Ich muss es ganz schnell aufschreiben. Ich muss es mir richtig merken, und das ist natürlich dann am anstrengendsten. Deswegen sind wir auch nur 20 Minuten im Saal.
Brunner:
Und deswegen muss Frau Gibba auch alle Namen der Abgeordneten und ihre Fraktionen kennen.Gibba: Im besten Fall erkenne ich sie an der Stimme, weil es gibt auch einige Abgeordnete, die natürlich sehr viel rufen, und da gibt‘s halt aktivere und weniger aktive, und die erkennt man mit der Zeit auch schon an der Stimme. Also da brauche ich mich da gar nicht umdrehen und ich weiß schon, wer das war.

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Riegler: Wenn ein Abgeordneter in einer Rede ein Zitat verwendet, muss Frau Gibba das in der Nachbearbeitung verifizieren. Dafür kann sie sich an die Parlamentsbibliothek wenden, in der Frau Werderitsch arbeitet. Auch sie arbeitet schon viele Jahre im Parlament.
Nina Werderitsch: Also ich komm vom Studium her eher aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich und hab dann eine postgraduale Ausbildung an der Nationalbibliothek, an der Österreichischen Nationalbibliothek, gemacht. Das ist eben 13 Jahre her, und das hat mich damals schon in der Ausbildung sehr bestätigt und bestärkt, dass das ein Beruf ist, der mich sehr interessiert.
Riegler: Die Parlamentsbibliothek führt knapp 370.000 Bände. Damit man sich in dem Bestand schneller zurechtfindet, wird jedes Buch im Bibliothekskatalog mit Schlagwörtern verknüpft.
Werderitsch: Also insofern ist das eine sehr verantwortungsvolle und schöne Aufgabe, weil ich mich ein bisschen als Schnittstelle zwischen dem Bestand und dem Benutzer sehe, und je besser ich ein Buch, ein Medium erschließe, umso höher ist die Chance, dass das Medium den richtigen Benutzer und vice versa findet. Das, was hier am Tisch liegt, ist zum Beispiel ein Jahrbuch für internationale Sicherheitspolitik. Das wichtigste Schlagwort in diesem Zusammenhang ist jetzt einmal „Sicherheitspolitik“. Ja? Das muss auf jeden Fall … (tippt) … da rein, und dann gebe ich noch dazu „Internationaler Vergleich“. Ja. Also das wäre jetzt einmal für das Jahrbuch als Ganzes, damit ich sozusagen alles grob einmal umfasse. Das wären jetzt die wichtigsten Schlagwörter.

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Brunner: So vielfältig wie die Aufgaben im Parlament, so vielfältig sind auch die Menschen, die hier arbeiten. Viele von ihnen werden wir Ihnen noch vorstellen.
Riegler: Und wir werden auch noch viele Fragen stellen. Die nächste Folge kommt in zwei Wochen.
Brunner: Da sind ja bald Nationalratswahlen. Oder?
Riegler: Richtig! Und darum fragen wir nach: „Wie genau funktioniert die Nationalratswahl in Österreich?“
Brunner: Wenn Ihnen dazu, oder auch ganz andere Fragen einfallen, oder wenn Sie uns Feedback geben wollen, dann schreiben sie uns an podcast@parlament.gv.at.
Riegler: Abonnieren Sie uns auf iTunes und Spotify oder überall, wo es Podcasts gibt, teilen Sie uns auf Social-Media, erzählen Sie Ihren Freunden, Vätern, Cousins, Müttern, Großeltern von uns.
Riegler: Danke fürs Zuhören und bis bald.

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****Musik****