LETZTES UPDATE: 21.04.2016; 09:06
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 390 vom 21.04.2016

Themenfelder:
Medien
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/ORF

ORF zieht auch über das Jahr 2015 positive Bilanz

Stabiler Marktanteil, steigende Umsatzerlöse, hohe Programmqualität

Wien (PK) – Der ORF sei eines der erfolgreichsten öffentlich-rechtlichen Medienunternehmen Europas. Er habe strukturelle Herausforderungen frühzeitig gemeistert, sei stabil in schwarzen Zahlen und produziere heute mehr Programm denn je. Zudem sei es 2015 gelungen, die öffentlich-rechtliche Position weiter zu stärken. Diese uneingeschränkt positive Bilanz zieht das ORF-Direktorium im Jahresbericht 2015, den Kanzleramtsminister Josef Ostermayer vor kurzem dem Nationalrat vorgelegt hat ( III-253 d.B.). Damit schließt der Sender nahtlos an die positiven Bilanzen der vergangenen Jahre an. Laut Bericht wurden auch wieder alle Programmvorgaben wie der öffentlich-rechtliche Kernauftrag erfüllt. Für die Zukunft sieht sich der Sender gut gerüstet, man sei auf dem Weg "vom Public Service Broadcaster zum multimedialen Public Service Network".

Untermauert wird die Erfolgsbilanz mit einer Reihe von Zahlen. Demnach konnte der ORF 2015 ein – vorläufiges – positives Geschäftsergebnis von 6,6 Mio. € und ein Konzern-EGT von 15,5 Mio. € erzielen, und das trotz herausfordernder Rahmenbedingungen und der Durchführung des "Eurovison Song Contest", wie es im Bericht heißt. Die Umsatzerlöse stiegen von 912,2 Mio. € (2014) auf 931,1 Mio. € an, wobei bei den Programmentgelten (593,6 Mio. €) ein leichtes und bei den sonstigen Umsatzerlösen (116,4 Mio. €) ein deutliches Plus erzielt werden konnte. Zu letzteren zählen neben Sonderwerbeformen (Nettoerlös 36,7 Mio. €) etwa auch Erträge aus Koproduktionen und Programmverwertungen, aus der Bereitstellung technischer Einrichtungen und aus diversen kommerziellen Tätigkeiten.

Die Werbeerlöse blieben laut Bericht mit 221 Mio. € annähernd auf dem Niveau von 2014 (221,7 Mio. €), wobei einem Minus von 1,7 Mio. € bei der klassischen Radio- und TV-Werbung (gesamt: 207,5 Mio. €) ein Plus bei der Online-Werbung von 1 Mio. € (gesamt: 13,5 Mio. €) gegenübersteht. Zieht man aufgewendete Kosten ab, bleibt ein Ergebnisbetrag von rund 196,8 Mio. € bzw. 10,6 Mio. € übrig. In Bezug auf die Generalsanierung des ORF-Zentrums am Küniglberg weist der Bericht darauf hin, dass eine Anleihe mit einem Volumen von 180 Mio. € erfolgreich platziert werden konnte.

Fernsehen: Marktanteil blieb insgesamt stabil, ORF eins verzeichnete Minus

Der gemeinsame Marktanteil aller ORF-Fernsehprogramme (ORF eins, ORF 2, ORF III und ORF Sport+) wird im Bericht mit 35,3% angegeben, was im Vergleich zu 2014 einen leichten Zuwachs von 0,1% bedeutet. Allerdings gestaltete sich die Entwicklung bei den einzelnen Sender unterschiedlich, wobei insbesondere ORF eins, unter anderem wegen fehlender Sportgroßereignisse, Einbußen hinnehmen musste. Dessen Marktanteil sank in der Gruppe der Personen über 12 Jahre von 13,3% 2014 auf 11,8% 2015. Gleichzeitig konnte ORF 2 von 20,2% auf 21,4% zulegen. Mehr Zuschauer konnten auch die Spartensender ORF III und ORF Sport+ verzeichnen. Im Zweijahresabstand verloren ORF eins und ORF 2 zusammen einen Marktanteil von 0,7 Prozentpunkten (2013: 33,9%, 2015: 33,2%).

Was die Programmstruktur betrifft, dominierte in ORF eins und ORF 2 auch 2015 weiter die Unterhaltung. 49% des gesamten Programmoutputs wurden diesem Bereich zugerechnet. 22% entfielen auf den Bereich Information, 5% auf das Programmfeld Kultur und Religion, 9% auf Wissenschaft, Bildung und Lebenshilfe, 6% auf den Sport und 8% auf den Bereich Familie. Rechnet man ORF III und ORF Sport+ mit ein, kommt man bei einer Grobkategorisierung auf einen Unterhaltungsanteil von 32%, einen Sportanteil von 29%, einen Informationsanteil von 20% und einen Kulturanteil von 19%.

Der ORF sieht damit ausdrücklich den gesetzlichen Programmauftrag erfüllt, ein differenziertes Gesamtangebot in einem angemessenen Verhältnis bereitzustellen. Auch allen anderen Verpflichtungen, etwa im Hauptabendprogramm zwischen 20.00 Uhr und 22.00 Uhr in der Regel eine anspruchsvolle Sendung zur Wahl anzubieten sowie ausreichend Sendungen mit Österreich-Bezug bzw. mit europäischem Bezug auszustrahlen, ist man laut Direktorium nachgekommen. Der ORF habe seine Qualitätsführerschaft mit dem besten Programm Österreichs weiter ausbauen können, heißt es dazu zusammenfassend im Bericht.

Programmhighlights Information, Themenschwerpunkte und Landkrimis

Als Programmhighlights werden neben der verlässlichen Information über aktuelle Themen wie die griechische Schuldenkrise, die Terroranschläge in Paris, die Flüchtlingssituation und die vier Landtagswahlen unter anderem die multimedialen ORF-Themenschwerpunkte zu historischen Jubiläen (z.B. "70 Jahre Zweite Republik" und "60 Jahre Fernsehgeschichte"), der "Eurovision Song Contest" und, im Bereich Kultur, das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker genannt. Im Unterhaltungsbereich erwiesen sich die "Vorstadtweiber" und die "Landkrimis" als Publikumsmagnete. Ebenso stießen "Die große Chance der Chöre" und die Fortführung der Bundesländershow "9 Plätze – 9 Schätze" auf breites Interesse. Im Sportbereich stachen insbesondere die alpine und die nordische Ski-WM sowie die Fußball-EM-Qualifikation Österreichs hervor. Auch auf humanitäre ORF-Initiativen wie die Flüchtlingshilfe-Plattform "Helfen. Wie wir" wird im Bericht ausdrücklich verwiesen.

Unverändert fortgesetzt wurden die Kooperationen mit anderen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. So steuerte der ORF weiter Programm und Koproduktionen für 3sat, Arte und ARD-Alpha bei, wobei der Gesamtmarktanteil von 3sat in Österreich mit 1,7% angegeben wird. In Österreich, Deutschland und der Schweiz zusammen erreicht der Sender eine Reichweite von täglich rund 5,8 Millionen SeherInnen.

Auf die ORF-Landesdirektionen entfielen 2015 14,6% der dem ORF insgesamt zur Verfügung stehenden Budgetmittel (+0,3%), bezogen auf die Programmkosten lag ihr Anteil bei 18,4%. Den höchsten Marktanteil der "Bundesland heute"-Sendungen konnten Vorarlberg und Kärnten mit jeweils 65% erzielen, gesamtösterreichisch lag dieser bei 52%. Schlusslicht sind Wien (36%) und Niederösterreich (40%). Als eine der Innovationen für 2016 wird auf das "ORF-Frühfernsehen" verwiesen, das aus dem ersten mobilen Fernsehstudio des Landes gesendet wird.

Auch ORF-Radiosender konnten sich weiter behaupten

Weiter behaupten konnten sich nicht nur die ORF-Fernsehsender, sondern auch die ORF-Radiosender, wobei der Marktanteil der gesamten Radioflotte (Ö1, Ö3, FM4, Regionalradios) geringfügig von 74% auf 73% zurückging. Täglich wurden rund fünf Millionen HörerInnen erreicht. An der Spitze liegt weiter Ö3 mit einem gleichbleibenden Marktanteil von 31% bei Personen ab 10 Jahren. Die Regionalradios kamen gemeinsam auf 34% (-1%), wobei sich Radio Kärnten mit einem Marktanteil von 55% in der Kernzielgruppe Personen ab 35 Jahre als am erfolgreichsten erwies. Ö1 wurde jeden Tag von durchschnittlich 618.000 Personen gehört (Marktanteil 6%), 2014 waren es noch 680.000 gewesen. Für FM4 weist der Bericht täglich knapp 300.000 HörerInnen (Marktanteil 3%) aus.

Weitere Zuwächse für ORF.at und ORF-TVthek

Das Internet-Angebot ORF.at verzeichnete 2015 monatlich durchschnittlich rund 66 Millionen Visits. Im Vergleich zu 2014 ist das ein Plus von 10,9%, wobei neben dem März vor allem der November mit Rekordwerten glänzte. Grund dafür waren die Terroranschläge von Paris, die nicht nur viele zusätzliche BesucherInnen auf ORF.at lockten, sondern auch für einen Spitzenwert bei den Videoabrufen, etwa über die ORF-TVthek, sorgten. Im März stieß u.a. der Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine in Südfrankreich auf besonderes Interesse. Hervorgehoben werden im Bericht auch die trimediale Sonderberichterstattung zu den Landtagswahlen mit innovativen Datenvisualisierungen und Blog-Beiträgen sowie der Live-Ticker aus dem parlamentarischen Hypo-Untersuchungsausschuss. Technisch wurde das Augenmerk auf ORF.at vor allem darauf gelegt, dass das Angebot nicht nur vom PC aus, sondern auch auf Mobiltelefonen und Tablets gut nutz- und bedienbar ist.

Die ORF-TVthek konnte im Jahr 2015 monatlich rund 879.000 NutzerInnen erreichen, wobei gemeinsam mit anderen Video-Angeboten auf ORF.at-Seiten jedes Monat durchschnittlich 20,4 Mio. Videos abgerufen wurden. Absoluter Spitzenreiter im Jahr 2015 war das Sommergespräch mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache (664.185 Sichtungen), gefolgt vom Song-Contest-Finale (609.841) und der Diskussion der SpitzenkandidatInnen zur Wiener Landtagswahl (578.366). Der ORF-Teletext, der 2015 sein 35-Jahr-Jubiläum feierte, hatte rund 1,7 Millionen LeserInnen pro Woche.

11.837 untertitelte Sendestunden in ORF eins und ORF 2

Neuerlich erweitert wurde das Angebot für gehörlose und stark hörbehinderte Menschen. 11.837 Sendestunden in ORF eins und ORF 2 entsprechen einer Untertitelungsquote von 67,57%  und einer Steigerung von 1,2% gegenüber dem Vorjahr. ORF III erreichte ein Untertitelquote von 33,96%. Für blinde und stark sehbehinderte Menschen wurden 1.054 Programmstunden audiodeskribiert, das sind knapp drei Stunden tägliches TV-Programm, die sozusagen in "Hörversion" ausgestrahlt werden. Dazu gehörten auch Serienhighlights wie die "Vorstadtweiber" und internationale Filmproduktionen wie "James Bond – Skyfall". 

Eigene Kapitel im Bericht sind dem Angebot des ORF für Volksgruppen, den Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Senders im Bereich "Humanitarian Broadcasting" und den technischen Reichweiten der Radio- und Fernsehprograme gewidmet. (Schluss) gs