LETZTES UPDATE: 29.08.2013; 12:07
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 667 vom 11.07.2013

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/Publikation/Theophil Hansen

Neue Publikation zu Theophil Hansen

Parlamentsdirektion würdigt 200. Geburtstag des Architekten

Wien (PK) – Aus Anlass der 200. Wiederkehr des Geburtstages von Theophil Hansen, nach dessen Plänen 1874 bis 1883 das Wiener Parlamentsgebäude errichtet wurde, hat die Parlamentsdirektion in Zusammenarbeit mit der "Edition Winkler-Hermaden" einen reich illustrierten Bildband zu Leben und Werk des dänischen Meisters erstellt.

Auf 214 Seiten wird dabei nicht nur des Lebens von Theophil Hansen gedacht, sein Schaffen wird eingebettet in die politischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Neuerscheinung setzt sich mithin nicht nur mit der Entwicklung des Parlamentarismus in Österreich und anderswo auseinander, sondern auch mit der Aufbruchsstimmung jener Jahre, die ihren sinnfälligsten Ausdruck in der sogenannten Ringstraßenarchitektur fand, die von Hansen ganz wesentlich mitgeprägt wurde. Eigene Kapitel des Buches widmen sich der architektonischen Analyse des Parlamentsgebäudes, wobei hier ein unkonventioneller Blickwinkel eingenommen wird, der neue und faszinierende Erkenntnisse über Hansens Konzeption zutage fördert.

Der Meisterarchitekt der Ringstraße

In Kopenhagen wurde er geboren, in Athen hat er seine Kunst studiert, und in Wien führte er sie zur Vollendung: Theophil Hansen, der Erbauer des Hohen Hauses, erblickte am 13. Juli 1813 das Licht der Welt. Er hat mit Parlament, Musikverein und Börse drei der prächtigsten Wiener Ringbauten geplant, aber auch Palais wie jene der Familien Epstein, Todesco oder Ephrussi und nicht zuletzt das Palais Hansen, das erst kürzlich durch Boris Podrecca kongenial neu adaptiert wurde. Theophil Hansen hat das gründerzeitliche Erscheinungsbild Wiens mehr geprägt als kaum ein anderer Architekt. Und an Hansens Schaffen lässt sich hervorragend nachvollziehen, wie sich aus einer engen mittelalterlichen Festungsstadt eine moderne Metropole entwickelte, die um 1900 die viertgrößte Stadt der Welt war.

Dabei war es dem Dänen beileibe nicht in die Wiege gelegt, eine derart markante Karriere zu machen. Aus kinderreichem und dementsprechend armem Hause und früh vaterlos geworden, war er zunächst auf Gönner und Förderer angewiesen, doch zeigte sich schnell sein beachtliches Talent, sodass er bereits in seinen Zwanzigern erste Bauaufträge realisieren konnte. In den knapp 50 Jahren von 1842 bis 1889 konnte er nicht weniger als 73 Projekte entwickeln, von denen die meisten auch tatsächlich umgesetzt wurden. Und wenn man Hansen heute vor allem mit Wien – aber auch mit Athen, seiner Lehrmeisterin – in Verbindung bringt, so soll nicht übersehen werden, dass Hansen auch in anderen Zentren der Donaumonarchie seine Spuren hinterlassen hat. Intensiv tätig war er etwa in Brünn, wo neben dem "Vereinshaus" (Besedni Dum) vor allem das Palais Klein und das Landeskrankenhaus hervorragen, aber auch in Olmütz (Villa Siegl) und der galizianischen Hauptstadt Lemberg (Invalidenpalast) hat der Däne Bauwerke geschaffen, die heute noch von seiner unvergleichlichen Meisterschaft Zeugnis ablegen. Ja, selbst die nordslowakische Kleinstadt Kezmarok (Käsmark) darf sich rühmen, ein echtes Hansen-Bauwerk zu beherbergen, wenngleich die Pläne für die dortige evangelische Kirche erst nach Hansens Tod umgesetzt werden konnten.

Hansens Hauptwerk: Das Wiener Parlamentsgebäude

Für die Herausgeberin dieses Bandes ist gleichwohl Hansens Haupt- und Meisterwerk von besonderem Interesse. Das historische Parlamentsgebäude an der Ringstraße ist der letzte und sicherlich komplexeste Entwurf des Meisters. Seit 1883 ist das in reinem Klassizismus entworfene, große, kompakte, aber sehr elegante Gebäude das Symbol der Demokratie in Österreich.

Das Parlament hat einige wesentliche Kriegsschäden und Nutzungsänderungen mit Würde überstanden und zeigt im Wesentlichen noch seine ursprüngliche Klarheit der Grundrisse, seine angenehmen Proportionen und seine – bei aller Repräsentation – freundlichen Raumqualitäten.

Während der gesamten Entwurfs- und Bauphase hat Theophil Hansen mit ungeheurer Energie an seinem krönenden Gesamtkunstwerk gearbeitet. Das Ergebnis ist eine stark spürbare Perfektion im Zusammenspiel von funktionellen Raumfolgen, einer Ausstattung voller Symbolik bis hin zum heute noch genutzten Mobiliar.

Daher ist es naheliegend, dass die Herausgeberin dem Schöpfer des Parlaments aus Anlass seines 200. Geburtstags besondere Aufmerksamkeit widmet. Mit dem vorliegenden Band soll Hansens "Tempel der Demokratie" von seiner architektonischen Seite in den Mittelpunkt gerückt werden, freilich ohne dabei all die anderen großartigen Bauwerke zu vergessen, mit denen Hansen diese Stadt so nachhaltig geprägt hat und ohne die Wien heute nicht die Metropole wäre, die Jahr für Jahr unzählige Touristinnen und Touristen empfängt, die sich nicht zuletzt an Hansens prächtigen und bildgewaltigen Werken erfreuen.

Der Band "Der Baumeister des Parlaments" ist im Shop der Parlamentsdirektion sowie im Buchhandel um € 49,90 erhältlich.

(Schluss) red