X

HINWEISE ZU COOKIES


Die Webseite verwendet Cookies für die Herstellung der Funktionalität und für die anonyme Analyse des Online-Verhaltens der BesucherInnen. Diese Analyse hilft, das Informationsangebot für die BenutzerInnen besser zu gestalten. Mehr


Analyse-Cookies dienen zum Sammeln und Zusammenfassen von Daten unserer BesucherInnen und deren Verhalten auf unserer Website. Die Parlamentsdirektion nutzt diese Informationen ausschließlich zur Verbesserung der Website und gibt sie nicht an Dritte weiter.

Analyse-Cookies erlauben
Suche
X

Seite 'PK-Nr. 712/2009' teilen



Copy to Clipboard Facebook Twitter WhatsApp E-Mail
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 712 vom 14.08.2009

Themenfelder:
Kultur/Kunst
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Parlament/Kunstbericht

Ein erfolgreiches Jahr für die Kunst in Österreich

Ministerin zieht im Kunstbericht 2008 positive Bilanz

Wien (PK) - Kunst "lohnt jede Ausgabe, jede Förderung, jede Unterstützung von Kunst und Kultur in vielfacher Hinsicht: Die eingesetzten Mittel werden zum Gewinn an Freude, an produktivem Widerspruch, an Vielfalt und Spannung" Das hält Bundesministerin Claudia Schmied in ihrem Vorwort zum Kunstbericht 2008 ( III-79 d.B.) fest, der dieser Tage dem Hohen Haus zugeleitet wurde.

Als wichtigsten Schwerpunkt ortet das Regierungsmitglied dabei die Kulturvermittlung: "Ich will erreichen, dass möglichst viele Menschen an Kunst und Kultur teilhaben können. Um das zu verwirklichen, müssen wir junge Menschen mit zeitgemäßer Kulturvermittlung an die verschiedenen Kunstformen heranführen und es den Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, sich weiterzubilden."

Ein wichtiges Anliegen sei ihr dabei die Internationalisierung. Künstlerinnen und Künstler sollen die Chance bekommen, im Ausland neue Perspektiven kennen zu lernen, sich mit Kunstschaffenden aus anderen Ländern zu vernetzen und neue Märkte für sich zu erschließen.

Fortschreibung der bisherigen Kunstpolitik

In der Tat wurden die Mittel für die Kunstförderung 2008 leicht angehoben. Aus 88,5 Mio. Euro wurden nunmehr 89,7 Mio. Euro, wovon allerdings jene Sparten profitierten, die schon bisher primäre Adressen der heimischen Kunstförderung waren, entfiel doch auch im Berichtsjahr wieder fast ein Drittel aller Mittel auf sechs Institutionen. Das "Theater in der Josefstadt" erhielt 6 Mio. Euro, die "Salzburger Festspiele" 5,5 Mio. Euro, das Wiener "Volkstheater" 4,9 Mio. Euro, die Philharmoniker 2,3 Mio. Euro, die "Bregenzer Festspiele" 2,6 Mio. Euro und das "Theater der Jugend" 2 Mio. Euro.

Der Anteil der Bühnenkunst an den Fördermitteln betrug rund 45 Prozent, jener des Films zirka 22,5 Prozent. Die Architektur schlägt sich mit etwa 12 Prozent zu Buche, regionale Kulturinitiativen erhielten etwa fünf Prozent des budgetären Kuchens. Und jeder achte Subventionseuro wurde in die heimische Literatur investiert.

Eine Aufwertung erfuhr jedoch das Filmwesen, das im Berichtszeitraum einen Schwerpunkt bildete. Weitere Akzentuierungen betrafen die Bereiche kulturelle Partizipation und die Förderung des künstlerischen Nachwuchses in allen Sparten. Wie schon seit geraumer Zeit sind die Mittelzuteilungen auch im vorliegenden Bericht wieder nach dem LIKUS-System gelistet, was eine bessere Vergleichbarkeit ermöglicht. Dabei sind auch jene Förderungsbereiche ausgewiesen, die an sich nicht in den Kompetenzbereich der Kunstsektion fallen. Sie werden dennoch angeführt, um einen interministeriellen, nationalen und internationalen Budgetvergleich zu ermöglichen.

Genderaspekte

In den vergangenen Jahren wurde oftmals die Frage nach der Geschlechtergerechtigkeit bei der Verteilung der Förderungen gestellt. Da eine diesbezügliche Auswertung für den Kunstbericht zuletzt im Jahr 1997 durchgeführt wurde und damit nicht mehr aktuell ist, werden im vorliegenden Kunstbericht wie schon 2007 jene finanziellen Transferleistungen, die direkt an einzelne Künstlerinnen und Künstler gingen, nach genderbezogenen Kriterien ausgewertet. Zusätzlich werden erstmals die in der Kunstsektion tätigen Beiräte und Jurys geschlechtsspezifisch dargestellt.

Im Jahr 2008 wurden insgesamt 5,7 Mio. Euro für die Förderung von einzelnen Künstlerinnen und Künstlern verwendet. Diese Summe umfasst nicht nur Stipendien und Projektförderungen, sondern auch Zahlungen für Preise, Prämien und Kunstankäufe. Bei insgesamt 1.159 Stipendien/Projekten wurden 482 Vorhaben von Künstlerinnen mit einer Summe von 1,9 Mio. Euro und 677 Vorhaben von Künstlern mit einer Summe von 2,6 Mio. Euro unterstützt.

Zusätzlich zu diesen Förderungen wurden Kunstwerke im Gesamtwert von 810.626 Euro angekauft, wobei 349.617 Euro an 85 Frauen und 461.009 Euro an 96 Männer gingen. 2008 wurden auch 84 Preise und Prämien für besondere künstlerische Leistungen verliehen. Insgesamt wurden 41 Künstlerinnen und 43 Künstler für ihre Arbeiten ausgezeichnet. Der Gesamtbetrag von 327.300 Euro ging zu 49 % an Frauen und zu 51 % an Männer.

Insgesamt gab es also 1.424 Förderungen, 816 Förderungen zu insgesamt gut drei Millionen Euro an Männer, 608 Förderungen zu insgesamt 2,5 Mio. Euro an Frauen.

Literatur

Die Förderung literarischer Vereine und Veranstaltungen nimmt mit 4,70 Mio. Euro den größten Bereich dieser Kunstsparte ein. Die Literaturabteilung fördert die Literaturhäuser in den Bundesländern und die dort ansässigen größeren literarischen Institutionen, die nicht nur wesentlich zum literarischen Leben im jeweiligen Bundesland, sondern zu einem positiven und anregenden literarischen Klima in ganz Österreich beitragen. Sie beteiligt sich aber auch an Projekten kleinerer Veranstalter und an der Finanzierung von Literaturvereinen und Literaturzeitschriften, die für junge Autorinnen und Autoren von besonderer Bedeutung sind.

Heute gibt es in Österreich ein flächendeckendes Netz von Literaturhäusern, Literaturveranstaltern und Literaturgruppen und mit dem Österreichischen P.E.N.-Club, der Grazer Autorinnen Autoren Versammlung, der Interessengemeinschaft Autorinnen Autoren und der Übersetzergemeinschaft vier repräsentative Schriftstellerverbände.

Musik

Die Förderung von Orchestern, Musikensembles und größeren Konzertveranstaltern nimmt mit 7,17 Mio. Euro den Löwenanteil in dieser Sparte ein. In der Bundeshauptstadt Wien befinden sich die beiden großen traditionellen Konzerthäuser (Musikverein und Konzerthaus). Die neuen Räumlichkeiten in beiden Häusern dienen nach umfangreichen Renovierungs- bzw. Sanierungsarbeiten vor allem als Veranstaltungsort für Programmschienen, mit denen neue Publikumskreise (Kinder, Jugendliche usw.) erschlossen werden und aktuelle musikalische Strömungen in das Angebot einbezogen werden können.

Die Zusammenarbeit mit großen Wiener Orchestern wie den Wiener Philharmonikern oder den Wiener Symphonikern und mit diversen Kammermusikformationen ermöglicht eine große Programmvielfalt. Die Programmgestaltung umfasst neben International-Renommiertem auch Österreichisch-Innovatives. Etablierte Konzertserien mit prominenten internationalen Orchestern, Dirigentinnen und Dirigenten sowie Solistinnen und Solisten und eine Anzahl von thematisch strukturierten Einzelprojekten oder spezielle Kinderprogramme runden die Programmpalette ab. Seit Jahrzehnten vorbildhaft im Bereich der Musikvermittlung tätig ist die Musikalische Jugend Österreichs (Jeunesse).

Darstellende Kunst

Die Besonderheit des Theatersystems in den deutschsprachigen Ländern besteht darin, dass es im europäischen Vergleich über eine besonders hohe Theaterdichte verfügt. Dies hat zur Folge, dass die Theaterbudgets einen Großteil der für Kultur aufgewendeten kommunalen (regionalen) Landes- oder Bundesmittel ausmachen.

Der zur Gänze von der Abteilung 2 zur Verfügung gestellte Betrag von 19,12 Mio. Euro repräsentiert fast 24 % des Budgets der Kunstsektion und liegt damit in der LIKUS-Reihung an erster Stelle vor dem Film und den Festspielen. Insgesamt wurden 2007 im Bereich darstellende Kunst für Größere Bühnen 14,5 Mio. Euro aufgewendet.

Förderungen erhielten u.a. in Salzburg das Schauspielhaus Salzburg (Elisabethbühne), in Oberösterreich das Theater Phönix und in Wien folgende Bühnen: Theater in der Josefstadt, Volkstheater Wien, Theater der Jugend, Schauspielhaus, Wiener Kammeroper und Vienna´s English Theatre.

Film

Wie die Literatur ist auch der Film in Österreich durch eine relative Randlage innerhalb einer großen Sprachgruppe geprägt, die für Kino und Fernsehen einen geschlossenen Markt darstellt. So hat sich eine der österreichischen Filmkultur angepasste Filmförderungspolitik entwickelt, die die Besonderheiten und die Größe Österreichs ebenso berücksichtigt wie dessen Leistungsfähigkeit bei der Produktion von Spiel-, Experimental- und Low-Budget-Filmen.

Während sich die Filmförderung durch das ÖFI dem Kinospielfilm (arbeitsteiliger Produktionsprozess, ökonomische Professionalität usw.) widmet, bezog sich 2008 die Filmprojektförderung der Abteilung 3 mit einem Budget von ca. 2,3 Mio. Euro vor allem auf die Bereiche der Avantgarde, des Experiments, der Innovation, des Nachwuchses und der künstlerisch gestalteten Dokumentation. Neben der Filmherstellung wurden auch die Medienkunst sowie die nationale und internationale Verwertung der geförderten Filme mitfinanziert und die in der Sparte Film- und Medienkunst tätigen Verbreitungseinrichtungen und -initiativen, Künstlervereinigungen, Programmkinos sowie die Filmarchivierung, Publikationen und Präsentationen gefördert.

Nach der Erhöhung des Budgets des ÖFI sowie der Filmförderung der Kunstsektion und der Einrichtung des Fernsehfonds Austria wurde als weitere Etappe eine Filmförderungsgesetznovelle durchgeführt, um die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Filmförderung in Österreich zu sichern. Damit wurde das ÖFI zu einem Kompetenzzentrum ausgebaut, dessen Eckpunkte die gesetzliche Verankerung der Nachwuchsförderung, die Erstellung eines jährlichen Filmwirtschaftsberichts und die Einrichtung eines Österreichischen Filmrats sind.

Bei den geförderten Institutionen sind besonders der Verleih für künstlerisches Film- und Videoschaffen "Sixpack Film", das Österreichische Filmmuseum, das mit anspruchsvollem internationalen Programm in der Albertina neue Maßstäbe setzt, das Österreichische Filmarchiv, dessen vom Bund und dem Land Niederösterreich finanziertes Filmlager in Laxenburg dem österreichischen Filmerbe Raum gibt, und die Donau-Universität Krems mit ihrem umfangreichen Ausbildungsangebot und der digitalen Restaurierstation hervorzuheben. Um österreichische Kinos, die dem Publikum durch vielfältige Programmierung ein ambitioniertes, abwechslungsreiches und künstlerisch wertvolles Filmangebot bieten, in ihrer Arbeit finanziell zu unterstützen, wurden auch 2008 mit der jährlich ausgeschriebenen Kinoinitiative knapp 100.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Vom ÖFI gefördert wurden 2008 etwa Nikolaus Leytners Verfilmung von Stefan Slupetzkys Roman "Der Fall des Lemming" mit einer Million Euro, die Fortschreibung der Sackbauer-Saga "Echte Wiener" mit gut 900.000 Euro, Julian Pölsler Literaturverfilmung "Die Wand" (nach Marlen Haushofer) mit knapp 700.000 Euro und die Verwertung von Robert Dornhelms Opernverfilmung von "La Boheme".

Architektur

Architektur und Design bilden gleichfalls einen wichtigen Förderungsbereich. Die Förderungsmaßnahmen zielen darauf ab, die zeitgenössische österreichische Architektur und das heimische Design strukturell zu stärken, einzelne Vorhaben zu fördern, die öffentliche Rezeption zu verbessern, die Diskussion zu vertiefen und ein Problembewusstsein bei den öffentlichen und privaten Bauträgern sowie einer interessierten Öffentlichkeit zu schaffen.

Dazu werden die in allen Bundesländern eingerichteten Häuser und Foren für Architektur maßgeblich mitfinanziert. Diese präsentieren national und international in verschiedenen Ausstellungen nicht nur neuere österreichische architektonische Entwicklungen, sondern veranstalten auch Tagungen, Seminare und Vorträge, führen Baubesichtigungen und Exkursionen durch und bieten Workshops u.ä. für Kinder und Jugendliche an.

Mit dem Architektur Zentrum Wien existiert eine Institution, die auch international als Knotenpunkt der Diskussion über das architektonische Geschehen Beachtung findet. Dieser Umstand hat dazu beigetragen, den Kommunikationsprozess zwischen Architektinnen und Architekten, Bauträgern und Baubehörden bzw. mit einem zunehmend größer werdenden Publikum in Gang zu setzen und ihm eine strukturelle Basis zu geben, die einen permanenten Informationsaustausch ermöglicht.

Preise

Wie jedes Jahr gibt auch der vorliegende Bericht wieder einen Überblick über die heimischen Preise und Auszeichnungen. So erhielt Miko Lukas den "Thomas Pluch-Preis" für heimisches Filmschaffen, Elisabeth Czurda den "Würdigungspreis für Literatur 2008" und Agota Kristof den "Staatspreis für Europäische Literatur".

Ein umfangreiches Register mit nützlichen Adressen, Gesetzestexten und Glossar rundet den Bericht ab. (Schluss)