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Parlamentskorrespondenz Nr. 244 vom 05.04.2002

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Parlament/Kunschak-Preise

FORSCHUNG UND PRESSE GEWÜRDIGT

Leopold Kunschak-Preise 2002 im Hohen Haus überreicht

Wien (PK) - 16 Forscher und zwei Journalisten erhielten heute die Leopold Kunschak-Preise für das Jahr 2002 im Hohen Haus überreicht. Es handelt sich dabei um die Wissenschaftler Werner Dujmovits, Peter Hilpold, Ferdinand Kerschner, Andrea Lehner-Hartmann, Jan Mikrut, Karl Michael Reiser, Kurt Remele, Clemens Sedmak, Petra Smutny, Klaus Mayr, Gabriele Tondl, Andrea Weinhandl, Andrea Martin, Monika Specht-Tomann, Doris Tropper und Bernhard Wodrazka sowie um die beiden Journalisten Norbert Hölzl (ORF-Landesstudio Tirol) und Martina Salomon (Der Standard). Die Zeremonie fand im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten aus den Bereichen Lehre, Wirtschaft, Politik und Presse - u.a. Bundesministerin Elisabeth Gehrer, Bundesminister a.D. Alois Mock, Bundesratspräsidentin Ute B. Pühringer, Nationalratspräsident a.D. Robert Lichal und VfGH-Präsident Ludwig Adamovich - statt.

In seiner Begrüßung führte der Dritte Präsident des Nationalrates Werner Fasslabend aus, dass der Leopold Kunschak-Preis heute so etwas wie der Sozialpreis dieses Landes sei. Mit diesen Preisen sollten Arbeiten gewürdigt werden, die der Öffentlichkeit bewusst machen, wie wichtig sozialpolitisches Vordenken ist. Die Aufgabe von heute sei es, den Sozialstaat auszubauen und gemäss den Notwendigkeiten unserer Zeit neu zu formulieren.

Fasslabend plädierte für eine Solidarität, die sich an der Würde des Menschen orientiere. Die christlichsoziale Bewegung wolle einen leistungsfähigen Sozialstaat und mache auch eine entsprechende Politik, wie sich an Themen wie "Abfertigung neu" oder Familienhospizkarenz zeige. Der Redner würdigte sodann den Beitrag der Preisträger zu diesen Zielen.

Johannes Hengstschläger, Vorsitzender der Wissenschaftlichen Begutachtungskommission des Leopold Kunschak-Preises, würdigte die Preisträger, deren Arbeitsfelder in ihren Dissertationen und Habilitationen von Rechtsfragen bis zu den Perspektiven der christlichen Soziallehre reichten. Die Preise, so Hengstschläger, seien eine Auszeichnung für die genannten Wissenschaftler ebenso wie für die Gesellschaft und auch ein Versprechen für die Zukunft. Erfreut zeigte sich der Redner darüber, dass das Kuratorium so viele Einreichungen wie noch nie - nämlich über 40 - entgegennehmen habe können, aus denen schließlich die Preisträger ausgewählt worden seien.

DAS HANDY KANN DIE HAND NICHT ERSETZEN

Den Festvortrag hielt die Landeshauptfrau der Steiermark, Waltraud Klasnic. Die Arbeiten der Preisträger zeigten soziale Kompetenz für das 21. Jahrhundert auf, denn christlichsoziale Politik müsse den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Die Rednerin würdigte Leben und Werk von Leopold Kunschak und die sozialpolitischen Leistungen der VP-Kanzler. Dass die VP überdies eine frauenfreundliche Partei sei, habe sich auch daran gezeigt, dass sie mit Grete Rehor die erste Ministerin in der Geschichte des Landes gestellt habe. Die Politikerin wies auf die sozialpolitischen Akzente der jüngsten Zeit, auf Kindergeld, Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten, auf "Abfertigung neu" und die Familienhospizkarenz, hin. Sie plädierte für einen "Mut zur Nächstenliebe", denn "das Handy wird unsere Hand nicht ersetzen können". Man müsse Verantwortung für einander übernehmen, es brauche Taten statt Worte.

Österreich sei kein Standort, sondern für acht Millionen Menschen Heimat, die sich in diesem Lande wohlfühlen wollten und könnten. Sozialpolitik im 21. Jahrhundert habe dementsprechende Prinzipien: Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Hilfe zur Selbsthilfe. Sozialpolitik brauche aber auch ein finanzielles und wirtschaftliches Fundament und daher bedürfe es auch einer guten Wirtschaftspolitik.

Klasnic meinte abschließend: "Wir leben meist mit der Uhr. Die Zeit läuft uns davon, aufhalten können wir sie nicht. Aber vielleicht besser nutzen - für uns und für den Menschen nebenan."

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel dankte ebenfalls den Preisträgern, die für die Zukunft noch viel erwarten ließen. Der Leopold Kunschak-Preis sei etwas Besonderes, etwas, das Bestand habe. Schüssel dankte aber auch Werner Fasslabend und dem ÖAAB, der in der Tradition von Leopold Kunschak der Regierung helfe, Lücken im sozialen Netz, die es natürlich immer noch gebe, aufzuspüren und zu beseitigen. Die Sozialpolitik habe noch lange nicht ausgedient, so Schüssel, der daran erinnerte, dass, wer bewahren wolle, auch zeitgemäß adaptieren und umbauen müsse.

Hernach wurden die Preise von Bundeskanzler Schüssel und Präsident Fasslabend feierlich überreicht. Für die musikalische Umrahmung sorgte das Bläserensemble der Niederösterreichischen Tonkünstler unter der Leitung von Werner Hackl.

Der Preis ist nach Leopold Kunschak (1871-1953) benannt, einem führenden Pionier der christlichen Arbeiterbewegung. Von 1907 bis 1911 gehörte Kunschak dem Reichsrat, 1920 bis 1934 und von 1945 bis 1953 dem Nationalrat an. Ab April 1945 war Kunschak Vizebürgermeister der Stadt Wien, von Dezember 1945 bis zu seinem Tod im März 1953 fungierte Kunschak als Erster Präsident des Nationalrates. In dieser Funktion saß Kunschak der V. Bundesversammlung im Dezember 1945 vor. (Schluss)

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