LETZTES UPDATE: 11.08.2017; 12:53
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Parlamentskorrespondenz Nr. 922 vom 11.08.2017

Themenfelder:
Kultur/Kunst
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/Kultur/Kunst/Drozda

Kunst- und Kulturbericht 2016: Steigende Förderungen des Bundes

Stipendienerhöhungen, mehr Atelierplätze und Strukturreform bei den Bundesmuseen

Wien (PK) - Österreich werde mit gutem Grund als Land der Kunst und Kultur bezeichnet, stellt Kulturminister Thomas Drozda in seinem Vorwort zum Kunst- und Kulturbericht für das Jahr 2016 fest ( III-418 d.B. ), welcher die Förderung des Bundes in diesem Bereich aufschlüsselt. Besonders zufrieden zeigt sich der Kulturminister damit, dass mit dem Kunst- und Kulturbudget ein klarer Fokus auf das zeitgenössische Kunstschaffen gelegt werden konnte. Im Bereich der Museen und Bundestheater sieht Drozda wichtige Weichenstellungen für Investitionen und strukturelle Reformen. Schließlich verweist der Kulturminister auf wichtige Personalentscheidungen für zentrale Kulturinstitutionen des Landes, etwa für die Galerie Belvedere, die Wiener Staatsoper und das Burgtheater, die seit 2016 getroffen wurden.

Budget für Kunst und Kultur stieg 2016 auf 422,3 Mio. €

Der Kunst- und Kulturbericht liegt heuer zum zweiten Mal als einheitlicher Bericht vor, der durchgängig der so genannten LIKUS-Systematik folgt, die auch in der Kulturstatistik der Länder zur Anwendung kommt. Die Umstellung der Systematik erfolgte im Zuge der Zusammenlegung der beiden Sektionen für Kunst und Kultur zur neuen Sektion II des Bundeskanzleramts.

Im Jahr 2016 betrugen nach diesem Bericht die Förderung und Finanzierung von Kunst und Kultur insgesamt 422,3 Mio. €, was eine Erhöhung um 2,9% gegenüber dem Vorjahr darstellt (2015: 410,3 Mio.). Der Anteil, der unter Kunstförderung verbucht wurde, belief sich dabei auf 87,8 Mio. € und verzeichnete damit nur einen geringfügigen Anstieg (2015: 87,7 Mio. €). Die Ausgaben im Bereich Kulturförderung wurden hingegen deutlich erhöht, sie beliefen sich 2016 auf 334,5 Mio. € (2015: 322,6 Mio. €). Dieser Anstieg ist vor allem auf die Erhöhung der Basisabgeltung für die Bundestheater zurückzuführen.

Erfolgreiches Jahr für Bundesmuseen

Bundesmuseen und die Österreichische Nationalbibliothek verzeichneten 2016 mehr als 5,2 Mio. BesucherInnen. Als besonders erfreulich wird im Kunst- und Kulturbericht angemerkt, dass im Berichtsjahr die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die die Museen und die Nationalbibliothek bei freiem Eintritt besucht haben, weiter gestiegen ist. Im Jahr 2016 wurde außerdem der Prozess für ein "Weißbuch Österreichische Bundesmuseen und Österreichische Nationalbibliothek" gestartet, der die Ausgangsbasis für weitere strukturelle Verbesserungen sein soll. Das letzte Jahr stand aber auch im Zeichen zahlreicher Vorarbeiten für die Wiedereröffnung des Weltmuseums Wien im Herbst 2017 und die Eröffnung des Hauses der Geschichte 2018.

Insgesamt wurden in der Kategorie "Museen, Archive, Wissenschaft" weniger Mittel budgetiert, 2016 summierten sie sich auf 107,32 Mio. € (2015: 112,63 Mio. €). Der Rückgang erklärt sich zu einem großen Teil aus dem Auslaufen des Tilgungsplans für den Kredit zur Errichtung des Museumsquartiers, mit der Bund 2016 für Museumsquartier und Leopold-Museum Privatstiftung nur mehr 7,9 Mio. € gegenüber 19 Mio. € im Jahr davor leistete. Die in der Gesamtsumme enthaltene Basisabgeltung der Bundesmuseen blieb mit 85,06 Mio. € auf etwa gleichem Niveau. Darüber hinaus erhielten die Bundesmuseen 2016 ca. 9,96 Mio. € für Investitionsvorhaben und erhöhte Aufwendungen.

Konsolidierung der Bundestheater fortgesetzt

Die Bundestheater setzten 2016 den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung erfolgreich fort. Die Mehrjahresplanungen von Burgtheater, Staatsoper, Volksoper und ART for ART sehen ausgeglichene Ergebnisse vor und als strategisches Steuerungsinstrument wurden Ziel- und Leistungsvereinbarungen abgeschlossen. Bei stabilen Besucherzahlen konnte mit 53,5 Mio. € ein historischer Höchststand bei den Karteneinnahmen erreicht werden.

Für die darstellende Kunst setzte sich der Bund 2016 mit nicht weniger als 180,98 Mio. € ein. 162,94 Mio. € gingen an die Bundestheater, wobei die Bundestheater-Holding GmbH 5,15 Mio. € erhielt, die Burgtheater Wien GmbH 48,68 Mio. €, die Volksoper Wien GmbH 44,2 Mio. € und die Wiener Staatsoper GmbH 64,9 Mio. €. Weiter 18,05 Mio. € wurden an Theaterförderung für kleinere Bühnen und Theaterprojekte vergeben.

Denkmalschutzausgaben zur Erhaltung des Bauerbes

Im Bereich des baukulturellen Erbes und Denkmalschutzes wurden insgesamt 29,8 Mio. € investiert (2015: 28,32 Mio. €). Davon entfielen ca. 24,95 Mio. € auf das Bundesdenkmalamt, das bei rund 11 Mio. € Personalaufwand und 3,53 Mio. Betriebsaufwand 10,44 Mio. € für die Erhaltung von Profan- und Sakralbauten bereitstellte. Weitere 4,57 Mio. € flossen über die Denkmalschutz Zentralstelle, 1,67 Mio. € für Restaurierungen von Profanbauten und 2,49 Mio. € für Sakralbauten. 

Literaturförderung und Bibliothekswesen

Der Bund stellt wesentliche Mittel zur Literaturförderung bereit. 2016 erhöhten sich diese auf 9,93 Mio. €. (2015: 9,5 Mio. €). 4,97 Mio. € entfielen auf die Förderung von literarischen Vereinen, Veranstaltungen und Projekten, 2,81 Mio. € auf literarische Publikationen, 1,67 Mio. € auf Stipendien und Prämien. Literaturübersetzungen wurden mit 275.700 € gefördert und 200.000 € an Preisgeldern vergeben.

Unter dem Titel "Presse" wurden 2016 außerdem insgesamt 330.607 € an Literaturzeitschriften bezahlt, für Publikationen in den Bereichen Bildende Kunst, Fotographie und Architektur wurden 504.500 € vergeben und 9.500 € für den Bereich Film und Kino. Damit betrug die Fördersumme 844.607 €, gegenüber 867.897 € im Jahr 2015.

Das Bibliothekswesen erhielt 25,52 Mio. € (2015: 25,13 Mio. €). In diesen Betrag fällt auch die Basisabgeltung für die Österreichischen Nationalbibliothek von 23,22 Mio. €, außerdem erhielt die ÖNB im Jahr 2016 47.722,57 € für das Sonderprojekt Haus der Geschichte Österreich. 1,85 Mio. € gingen an den Büchereiverband Österreichs.

Musikförderungen sind wesentlicher Teil des Kulturbudgets

Die Förderungen der Musik blieben mit ca. 8,25 Mio. € etwa gleich (2015: 8,1 Mio. €). Diese Mittel teilten sich in die Musikförderung (Jahresprogramme, Projekte, Förderung von Einzelpersonen bzw. Stipendien, Prämien und Preise) von ca. 6,88 Mio. € und in 1,37 Mio. € für die Hofmusikkapelle.

Das waren aber nicht die einzigen Förderungen für Musik, da ein signifikanter Teil des Kulturbudgets in die Förderung von Festspielen und Großveranstaltungen fließt. Hierfür stellte der Bund 2016 ca. 14,14 Mio. € bereit (2015: 15,15 Mio. €), davon allein 12,84 Mio. € in den Bereichen Musik und Darstellende Kunst. Für Veranstaltungen im Bereich Film, Kino, Video- und Medienkunst (Ars Electronica Linz, Crossing Europe, Diagonale, Viennale) wurden 665.000 Mio. € an Bundesmitteln bereitgestellt. Kulturinitiativen erhielten weitere 635.000 €.

Für eine breite Palette an Kulturinitiativen wurden 2016 außerdem weitere 5,15 Mio. € zur Verfügung gestellt. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Jahr davor, in dem es rund 4,5 Mio. € waren. 4,85 Mio. € gingen dabei an Vereine, 245.000 € an Einzelpersonen und 52.000 wurden für Preise und Prämien aufgewendet. Ebenso gab es Förderung in den Sparten Film, Kino, Video- und Medienkunst, die sich auf 26,38 Mio. € summierten. Das Österreichische Filminstitut erhielt davon, wie im Jahr davor, für seine Tätigkeit 20 Mio. €. Rund 2,89 Mio. € gingen an weitere Filminstitutionen, 456.000 € an Förderungen an Programmkinos. Für den innovativen Film gab es 2,38 Mio. €. Für Vereine und Initiativen im Bereich Heimat- und Brauchtumspflege vergab der Bund 2016 insgesamt 499.730 €.

Das Bundesbudget für bildende Kunst und Fotografie betrug 2016 9,8 Mio. € (2015: 8,98 Mio. €). 4,19 Mio. € entfielen auf die bildende Kunst, 2,27 Mio. € auf Architektur und Design, 959.698 auf Förderung von Fotographie, 412.400 auf Mode sowie 672.315,69 € auf Ankäufe und 1,3 Mio. € auf Bundesausstellungen und –projekte.

Verbesserungen bei Stipendien und Preisen und Gender-Gerechtigkeit

Zur Unterstützung für KünstlerInnen zählt auch die Förderung des internationalen Kulturaustausches, für den es 2016 rund 2,25 Mio. € an Förderungen gab. 2015 waren es 2,04 Mio. € gewesen. Um den Austausch von Kunstschaffenden über alle Grenzen hinweg zu fördern, vergibt der Bund über das Auslandsatelierprogramm siebzehn Atelierplätze in zwölf Ländern an rund 50 Stipendiaten. Rund 800 heimische Künstlerinnen und Künstler konnten seit den 1970er Jahren in einem dieser Ateliers leben und arbeiten. Der Bund wandte 2016 auch wieder, wie im Jahr davor, rund 1,57 Mio. € für soziale Unterstützung von KünstlerInnen auf. Davon gingen 1,2 Mio. € an die Literarmechana und den Sozialfonds für SchriftstellerInnen.

Eine wichtige Maßnahme zur Absicherung von KünstlerInnen war es, 2016 die Dotation aller Stipendien und Preise zu erhöhen. Stipendien wurden um 200 € pro Monat angehoben, die der Alleinerzieherstipendien um 400 €. Erstmals wurden zwei Hans-Hollein-Projektstipendien im Bereich Architektur und Design und Arbeitsstipendien für Film und Reisekostenzuschüsse für österreichische Komponistinnen und Komponisten, deren Werke im Ausland zur Aufführung gelangen, vergeben. Neu sind auch der Hans-Hollein-Kunstpreis für Architektur, der Outstanding Artist Award für experimentelles Modedesign, der Österreichische Buchpreis und der Österreichische Buchhandlungspreis. Zudem wurde ein Förderungsprogramm für den Neuen Zirkus initiiert und der spartenübergreifende Call zum Thema "zusammen:wachsen - Kunst und Integration" sowie eine Ausschreibung zum Inklusiven Museum umgesetzt.

Wenig Veränderungen gab es in der Vergabe der Kunstfördermittel nach Geschlechtern, die seit 2007 ausgewiesen wird. Demnach flossen wie in den beiden Vorjahren 51% der Stipendien und Projektförderungen an männliche Künstler, 49% an Künstlerinnen. Betrachtet man die Summe der ausgezahlten Beträge, so ist das Verhältnis etwas weniger ausgeglichen, 53% der Mittel gingen an Männer, 47% an Frauen. Allerdings hat sich im letzten Jahrzehnt eine Verbesserung ergeben, denn zu Beginn der Auswertung 2007 waren noch 57% der Stipendien Männern zugutegekommen. Besonders hoch ist der Frauenanteil etwa in den Sparten Fotografie, wo 82 von 140 Förderungen an Frauen gingen und in der Mode, wo es 14 von 18 waren. Männer sind hingegen besonders stark im Bereich der Musik vertreten, auf sie entfielen 90 von 133 Finanzierungen. Ein Unterschied für die Geschlechter zeigt sich nach wie vor bei den durchschnittlichen Förderbeträgen, sie beliefen sich spartenübergreifend auf 5.058 € für Frauen sowie 5.446 € für Männer. (Schluss) sox