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Parlamentskorrespondenz Nr. 758 vom 20.06.2017

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Veranstaltungen
Stichworte:
Parlament/Buchpräsentation/Ledl-Rossmann

Buchpräsentation: Landtagswahlkämpfe in Österreichs Bundesländern 1919 bis 1932

Bundesratspräsidentin Ledl-Rossmann präsentierte Sammelband im Parlament

Wien (PK) - "Radikale Phrase, Wahlbündnisse und Kontinuitäten - Landtagswahlkämpfe in Österreichs Bundesländern 1919 bis 1932" ist das Thema des Sammelbandes über die bisher weniger bekannten "Innenpolitiken" des Bundesländer, der heute auf Einladung von Bundesratspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann im Parlament präsentiert wurde. Analysiert werden in der Publikation anhand von neun vergleichend angelegten Einzelstudien und einer resümierenden Gesamtschau die sachlichen und ideologischen Kontroversen und die unterschiedlichen politischen Konfliktstile in Österreichs Bundesländern von 1919 bis 1932. Zudem geht es in dem Sammelband um unterschiedliche Konfliktfelder sowie verschiedene Politikstile, die gerade in Wahlen und in den davor liegenden Phasen des kritischen Wettbewerbs sichtbar werden.

Über die Konflikte und Spannungen in der Zwischenkriegszeit sei auf Bundesebene einiges erforscht, deutlich weniger wisse man über die Situation in den Bundesländern, unterstrich Bundesratspräsidentin Ledl-Rossmann in ihrer Begrüßung. Die Bundesländer seien damals wie heute Fixsysteme in Österreich. Mit dieser Publikation sei nun zu sehen, wie unterschiedlich, aber zum Teil auch übereinstimmend in den erforschten Jahren mit den Themen der Bundespolitik umgegangen wurde. Das Buch schließe eine wichtige Lücke in der Geschichte der Ersten Republik, so die Präsidentin der Länderkammer, die den Herausgebern explizit für die wichtige Initiative ihren Dank aussprach.

Grußworte übermittelte auch die Landtagspräsidentin von Salzburg, Brigitta Pallauf. Zum einen werde mit dem Sammelband vor Augen geführt, wie unterschiedlich die Bundesländer immer waren und sind, zum anderen, wie wichtig und notwendig gelebter und selbstbestimmter Föderalismus sei. Mit der Erforschung der Vergangenheit sei zudem immer auch die Frage des Lernens aus der Geschichte verknüpft. Damals wie heute werde versucht, mit Angst Politik zu machen, spannte die Salzburger Landtagspräsidentin den Bogen zur Gegenwart und zu Themen wie Propaganda und Fake News. Es liege an allen, nach der Lektüre mit Blick auf die Zukunft die richtigen und tiefen Fragen zu stellen.

Franz Schausberger, Salzburger Landeshauptmann a.D. und - zusammen mit Herbert Dachs und Michael Dippelreiter – Mitherausgeber des Sammelbandes, übernahm die Vorstellung des umfangreichen Werks, an dem insgesamt zwölf Autoren gearbeitet hatten. Er dankte seiner Vorrednerin für den Bogen zur aktuellen Situation. Bedenklich sei für ihn vor allem, wenn zentralistische Kräfte gegen die Bundesländer kampagnisieren würden. Der Föderalismus gehöre zu Österreich, habe eine wesentliche Tradition und trage maßgeblich zu Frieden und Wohlstand bei, unterstrich Schausberger, der auch auf die hohe Akzeptanz der politischen VertreterInnen seitens der WählerInnen auf Landesebene hinwies. Das Buch zeuge von der Lebendigkeit, Vielfalt und Unterschiedlichkeit dieser wichtigen demokratischen Mitgestaltungsebene der Länder. Auch in der Forschung zeige sich eine große Vielfalt. So könnten zwar die untersuchten Landtagswahlen bzw. Wahlkämpfe nicht losgelöst von der Bundesebene betrachtet werden, einheitlich verliefen diese in den Ländern aber trotzdem nicht. Festzustellen war etwa eine relativ hohe Wahlbeteiligung, was ebenso als hohe Akzeptanz interpretiert werden könne, so der Salzburger Landeshauptmann a.D.. Neben der Rolle von Medien, Plakaten, Flugblättern, Inseraten und später der Lichtbilder und des Kinos thematisierte Schausberger auch kurz die wesentliche Bedeutung von - oft auch in Zeitungen dokumentierten - Versammlungen, die eine zentrale Bedeutung hatten. Der Sammelband möge dazu beitragen, dass jene Stimmen weniger werden, die Österreich in Richtung zentralistischer Einheitsstaat bringen wollen, zeigte sich Schausberger aus seiner Forschung überzeugt von der hohen demokratiepolitischen Bedeutung der Bundesländer damals und heute. (Schluss) mbu

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV.