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Parlamentskorrespondenz Nr. 1020 vom 04.10.2016

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Bures/Literatur

Literatur im Hohen Haus: historischer Leseabend mit parlamentarischen Reden und Texten

KünstlerInnen trugen Werke aus drei Jahrhunderten vor – darunter Stücke von Heinrich Heine, Mark Twain und Roger Willemsen

Wien (PK) – Das österreichische Parlament und der Parlamentarismus an sich waren im Lauf ihrer Geschichte schon vielfach Ausgangspunkt für sprachliche und literarische Höchstleistungen. Gestern Abend hat im Abgeordneten-Sprechzimmer des Hohen Hauses eine Veranstaltung im Rahmen von Österreichs größtem Literaturfestival "Österreich liest" stattgefunden, die sich dieser mitunter äußerst künstlerischen Beziehung zwischen Parlamentarismus und gesprochenem und geschriebenem Wort gewidmet hat.

Der sehr gut besuchte Leseabend streifte denn auch parlamentarische Texte aus drei Jahrhunderten und stand unter dem Motto: "Debatten, die Geschichte machten. Reden, die bewegten." Die Schauspielerin Nicole Beutler und der Dramaturg Hermann Beil lasen in diesem Sinn aus Stenographischen Protokollen und Reportagen aus europäischen Parlamenten, neben dem österreichischen etwa auch aus dem britischen und dem deutschen.

Nationalratspräsidentin Doris Bures sagte in ihren Begrüßungsworten: "Parlamente sind das Herz einer jeden Demokratie. Sie sind die Arena für den Wettstreit unterschiedlichster Weltanschauungen und der besten Ideen, wenn es darum geht, das Regelwerk unserer Gesellschaften festzulegen. Dass es dabei oft zu energischen und leidenschaftlichen Debatten kommt, liegt in der Natur der Sache."

Mit ihren Worten nahm die Nationalratspräsidentin den Tenor der folgenden Beiträge bereits vorweg. So schrieb Heinrich Heine 1827 in seinen "Englischen Fragmenten", das "englische Parlament biete ein heiteres Schauspiel des unbefangensten Witzes und der witzigsten Unbefangenheit". Mark Twain sah im Wien der letzten Tage des Jahres 1897 eine "Aufregung, die das Blut in Wallung versetzt und einem kaum noch Ruhe gönnt". Und die erste Abgeordnete im österreichischen Parlament, Adelheit Popp, sprach am 3. April 1919 über einen Gesetzesantrag betreffend "die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter und Damenorden und gewisser Titel und Würden (…), weil in den Herzen und Gehirnen der Bevölkerung die Ehrfurcht, die ersterbende Ehrfurcht vor allem, was den Adelsnamen trägt, großgezogen und vererbt ist durch Jahrhunderte".

Beendet wurde der Abend damit, dass Beutler und Beil Passagen aus dem stenographischen Protokoll der Nationalratssitzung vom 11. November 1994 vortrugen, damals wurde im Plenum über den EU- Beitrittsvertrag debattiert. Ganz zum Schluss wurden noch Auszüge aus Roger Willemsens Buch "Das Hohe Haus" gelesen; der im vergangenen Februar verstorbene Autor, der 2014 auch zu Gast im österreichischen Parlament war, schildert darin seine Beobachtungen über das Geschehen im Bundestag in Berlin. (Schluss) red

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV.