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Parlamentskorrespondenz Nr. 449 vom 02.05.2016

Themenfelder:
Wirtschaft
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/Energie

Stärkerer Wettbewerb am Energiemarkt bringt Vorteile für Kunden

Wirtschaftsminister Mitterlehner legt Tätigkeitsbericht 2015 der Energie-Control Austria vor

Wien (PK) – 15 Jahre nach dem Beginn der Liberalisierung des Strom- und Gasmarktes bestimmen Wettbewerb, freie Preisbildung und Transparenz mehr denn je die Energiebranche in Österreich. Zu diesem Schluss kommt der nunmehr von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner dem Parlament vorgelegte Tätigkeitsbericht 2015 der Energie-Control Austria (III-255 d.B.), der vor allem von Vorteilen für die KundInnen spricht. 140 verschiedene Strom- und 30 Gaslieferanten bieten nun eine große Auswahl, was auch die im abgelaufenen Jahr verzeichneten rund 200.000 Anbieterwechsel dokumentieren. Die Erweiterung des Angebots führte zudem auch zu einem noch nie dagewesenen Einsparungspotenzial für die VerbraucherInnen von 350 € bis 667 € pro Jahr.

Steigender Energieverbrauch bei Strom und Gas

Der Energiesektor war 2015 von wachsender Nachfrage gekennzeichnet. So hat der Gasverbrauch mit einem Plus von 7,1% erstmals seit 2013 wieder über einen längeren Zeitraum zugenommen, während der Inlandsstromkonsum im Bereich des öffentlichen Netzes um 1,9% und in der gesamten Versorgung um 1,7% gestiegen ist.  Bei der Stromaufbringung wurde vor allem im zweiten Halbjahr ein starker Rückgang der Wasserkrafterzeugung verzeichnet. Die Laufkraftwerke produzierten insgesamt um 9,5% und die Speicherkraftwerke um 8,0% weniger als im Vorjahr. Dem stand eine Zunahme der Erzeugung von Wärmekraftwerken (+21,7%) gegenüber. Die Einspeisung aus Windkraft stieg - vor allem infolge von Neuinbetriebnahmen – sogar um 29,8%. Gegenüber dem Ausland wiederum erhöhten sich sowohl die Exporte als auch die Importe stark, was zu einer Steigerung des Austauschsaldos um 8,4% führte.

Großer Zuwachs bei Windkraft

Beim Ökostrom kam es im Berichtszeitraum sowohl zu einem Anstieg der geförderten Strommenge als auch zu einem Zuwachs gemessen am gesamten Energieverbrauch. So erhöhte sich der Ökostromanteil von 12,6% auf 14,5%, die Erzeugung von gefördertem Ökostrom konnte um 14,8% zulegen. Die größten Zuwächse verbuchte dabei die Windkraft, gefolgt von der Kleinwasserkraft und der Photovoltaik.

Ökostrompauschale treibt Strompreise in die Höhe

Nach wie vor keine Erholung gibt es für die Haushalte bei den Stromkosten. Anfang 2015 ist der Strom-Verbraucherpreisindex, der neben dem Energiepreis auch die Netznutzungskosten sowie Steuern und Abgaben berücksichtigt, wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren gestiegen und erreichte mit 136,7 Punkten einen neuen Höchststand seit der Marktliberalisierung. Der Bericht führt diese Steigerung vor allem auf die Änderung der Ökostromkosten zurück. Hier wurden die verbrauchsbezogenen Komponenten zwar geringfügig gesenkt, die Ökostrompauschale hingegen stark angehoben. Für einen Musterhaushalt bedeutet dies eine Erhöhung der Ökostromkosten von 68 € auf 86 € pro Jahr. Die Stromnutzungsentgelte stiegen demgegenüber österreichweit nur um 0,27%, wobei es regionale Unterschiede gibt. Mit 5,3% verzeichneten Haushalte in Klagenfurt den höchsten Anstieg, während es in Linz zu einer Preissenkung von 8% kam.

Entspannung brachten die Energiepreissenkungen einiger Anbieter. So haben 48 Stromlieferanten ihre Preise zwischen 2% und 20% reduziert, was für einen Musterhaushalt eine Ersparnis gegenüber dem Vorjahr von bis zu 65 € brutto ausmachen kann. Insgesamt hat sich der Energiepreis für Endverbraucher um 4% reduziert, wobei die Terminmarktpreise um 15% gesunken sind. Somit konnte die Industrie, die als Großabnehmer enger und zeitnaher an die Großhandelspreise gebunden ist, stärker vom Preisverfall profitieren als die Haushalte.

Preissenkung für Haushalte bei Erdgas

Die Gaspreise für Haushalte sind hingegen bedingt durch Preisreduktionen bei den Lieferanten im Jahr 2015 gesunken. Im bundesweiten Durchschnitt gingen die Systemnutzungsentgelte nur unwesentlich um 0,42% zurück, wobei aber einzeln betrachtet starke Unterschiede nach Netzbereichen zu beobachten waren. Haushalte in Klagenfurt etwa verzeichneten mit 6,22% den höchsten Anstieg, niederösterreichische Haushalte mit 3% die stärkste Preissenkung. Seit Jahresbeginn haben insgesamt neun Anbieter ihre Gaspreise für Haushaltskunden zwischen 3% und 10% gesenkt. Der Endkundenpreis für regionale Lieferanten ist dadurch im Vergleich zum vergangenen Jahr um 5% niedriger. Dagegen sind die Industriepreise, die den Importerdgaspreisen folgen, in der ersten Hälfte des Jahres 2015 im Durchschnitt um 3% gestiegen. Trotz der einzelnen Preisreduktionen befinden sich die Gaspreise der angestammten Lieferanten noch immer auf einem hohen Niveau, gibt der Bericht allerdings zu bedenken. Bei einem Anbieterwechsel kann daher das Einsparungspotenzial sehr hoch ausfallen. 

200.000 KundInnen wechselten 2015 ihren Anbieter

Gerade durch die Erweiterung des Angebots im Zuge der Liberalisierung ist das Einsparungspotenzial beim Wechsel vom angestammten Lieferanten zum Bestbieter in den letzten fünf Jahren stark gestiegen. Seit 2012 hat sich die Ersparnis sowohl beim Stromlieferanten- als auch beim Gaslieferantenwechsel verdoppelt, sodass sich ein Musterhaushalt beim Umstieg auf einen neuen Anbieter zwischen 350 € in Tirol und 667 € in Klagenfurt ersparen kann – die höchsten Einsparungen seit der Marktliberalisierung. So wechselten auch 2015 knapp 200.000 KundInnen ihre Lieferanten, 152.000 bei Strom und über 46.000 bei Gas. Dies entspricht einer Gesamtwechselrate von 2,5% bei Strom und 3,4% bei Erdgas. (Schluss) hof