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Parlamentskorrespondenz Nr. 902 vom 19.11.2010

Themenfelder:
Wirtschaft
Sachbereich:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Parlament/KMU/Mittelstandsbericht

KMU als Rückgrat der österreichischen Wirtschaft

Mittelstandsbericht: Konjunkturpakete konnten Einbruch abfedern

Wien (PK) - Österreich schneide bei der Bewältigung der Wirtschaftskrise im europäischen Vergleich besonders gut ab. Dies sei neben den rasch umgesetzten und richtig dosierten Konjunkturpaketen vor allem der Stärke unserer kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu verdanken, schickt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner im Vorwort zum Mittelstandsbericht 2010 (III-188 d.B.) voraus. Die KMU seien das Rückgrat der heimischen Wirtschaft, weil sie solide Werte schaffen, flexibel auf neue Herausforderungen reagieren können und gleichzeitig auf Innovationen setzen, heißt es darin weiter.

Dieser Befund wird nun durch Daten und Fakten des Berichts untermauert. So waren im Jahr 2009 in der marktorientierten Wirtschaft rund 299 000 KMU, das sind 99,6 % aller österreichischen Unternehmen, tätig. Diese beschäftigten etwa zwei Drittel aller Erwerbstätigen bzw. 62 % aller ArbeitnehmerInnen und erzielten rund 60 % aller Umsatzerlöse sowie 57 % der Bruttowertschöpfung der marktorientierten Wirtschaft.

Ein Blick auf die Größenklassen zeigt, dass es sich bei mehr als einem Drittel aller KMU um Unternehmungen mit nur einem Beschäftigten, sogenannte Ein-Personen-Unternehmen handelte. Mehr als die Hälfte aller KMU waren Kleinstbetriebe mit 2 bis 9 Beschäftigten, knapp 11 % der Betriebe waren Arbeitgeber für 10 bis 49 Personen, in rund 2 % der Unternehmen waren 50 bis 249 Personen beschäftigt.

Im Jahr 2009 waren fast 75 000 KMU im Handel tätig, dieser Sektor stellte damit fast ein Viertel aller KMU in Österreich dar und war damit der größte Wirtschaftsbereich. Danach folgten die freiberuflichen Dienstleistungen (knapp 55 000 KMU) und die Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe (mehr als 45 000 KMU).

Wirtschaftskrise trifft auch Österreichs KMU

Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren auch für Österreichs Betriebe spürbar und zeigten sich vor allem in rückläufigen Beschäftigungs- und Umsatzzahlen. Am stärksten sanken sowohl die Zahl der Arbeitskräfte (um fast 4 %) als auch die Umsätze (- 12 %) im produzierenden Bereich. Während das nominelle Umsatzminus im Handel mit 5,5 % höher ausfiel als bei den sonstigen Dienstleistungen (- 4,7 %), war der Beschäftigungsrückgang in den beiden Sektoren mit jeweils rund 1 % in etwa gleich. Von einer stabilen privaten Nachfrage konnte hingegen der Einzelhandel profitieren, dessen Umsatz 2009 gegenüber 2008 real nur um 0,3 % schrumpfte. Die Tourismusbetriebe wiederum verzeichneten 2009 das schlechteste Ergebnis seit 2004, wobei, wie der Bericht zu bedenken gibt, der Rückgang ausschließlich auf die internationalen Gäste (Nächtigungen: - 3,2 %) zurückzuführen ist, während die Nächtigungszahlen bei den heimischen Gästen um 1,7 % gestiegen sind. Im internationalen Vergleich schnitt der österreichische Tourismus allerdings gut ab und konnte auch während der angespannten Konjunkturphase Marktanteile dazugewinnen.

Der Bericht erinnert weiters an die Maßnahmen, die zur Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise gesetzt wurden und hebt dabei das Finanzhilfepaket, die beiden Konjunkturpakete, die Arbeitsmarktpakete, die Steuerreform und die Ökoprämie hervor. Mit Maßnahmen in der Größenordnung von 3,5 % des nominellen BIP 2008 zähle Österreich zu jenen Ländern, die gemessen an der Wirtschaftsleistung die stärksten Konjunkturimpulse gesetzt haben, resümiert der Bericht.

Österreichs KMU im internationalen Vergleich

Breiten Raum widmet der Bericht der EU-Ebene und geht dabei von dem 2008 von der Europäischen Kommission vorgestellten Small Business Act (SBA) aus, der einen Rahmen für die europäische KMU-Politik schafft und in zehn Grundsätzen Ziele festlegt und Maßnahmen vorschlägt. Österreich hat sich im Dezember 2008 zur Umsetzung des SBA verpflichtet. Das nun jährlich für jedes Mitgliedsland erscheinende "SBA Fact Sheet" ermöglicht eine Bestandsaufnahme der aktuellen KMU-Politik und einen europäischen Vergleich, wobei alle zehn Grundsätze anhand von 88 Indikatoren beleuchtet werden.

Was etwa die unternehmerische Initiative betrifft, so ist in Österreich der Wunsch, selbständig tätig zu sein, geringer ausgeprägt als im EU-Durchschnitt. Auch der Anteil der UnternehmerInnen an der Gesamtbevölkerung ist hierzulande niedriger als im EU-Mittel, dafür gibt es aber überdurchschnittlich viele Unternehmen mit hohem Wachstum. Gut schneidet Österreich auch bei der unternehmerischen Ausbildung ab.

Hinsichtlich des Prinzips "Vorfahrt für KMU" ("Think Small First"), das den Auftrag enthält, für ein KMU-freundliches Umfeld zu sorgen, verweist der Bericht auf eine Studie, der zufolge in Österreich die benötigte Zeit zur Erfüllung von Verwaltungsauflagen unter dem EU-Durchschnitt liegt. Etwa gleich hoch wie im EU-Mittel ist laut dieser Studie der Anteil der KMU, die sich mit Problemen aufgrund von Verwaltungsvorschriften konfrontiert sehen. Der Bericht hebt in diesem Zusammenhang das Entbürokratisierungsprogramm der Bundesregierung und insbesondere die Initiative" Verwaltungskosten senken für Unternehmen" und das "One-Stop-Shop-Prinzip" hervor und stellt im Übrigen fest, Österreich liege bei der Umsetzung des Grundsatzes, der eine KMU-freundliche Verwaltung anstrebt, über dem EU-27-Schnitt. Spitzenwerte werden Österreich dabei vor allem in Sachen E-Government-Angebot attestiert. So sind die wesentlichen Grunddienstleistungen der Verwaltung hierzulande zu 100 % online verfügbar, während der europäische Mittelwert in diesem Bereich bei bloß 59 % liegt.

Beim Grundsatz "Finanzierung", mit dem der SBA den erleichterten Zugang der KMU zu Krediten und Risikokapital anstrebt, weist der europäische Vergleich Österreich einen Platz im Mittelfeld zu. Der Anteil der KMU, die Probleme beim Zugang zu Finanzierungen haben, ist geringer als der EU-Durchschnitt. Unterdurchschnittlich fallen in Österreich allerdings auch die Indikatoren zum Anteil von Risikokapital und Garantien am BIP aus.

Einen Nachholprozess ortet der Bericht überdies bei der Nutzung der Vorteile des Binnenmarktes durch die österreichischen KMU. In der Gesamtbetrachtung des diesbezüglichen SBA-Grundsatzes liegt Österreich im europäischen Mittelfeld, was vor allem auf Verzögerungen bei der Umsetzung überfälliger EU-Richtlinien zurückgeführt wird. Gut ist Österreich hingegen im Bereich Innovation positioniert. So liegt etwa der Anteil der KMU mit Beteiligung an Innovationstätigkeiten mit 49 % klar über dem EU-Schnitt von 36 %. Im EU-Schnitt rangieren Österreichs KMU in Sachen Internationalität, der Anteil der Betriebe mit Auslandsinvestitionen ist in Österreich aber überdurchschnittlich hoch. (Schluss)