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Parlamentskorrespondenz Nr. 737 vom 11.09.2006

Themenfelder:
Medien
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Präsentation/ORF/Khol/Wiesenthal

ORF-Radiofeature über Simon Wiesenthal im Parlament präsentiert

Höfferer/Kloners "Hörbild" kommenden Samstag um 9 Uhr auf Sendung



Wien (PK) - Vor rund einem Jahr, am 20. September 2005, starb Simon Wiesenthal. Aus diesem Anlass lud Nationalratspräsident Andreas Khol heute Nachmittag zur Präsentation einer ORF-Radiodokumentation zum Leben und Schaffen des unermüdlichen Rechercheurs im Dienste der Gerechtigkeit für die Opfer des Holocaust in das Besucherzentrum des Parlaments.

Präsident Khol hieß im zahlreich erschienen Publikum Altbundespräsident Kurt Waldheim und Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde willkommen und dankte den Autoren des Features, der Historikerin Christina Höfferer und dem Judaisten Andreas Kloner für ihre Arbeit. Mit dieser künstlerisch gestalteten Dokumentation komme der ORF seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag exemplarisch nach, sagte der Nationalratspräsident.

In seinen einleitenden Worte zu dem knapp einstündigen Feature über Simon Wiesenthal würdigte auch Peter Klein, der Leiter der Abteilung Feature und Feuilleton im ORF-Hörfunk, die beiden Journalisten und erinnerte daran, dass die Serie "Hörbilder", in der das Wiesenthal-Feature am kommenden Samstag, dem 16. September 2006, um 9.05 Uhr ausgestrahlt werden wird, sich bereits seit 25 Jahren einer großen Zuhörerschaft erfreue.

Simon Wiesenthal

Christina Höfferer und Andreas Kloner stellten ihr "Hörbild" über Simon Wiesenthals Leben aus Fakten, Interviews und Archivmaterial zusammen. Besondere Wirkung auf die Zuhörer entfaltete ihre Dokumentation durch spezielle Klangeffekte und die eindrücklich-beklemmende Beschreibung der Zeichnungen, in denen sich der Architekt Simon Wiesenthal mit seinen Erfahrungen in Mauthausen und vielen anderen Konzentrationslagern auseinandersetzte.

Simon Wiesenthal wurde am 31. Dezember 1908 im heute ukrainischen Buczacz geboren, in jenem Teil Galiziens, der damals zu Österreich gehörte. Nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen im Mai 1945 machte Wiesenthal die "Suche nach Gerechtigkeit für Millionen unschuldig Ermordeter" zu seiner Lebensaufgabe und gründete das "Jüdische Dokumentationszentrum in Linz" und später das "Dokumentationszentrum des Bundes Jüdischer Verfolgter des Naziregimes" in Wien. Simon Wiesenthal forschte weltweit nach Tätern aus der Zeit des Nationalsozialismus, um sie ihrer Verantwortung zuzuführen.

Simon Wiesenthal war unter anderem maßgeblich an der Ausforschung von Adolf Eichmann beteiligt. Er sah sich selbst nicht als "Nazi-Jäger", wie ihn Anhänger anerkennend und Kritiker ablehnend bezeichneten, sondern als "Rechercheur, der Fakten festmacht". Von der Kollektivschuldthese, die auch er anfangs noch vertreten hatte, wandte sich Simon Wiesenthal bald ab und sah seine Pflicht als Zeitzeuge und Überlebender des Holocaust darin, vor dem Vergessen zu warnen.

Deutlich zur Sprache kommen auch die Konflikte, die Simon Wiesenthal aufgrund seiner konsequenten Arbeit auszutragen hatte. Der Zuhörer erfährt etwa von Wiesenthals Streit mit Bruno Kreisky über die Rolle Friedrich Peters im Zweiten Weltkrieg und von Wiesenthals Vorschlag, zur Klärung der Vorwürfe gegen Kurt Waldheim eine Historikerkommission einzurichten. Simon Wiesenthal starb - für seine Leistungen weltweit mit höchsten Ehrungen ausgezeichnet - am 20. September 2005 in Wien. Er wurde auf seinen Wunsch in Israel begraben.

(Schluss)

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