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Parlamentskorrespondenz Nr. 615 vom 02.09.2002

Format:
Entdeckungen und Begegnungen
Stichworte:
Parlament/Hausführung

14 JAHRE IM PRÄSIDIUM DES NATIONALRATS

Alfred Maleta (1906 - 1990)

Wien (PK) - Am 14. Februar 1962 folgte der damals 56jährige gebürtige Mödlinger Jurist Alfred Maleta Leopold Figl als Nationalratspräsident nach. Er sollte dieses Amt acht Jahre hindurch ausüben und bis dato der letzte Vertreter seiner Partei auf diesem Stuhl bleiben. Rechnet man allerdings seine Zeit als Dritter und Zweiter Nationalratspräsident hinzu, dann war Maleta mit 14 Jahren nach Anton Benya der zweitlängst dienende Spitzenrepräsentant des Hohen Hauses.

Geboren am 15. Januar 1906 in Mödling, besuchte Maleta während des Ersten Weltkriegs in Linz das Gymnasium, um später an der Universität Graz Recht zu studieren. Sein Gerichtsjahr absolvierte er wieder in Linz, wo er ab 1934 Kammeramtsdirektor der Arbeiterkammer Oberösterreich war. Als Funktionsträger des "Ständestaates" wurde Maleta nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich von den Nazis verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht. Später setzte sich sein Martyrium im KZ Flossenbürg fort. Maleta zählte zeitlebens zu den Mahnern vor Faschismus und Intoleranz und war in der VP-Kameradschaft der politisch Verfolgten ebenso aktiv wie im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes.

Nach dem Krieg amtierte Maleta kurze Zeit als stellvertretender Leiter des oberösterreichischen Landesarbeitsamtes, ehe er in das Bundesministerium für soziale Verwaltung eintrat, wo er es bis zum Ministerialrat brachte. 1951 holte ihn Parteichef Figl in die ÖVP-Parteizentrale, wo er das Amt des Generalsekretärs übernahm, welches er auch unter Figls Nachfolger Raab innehaben sollte.

Bereits seit Dezember 1945 auch Abgeordneter zum Nationalrat, gehörte er in den 50er Jahren zum engeren Führungskreis der ÖVP, zumal er auch als Bundesobmann der Arbeitnehmerorganisation ÖAAB fungierte. Nachdem der spätere Bundeskanzler Gorbach die Parteiführung übernommen hatte, schied Maleta aus dem Generalsekretariat aus und übernahm im April 1961 das Amt des Dritten Nationalratspräsidenten. Zehn Monate später wurde er Präsident des Nationalrates, nachdem Leopold Figl auf den Posten des Landeshauptmanns von Niederösterreich gewechselt war.

In dieser Funktion war Maleta Vorsitzender der 9. Bundesversammlung, welche die Angelobung Franz Jonas´ als vierter Bundespräsident der Zweiten Republik vornahm. Nach den Nationalratswahlen 1966, bei welcher die ÖVP eine absolute Mandatsmehrheit erhalten hatte, wurde Maleta in seinem Amt bestätigt.

Die Wahlen 1970 brachten einen Machtwechsel, und so tauschte Maleta mit seinem langjährigen Zweiten Präsidenten Karl Waldbrunner Ende März 1970 die Plätze. Maleta blieb auch nach den vorgezogenen Neuwahlen 1971 Zweiter Präsident, zog sich aber nach 30 Jahren im November 1975 aus der Politik zurück. Er starb einen Tag nach seinem 84. Geburtstag in Salzburg. Sein Bild im Empfangsalon des Parlaments stammt von Robert Fuchs. (Schluss)

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