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Parlamentskorrespondenz Nr. 1046 vom 11.11.2014

Themenfelder:
Forschung
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/Forschung/Innovation

Technischen Fortschritt und soziale Innovation gleichzeitig forcieren

Tätigkeitsbericht des Rates für Forschung und Technologieentwicklung 2013

Wien (PK) – Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung richtet seinen Blick auf die Gestaltung der Zukunft Österreichs angesichts der Herausforderungen der Globalisierung. Die Fragen, wie Österreich im Jahr 2050 aussehen könnte und sollte, und welche Rolle dabei Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation haben, stehen im Fokus des Rates, heißt es in seinem Tätigkeitsbericht für das Jahr 2013, den der Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie dem Nationalrat vorlegt ( III-113 d.B. und III-534-BR/2014 d.B. ).

Der FT-Rat beschäftigte sich im Jahr 2013 auch intensiv mit dem österreichischen Innovationssystem. Bis 2020 hat sich die Regierung das Ziel gesetzt, Österreich in die Gruppe der führenden Innovationsnationen Europas zu führen. Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung sieht allerdings die Finanzierung als nicht gesichert an, halten die Vorsitzenden des Rates fest. Die Bundesregierung habe den zur Erreichung des Ziels notwendigen Finanzierungpfad verlassen, weshalb sich die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit Österreichs seit dem Krisenjahr 2009 nicht verbessert hat. Die Entwicklung in den Politikbereichen, die die Wettbewerbsfähigkeit antreiben, etwa Bildung und Verwaltungsreform, stagniert seit einigen Jahren, stellen der Ratsvorsitzende Hannes Androsch und sein Stellvertreter Peter Skalicky im Editorial des Berichts fest.

Ende September 2013 legte der Rat sein "Weißbuch zur Governance von Forschung, Technologie und Innovation (FTI) in Österreich" vor. Unterstrichen wird darin die zunehmende Bedeutung von "FTI-Governance", also einer effizienten Organisation und einer zielgerichteten Steuerung der Politik in Forschung, Technologie und Innovation und damit auch der Geldflüsse für die Forschungsförderung. Das Weißbuch versteht sich dabei nicht nur als Thesenpapier, sondern als Sammlung von umsetzungsorientierten Handlungsoptionen für EntscheidungsträgerInnen zur Verbesserung der FTI-Governance in Österreich. Es skizziert ein Bündel von notwendigen Reformschritten und konkreten Handlungsfeldern, hält der Rat fest.

Österreich 2050: Starke Akzente setzen für wissensbasierte Ökonomie

Rund dreißig namhafte ExpertInnen haben auf Initiative und Einladung des Rates nachgedacht, wie es um Österreich im Jahr 2050 bestellt sein wird sowie welche Rolle dabei Bildung, Wissenschaft und Forschung spielen. Die Ergebnisse sind im Sammelband "Österreich 2050 – Fit für die Zukunft" vorgestellt. Kein einzelner Politikansatz könne Antworten auf alle brennenden Fragen unserer Zeit bieten, stellt der FT-Rat fest. Es herrsche aber breiter Konsens darüber, dass Bildung, Forschung und Innovation die wesentlichen Faktoren für die Bewältigung der anstehenden Herausforderungen sind. In diesem Sinne wollen die ExpertInnen auch Orientierung geben und der Politik wieder Mut zum Handeln machen.

Als relevante Zukunftsthemen behandeln sie Herausforderungen für Bildungs- und Forschungspolitik, Migration und Demografie, Energieversorgung und Umweltprobleme, Strukturreformen, globale Entwicklungen und die Zukunft ganz allgemein. Fazit ist, dass es für eine kleine, offene Volkswirtschaft wie jene Österreichs künftig nicht ausreichen wird, im globalen Wettlauf wissensbasierter Ökonomien nur "dabei zu sein". Bildung, Forschung, Technologie und Innovation sind für ein rohstoffarmes Land wie Österreich die entscheidenden Voraussetzungen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben und wirtschaftliche, technische, soziale, ökologische und kulturelle Fortschritte zu erzielen.

Starke Stellung der österreichischen Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung anerkennt die Bedeutung und Notwendigkeit der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften (GSK) für die Entwicklung der Gesellschaft und tritt daher für eine Verbesserung der strukturellen Rahmenbedingungen der GSK in Österreich ein. Die so genannten Grand Challenges, wie etwa Alterung der Gesellschaft, Migration, Umwelt, können künftig nicht allein durch die Entwicklung neuer Technologien gelöst werden. Gerade zur Lösung dieser Probleme brauche es auch die Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, betont der Rat.

Der vorliegende Bericht des Rats zeigt daher die Herausforderungen der GSK besonders an den Hochschulen auf. Zu seinen Empfehlungen gehören unter anderem eine ausreichende Grundausstattung mit Mitteln, ohne dass ein Ausspielen der GSK gegen die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer erfolgt. Die Massenfächer müssten entlastet und die Doktorats-Ausbildung an internationale Standards herangeführt werden. Empfohlen werden auch bessere Voraussetzungen für das Einwerben von Drittmitteln.

Der Rat hebt hervor, dass einige Fächer und Forschungsinstitutionen der Geistes-,Sozial- und Kulturwissenschaften zu den Stärken der österreichischen Wissenschafts- und Forschungslandschaft zählen. So konnte die Universität Wien im aktuellen "Times Higher Education Ranking" in der Kategorie "Arts and Humanities" Platz 46 (entspricht Platz 15 in der EU) erreichen. In den "QS World University Rankings by Subject", wurden sowohl die Philosophie als auch die Linguistik auf Platz 46 gereiht.

Diese Stärke der österreichischen Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften habe sich auch in der erfolgreichen Teilnahme in den EU-Rahmenprogrammen gezeigt, heißt es im Bericht. Am 7. EU-Rahmenprogramm nahmen bis zum Mai 2012 österreichische GSK-Institutionen an 27,4 % aller im Rahmen des Schwerpunkts "Socio-Economic Sciences and Humanities (SSH)" geförderten Projekte teil. Der Durchschnitt österreichischer Beteiligungen im gesamten Rahmenprogramm betrug nur 10,2 %. Zudem wurden 6,3 % der SSH-Projekte auch von ihnen koordiniert, im Vergleich zu einem österreichischen Durchschnitt von 3,4 % im gesamten Rahmenprogramm.

Die Geisteswissenschaften sind auch bei der kompetitiven Mitteleinwerbung überaus erfolgreich. Vergleicht man den Wissenschaftsfonds FWF mit den Organisationen zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung anderer Staaten, so weist er einen deutlich höheren Anteil geisteswissenschaftlicher Projekte am Gesamtbudget aus. (Schluss) sox