LETZTES UPDATE: 25.05.2016; 16:45
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Parlamentskorrespondenz Nr. 567 vom 25.05.2016

Themenfelder:
Bildung/Soziales
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/Mitterlehner

Die soziale Lage der Studierenden im Jahr 2015

Wissenschaftsministerium legt Zusammenfassung einer umfangreichen IHS-Studie vor

Wien (PK) - Im Sommersemester 2015 hat das Institut für Höhere Studien erneut eine umfangreiche Sozialerhebung unter den österreichischen Studierenden durchgeführt. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, die in mehreren Teilbänden publiziert wird, findet sich im Bericht des Wissenschaftsministeriums unter dem Titel "Materialien zur sozialen Lage der Studierenden 2016" ( III-265 d.B.). Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner sieht diese Ergebnisse als eine wichtigen Teil der Analyse des Status Quo und als Grundlage für weitere studierendenbezogene und hochschulpolitische Maßnahmen. Sie sollen auch in die "Nationale Strategie zur sozialen Dimension in der Hochschulbildung – für einen integrativeren Zugang und eine breitere Teilhabe", die bis Ende 2016 unter Einbindung aller Akteure und verantwortlichen Institutionen erarbeitet werden soll, einfließen.

Die Studierenden-Sozialerhebung 2015 bestätigt die zunehmende Heterogenität der StudentInnen. Sie zeigt, wie sich spezifische Anforderungen des Studienangebote mit persönlichen Lebens- und Rahmenbedingungen der Studierenden, etwa zunehmende studienbegleitende Erwerbstätigkeit, Finanzierung einer eigenen Wohnung, Elternschaft u.a. überlagern und welche Auswirkungen das auf den Studienfortschritt hat. Mitterlehner sieht die Hochschulen nicht nur gefordert, ihr Studienangebot fachlich permanent weiterzuentwickeln. Wichtig sei es auch, dessen Vereinbarkeit mit Beruf und Familien zu verbessern.

Auch der Bund müsse seine Unterstützungsmaßnahmen kontinuierlich analysieren und diese dabei im Kontext der finanziellen Möglichkeiten adaptieren. Direkte und indirekte Förderungen der Studierenden sollen den notwendigen sozialen Ausgleich befördern, hervorragende Leistungen honorieren und erschwerende Begleitumstände im Studium abmildern.

Im Sommersemester 2015 studierten etwas mehr als 300.000 ordentliche Studierende (ohne Doktorats- und Incoming-Mobilitätsstudierende) an österreichischen Hochschulen, davon 236.000 an öffentlichen Universitäten (78%), 42.300 an Fachhochschulen (14%), 15.200 an Pädagogischen Hochschulen (5%) und 7.200 an Privatuniversitäten (2%). In den letzten zehn Jahren erhöhte sich die Gesamtzahl um mehr als 100.000 Studierende.

An der Erhebung des IHS haben 2015 über 47.000 Studierende an Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und erstmals auch Privatuniversitäten teilgenommen und mehr als 100 Fragen zu verschiedensten Lebensbereichen beantwortet. Der Bericht behandelt die klassischen Themen der sozialen Lage der Studierenden, nämlich Finanzierung des Studiums, Studienförderung, Wohnen, studienbegleitende Erwerbstätigkeit, gesundheitliche Beschwerden, Hochschulzugang nach sozialer Herkunft und andere. Bundesminister Mitterlehner kündigt auch Zusatzberichte zu weiteren Themen der Befragung an, wie internationale Mobilität, internationale Studierende, Studierende mit Kind, Studiensituation, DoktorandInnen sowie zur Situation von Studierenden mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Signifikante finanzielle Schwierigkeiten bei einem Viertel der Studierenden

Etwa 9% der Studierenden geben an, derzeit sehr stark von finanziellen Schwierigkeiten betroffen zu sein, weitere 17% sind stark betroffen, und 24% zumindest teilweise. Insgesamt geben also rund 26% der österreichischen Studierenden an, von finanziellen Schwierigkeiten stark bzw. sehr stark betroffen zu sein. Im Vergleich mit anderen Staaten im Europäischen Hochschulraum liegt der Anteil von Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten im Mittelfeld, wird im Bericht festgehalten. Verglichen mit 2011 sei der Anteil der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten im Schnitt um 2%-Punkte zurückgegangen, wobei dieser Rückgang vor allem bei den unter 26-Jährigen zu beobachten war. Auch lagen die durchschnittlichen Kosten der Studierenden im Sommersemester inflationsbereinigt unter denen des Sommersemesters 2011, nur die Wohnkosten sind im Durchschnitt in diesem Zeitraum um 2% gestiegen.

Aufgeschlüsselt nach Alter zeigt die Erhebung einen stetigen Anstieg des Anteils von Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten bis zur Gruppe der 28-Jährigen. 38% von diesen geben finanzielle Schwierigkeiten an. Danach geht der Anteil der Personen mit finanziellen Schwierigkeiten wieder zurück. Bei über 26-Jährigen liegt der Anteil mit finanziellen Schwierigkeiten in jeder Alterskategorie aber bei mindestens 30%.

Die soziale Herkunft hat einen erkennbaren Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob sich StudentInnen mit finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert sehen, stellt der Bericht fest. So ist im Mittel die Betroffenheit von finanziellen Schwierigkeiten unter Studierenden aus niedriger Schicht beinahe doppelt so hoch wie bei jenen aus hoher Schicht (29% davon sind stark oder sehr stark von finanziellen Problemen betroffen, gegenüber 16% der zweiten Kategorie). Der Zusammenhang von sozialer Herkunft und finanziellen Schwierigkeiten ist dabei unter jüngeren Studierenden deutlich stärker.

Einige Subgruppen von Studierenden sind besonders stark von finanziellen Schwierigkeiten betroffen. So sehen sich 48% der internationalen Studierenden, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, als davon betroffen. Bei BildungsinländerInnen mit Migrationshintergrund der ersten Generation sind es 36%, bei jenen der zweiten Generation 37%. Studierende mit Kindern, welche erhöhten Betreuungsbedarf haben, sowie Alleinerziehende sind zu 32% bzw. 47% betroffen, Studierende mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, welche sich studienerschwerend auswirken zu 41%. Bei BezieherInnen eines SelbsterhalterInnen- oder Studienabschluss-Stipendiums gaben 33% bzw. 38% an, starke Schwierigkeiten finanzieller Natur zu haben, bei Studierende an Kunstuniversitäten 41%. Signifikant hoch ist die Zahl auch bei Studierenden, welche bei Erstzulassung zwischen 26 und 30 Jahre alt waren (39%) und bei Studierende, die in Studierendenheimen leben (29%).

Vielfältige Ursachen finanzieller Schwierigkeiten von Studierenden

Als häufigster Grund der Finanzprobleme wurde von 52% der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten angegeben, dass die Eltern sie nicht stärker unterstützen könnten (umgerechnet 13% aller Studierenden). Zu unterscheiden ist davon die Zahl jener, deren Eltern sie nicht im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen – dieser Grund wurde von lediglich 14% derjenigen mit finanziellen Schwierigkeiten angegeben bzw. von 3,6% aller Studierenden.

Ein Drittel der Studierenden mit starken oder sehr starken finanziellen Schwierigkeiten geriet durch eine mangelnde oder nicht ausreichend lukrative Erwerbstätigkeit in diese Situation. Ein weiteres knappes Drittel führt seine finanziellen Schwierigkeiten auf ungeplante hohe Ausgaben, und ebenso knapp ein Drittel auf das Auslaufen der Familienbeihilfe zurück. Insgesamt setzen rund 36% der Studierenden mit finanziellen Problemen (bzw. 9% aller Studierenden) ihre Schwierigkeiten zum Wegfall staatlicher Transferleistungen in Bezug. Für mehr als ein Viertel der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten resultieren diese Probleme außerdem aus hohen Kosten für das Studium. Weitere Faktoren sind gesundheitliche Gründe, hohe Ausgaben für ein Auslandssemester sowie fehlende oder nicht erhaltene Alimentationszahlungen für die eigene Person oder Kinder. Für einen Teil der BildungsausländerInnen, die auf eine Arbeitserlaubnis angewiesen sind, ist der Entfall bzw. die Begrenzung der Erwerbstätigkeit während des Studiums aufgrund der mangelnden Arbeitserlaubnis ebenfalls eine Quelle finanzieller Probleme. 22% aller BildungsausländerInnen mit finanziellen Problemen führten ihre Schwierigkeiten darauf zurück. (Schluss) sox