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Parlamentskorrespondenz Nr. 987 vom 25.09.2016

Themenfelder:
Außenpolitik
Format:
Parlament international
Stichworte:
Parlament/Besuch/Bures/Israel

NR-Präsidentin in Israel: Bures besucht Haus der Ghettokämpfer und Center for Humanistic Education in Akko

Gespräche mit österreichischen Überlebenden der Shoah in Jerusalem

Wien/Akko/Jerusalem (PK) – Mit dem Besuch des bekannten Museums "Haus der Ghettokämpfer" (Beit Lochamei haGeta’ot) im nördlich der historischen Hafenstadt Akko gelegenen Kibbutz Lochamei haGeta'ot setzte heute Nationalratspräsidentin Doris Bures ihren offiziellen Aufenthalt in Israel fort. Das Museum widmet sich vor allem der Erinnerung an den organisierten Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Im "Center for Humanistic Education", das mit dem Museum eng zusammenarbeitet, führte Bures ein Gespräch mit dem Direktor der Bildungseinrichtung, dem Historiker Yariv Lapid. Lapid leitete von 2007 bis 2013 den Aufbau der Vermittlungsabteilung an der Gedenkstätte Mauthausen und war dort maßgeblich für die Entwicklung eines neuen, am Dialog mit den BesucherInnen orientierten Konzepts tätig.

Die Nationalratspräsidentin zeigte vor allem Interesse für die Programme des Instituts, die sich an Jugendliche aus allen Bevölkerungsgruppen Israels richten. Das Bildungszentrum widmet sich neuen Zugängen in der Vermittlung von zeitgeschichtlichem Wissen zur Shoah und will damit das Demokratieverständnis und den Einsatz für Menschenrechte fördern.

"Die jungen Menschen von heute haben die Zukunft in der Hand. Sie entscheiden, ob ein friedliches Zusammenleben möglich ist", betonte Bures die Notwendigkeit, Zeitgeschichte den Jugendlichen in einer sie ansprechenden Form nahe zu bringen. "Nur so kann auch vermittelt werden, dass Respekt vor dem anderen, Toleranz und soziale Verantwortung wichtige Grundlagen der Demokratie sind".

Nationalratspräsidentin trifft österreichische Überlebende der Shoah

In ihrer Eigenschaft als Kuratoriumsvorsitzende des Nationalfonds folgte die Nationalratspräsidentin der Einladung von Gideon Eckhaus, Präsident der Organisation "Zentralkomitee der Juden aus Österreich in Israel und Vereinigung der Pensionisten aus Österreich in Israel" nach Jerusalem. Im "Österreichischen Club" hatte Bures die Gelegenheit, mit Überlebenden der Shoah und ihren Nachkommen persönliche Gespräche zu führen.

Dabei unterstrich sie die Bedeutung des Nationalfonds als Ausdruck dafür, dass Österreich nach Jahrzehnten des Schweigens endlich tätig wurde und sich zu seiner historischen Verantwortung  bekannte und bekennt. Die Arbeit des Fonds hat, so Bures, aber auch einen wesentlichen Beitrag zum Wandel des historischen Bewusstseins in Österreich beigetragen. "Dass im Laufe der Jahre so viele Menschen – fast 30.000 – die ausgestreckte Hand angenommen haben, ist nicht selbstverständlich und zeugt von menschlicher Größe", bedankte sich die Nationalratspräsidentin bei den Überlebenden. "Es bleibt weiterhin unsere Aufgabe, an der Brücke zu den ehemaligen Österreichern und Österreicherinnen und deren Nachkommen zu bauen. Wir wollen persönliche Kontakte pflegen, sie unterstützen, wo es möglich ist, egal ob sie hier leben oder anderswo auf der Welt."

Die Nationalratspräsidentin versicherte den Anwesenden, dass ihr Vertrauen in das Österreich von heute auch künftig nicht enttäuscht werde: "Ihr Schicksal und das Ihrer Familien sind und werden nicht vergessen. Jede und jeder von Ihnen ist, auch wenn Sie heute hier in Israel leben, ein wichtiger Teil Österreichs und seiner Geschichte."

60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Österreich und Israel

Vor 60 Jahren nahmen Österreich und Israel diplomatische Beziehungen auf. Das seit 1950 bestehende österreichische Konsulat in Tel Aviv wurde im März 1956 in eine Gesandtschaft umgewandelt, womit die formellen diplomatischen Beziehungen aufgenommen wurden. 1959 wurde eine Botschaft eingerichtet, die Akkreditierung des ersten österreichischen Botschafters Dr. Luegmayer fand am 3. September 1959 statt. Der Besuch der Nationalratspräsidentin stellt den Höhepunkt des Besuchsaustauschs im 60. Jahr der bilateralen Beziehungen dar. (Schluss) red

HINWEIS: Fotos von diesem Besuch finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV.