LETZTES UPDATE: 08.06.2017; 15:56
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 687 vom 08.06.2017

Themenfelder:
Wirtschaft
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Bericht/Energie-Control

Weitere Zunahme des Wettbewerbs auf dem Strom- und Gasmarkt

Wirtschaftsministerium legt Tätigkeitsbericht der Energie-Control vor

Wien (PK) – Der Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt hat auch 2016 weiter zugenommen. Wie aus dem aktuellen Tätigkeitsbericht der Energie-Control Austria (III-404 d.B.) hervorgeht, wurde mit mehr als 205.000 Strom- und Gaswechslern im vorangegangenen Jahr einer der höchsten Werte seit Beginn der Liberalisierung erreicht. 150 verschiedene Stromlieferanten und rund 40 Gaslieferanten zeigen zudem auch, dass die Auswahl für die Kunden größer geworden ist. Die Steigerung des Anteils an gefördertem Ökostrom am gesamten Stromendverbrauch ist eine weiter Kernaussage des Berichts. Erhöhungen der Ökostromförderkosten und der Netznutzungskosten wiederum haben wie bereits in den letzten Jahren zu Kostensteigerungen für die Haushalte geführt.

Stromverbrauch weiterhin konstant hoch

Was die Mengenentwicklung betrifft, wurde in den ersten drei Quartalen 2016 mit insgesamt 51,5 TWh etwa gleich viel elektrische Energie verbraucht wie im Vergleichszeitraum des Jahres 2015, der Verbrauchszuwachs im Inland betrug 0,1%. Dies ist nach einem bereits sehr hohen Verbrauch im vorangegangenen Jahr der höchste bisher in den ersten neun Monaten eines Jahres gemessene Stromverbrauch. Zu den einzelnen Energieträgern vermerkt der Bericht, dass nach einer vergleichsweise sehr niedrigen Stromerzeugung der Wasserkraftwerke 2015 nun in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 wieder um 6,2% mehr Strom aus Wasserkraft erzeugt wurde, wobei allerdings die Produktion der Speicherkraftwerke um 2,6% zurückging. Die Erzeugung der Wärmekraftwerke wiederum sank um 2,4%, was vor allem auf die Erzeugung der kohlebefeuerten Kraftwerke (-7,9%) zurückzuführen ist. Die Stromimporte schließlich verringerten sich um 8,0%, während die Stromexporte gleichzeitig um 2,8% anstiegen.

Nicht zuletzt auch aufgrund des stärkeren Einsatzes der gasbefeuerten Kraftwerke stieg die Gasabgabe an Endkunden in den ersten drei Quartalen 2016 um 0,4% gegenüber dem vorangegangenen Jahr. Dennoch ist, wie der Bericht zu bedenken gibt, die wirtschaftliche Situation für Gaskraftwerke, insbesondere wegen des niedrigen Strom- und Kohlepreisniveaus, weiterhin angespannt. Deshalb sind Gaskraftwerke auch nicht mehr im gleichen Ausmaß wie in den vergangenen Jahren im Einsatz. Bei den Erdgasspeichern war bedingt durch eine Erhöhung der Importe jedenfalls eine deutliche Steigerung der Befüllung zu verzeichnen.

Ökostrom im Aufwind

Beim Ökostrom – dem Bericht liegen hier die Zahlen aus 2015 zugrunde – kam es nicht nur zu einem Anstieg der geförderten Strommenge, es konnte auch der Anteil am gesamten Endverbrauch gesteigert werden. So stieg der Anteil des geförderten Ökostroms von 14,5% auf 15,9%. Die Erzeugung aus gefördertem Ökostrom nahm 2015 um 11,8% zu. Bei der Windkraft gab es dabei mit einem Plus von 26% den größten Zuwachs, die Steigerungen bei Photovoltaik und fester Biomasse betrugen 24% bzw. 5%. Im Bereich der Kleinwasserkraft kam es nach einem starken Anstieg im Jahr 2014 trotz gesteigerter kontrahierter Leistung 2015 zu einem Rückgang, und zwar von 1.703 GWh auf 1.519 GWh. Dem gegenüber erreichten die rohstoffabhängigen Technologien mit einer Stromerzeugung von 2.602 GWh einen neuen Höchststand.  

Leicht höhere Stromgesamtkosten für Haushalte durch Anstieg bei Ökostromförderung und Netzentgelten

Zur Preisentwicklung am Endkundenmarkt stellt der Bericht fest, dass die Gesamtkosten für Haushalte 2016 wie bereits in den letzten Jahren kaum gestiegen sind. Der gewichtete Durchschnittspreis für einen Musterhaushalt stieg demnach nominal im Jänner um 3,8% auf 20,94 Cent/kWh, wobei die Kostensteigerung auf die Erhöhung der Ökostromförderkosten und der Netznutzungskosten zurückzuführen ist. So erhöhten sich die Ökostromkosten eines Musterhaushalts Anfang 2016 österreichweit von 85 €/Jahr auf 100 €/Jahr, ebenso stiegen die Netzkosten in Abhängigkeit des Netzgebiets, sodass ein Musterhaushalt 2016 in Tirol um rund 18 € netto und ein Musterhaushalt in Graz um 3 € netto mehr als im Vorjahr bezahlte.

Insgesamt gaben 2016 48 von 116 regionalen Lieferanten die Preissenkungen am Großhandelsmarkt an ihre Kunden weiter. Da Preise für Industriekunden enger und zeitnaher an Großhandelspreise gebunden sind als bei Kleinkunden, profitierte die Industrie auch mehr von den Preissenkungen. Ihre Strompreise lagen im ersten Halbjahr 2016 um 15% unter jenen des vorangegangenen Jahres und betrugen im Durchschnitt unter 4 Cent/kWh.

Bei Gas wiederum entwickelten sich die Gesamtpreise für Haushalte je nach Lieferant und Netzgebiet unterschiedlich, die Netzkosten sind Anfang 2016 allerdings in allen Netzgebieten gestiegen. Insgesamt 13 Gaslieferanten haben im Lauf des Berichtsjahres ihre Energiepreise gesenkt. Für Industriekunden sanken die Gaspreise im Jahresvergleich stark und lagen insgesamt unter 2,3 Cent/kWh.

Das Angebot an Lieferanten wird größer

Dass der Wettbewerb in jüngster Zeit stark angestiegen ist, macht ein Blick auf die Zahl der Stromanbieter deutlich. Waren im Jahr 2010 nur zwölf alternative Stromlieferanten tätig, die ihre Produkte österreichweit anboten, so waren es im November 2016 bereits je nach Region mehr als 40. Insgesamt sind heute 151 Stromlieferanten am Strommarkt zu finden, die 4,3 Mio. Haushalte und 1,4 Mio. Gewerbebetriebe und Kleinkunden beliefern. Je nach Region stehen einem angestammten Lieferanten 27 alternative Lieferanten, gegebenenfalls eine oder zwei Tochtergesellschaften der regionalen Anbieter und bis zu 15 regionale Lieferanten, die auch bundesweit anbieten, gegenüber. In Wien kann ein Haushaltskunde zwischen 95 Angeboten von mehr als 40 Anbietern wählen, in Tirol ist das Angebot im Vergleich zu Wien nur geringfügig eingeschränkt. Erhöht hat sich auch die Zahl der Gaslieferanten, was dazu führt, dass nunmehr insgesamt 40 Anbieter 1,3 Mio. Haushalts- und Kleinkunden beliefern.

Wechseln zahlt sich aus wie nie zuvor

Das Einsparpotenzial beim Wechsel vom angestammten Stromlieferanten zum Bestbieter ist im Jahr 2016 am stärksten gestiegen. So kann sich ein Haushaltskunde in Oberösterreich beim Wechsel inzwischen bis zu 320 € im Jahr (inklusive Neukundenrabatt) ersparen, bei Gas beträgt die Ersparnis etwa für einen Kunden in Klagenfurt bis zu 640 €  (inklusive Neukundenrabatt) im Jahr. Die Wechselraten sind 2016 in den drei ersten Quartalen deutlich höher ausgefallen als 2015 – bei Strom 2,6% und bei Gas 3,4%. Mehr als 205.000 Kunden haben in dieser Zeit ihren Lieferanten gewechselt, was ein Plus von 41% bedeutet. Die Intensivierung des Wettbewerbs am österreichischen Markt hat sich damit weiter fortgesetzt, lautet die Schlussfolgerung des Berichts. (Schluss) hof