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Parlamentskorrespondenz Nr. 930 vom 23.08.2017

Themenfelder:
Parlament allgemein
Format:
Vermischtes
Stichworte:
Parlament/Bures/Kaiserbehang

Originalbehänge der Loge von Kaiser Franz Joseph I. im Zuge der Sanierung im Parlament entdeckt

NR-Präsidentin Doris Bures: Freue mich sehr, dass die bedeutenden Kunstobjekte in gutem Zustand sind

Wien (PK) – Die Räumung des Parlaments im Zuge der Sanierungsarbeiten hat Überraschendes aus der Geschichte des Hohen Hauses zutage gebracht. So entdeckte Anton Habrich, ein Mitarbeiter des Bau- und Gebäudemanagements des Hauses, bei der Räumung eines Kellerraums des Parlaments ein Stoffbündel von offenbar beträchtlichem Alter. Beim Ausrollen zeigte sich, dass es sich um zwei bestickte Samtbehänge handelt, deren Existenz im Laufe der wechselhaften Geschichte des Hauses völlig in Vergessenheit geraten war.

"Ich freue mich sehr, dass die Kunstobjekte in erstaunlich gutem Zustand sind", so Nationalratspräsidentin Doris Bures. Die Samtbehänge sind nahezu ident und zeigen das Wappen von Kaiser Franz Joseph I.; nach einer hausinternen Recherche konnten sie als Teile der originalen Ausschmückung der Sitzungssäle des Abgeordnetenhauses bzw. des Herrenhauses aus dem Jahr 1883 identifiziert werden.

Nationalratspräsidentin Doris Bures und MitarbeiterInnen des Hauses hatten Gelegenheit, eines der bemerkenswerten historischen Objekte im Historischen Sitzungssaal des Parlaments näher in Augenschein zu nehmen. Für diesen Raum, das ehemalige Abgeordnetenhaus, war das Kaiserwappen ursprünglich vorgesehen.

Die wertvollen Textilien weisen keine Beeinträchtigungen durch Schädlinge oder Feuchtigkeit auf, zeigen aber eindeutige Gebrauchsspuren und kleine Beschädigungen und müssen fachkundig restauriert werden. Nach ihrer Restaurierung sollen diese Zeugnisse der österreichischen Vergangenheit zu besonderen Anlässen der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ausstattung für die vom Kaiser nie benützte Kaiserloge

Die Samtbehänge sind in den Farben Schwarz, Rot und Gold gehalten. In ihrer kunsthistorischen Bewertung und Einordnung der Funde ist die ganz eigenständige künstlerische Gestaltung des Kaiserwappens hervorzuheben. Insbesondere die antikisierende Gestaltung der Greife sowie dekorative Elemente der das Wappen flankierende Seitenstücke tragen ganz deutlich die Handschrift von Theophil Hansen. Die Formsprache knüpft an dekorative Elemente an, die der Architekt auch in anderen Teilen des Hauses verwendet hat. Das Erscheinungsbild des Wappens erklärt sich dabei nicht nur aus dem Bemühen Hansens, das Parlamentsgebäude einem einheitlichen Gesamtkonzept zu unterwerfen. Die Einbettung kaiserlicher Darstellungen in einen hellenistischen Deutungszusammenhang ist ein für Hansen typischer Kunstgriff, mit der er Monarchie und Demokratie symbolisch zu vereinen versuchte. Franz Joseph  I. betrat das Haus am Ring insgesamt nur zweimal, bei der Gleichenfeier und nach der Fertigstellung des Baus; er benützte aber die Kaiserloge bzw. den so genannten Kaisersalon nie.

Die beiden fast identen Behänge bestehen jeweils aus einem großen Mittelfeld mit dem Wappen von Franz Joseph I. und zwei kleinen Seitenfeldern. Diese sind mit Rankenwerk und Putti geschmückt, die deutliche stilistische Parallelen zu Wanddekorationen im Parlament aufweisen. Nicht nur aufgrund des Stils lassen sich die Behänge zeitlich einordnen. Auf historischen Bilddokumenten ist einer der Behänge an der Brüstung der Kaiserloge des Abgeordnetenhauses eindeutig identifizierbar. Der zweite Behang war Teil der Ausstattung des Kaisersalons. (Schluss) sox

HINWEIS: Fotos zum Fund im Parlament finden Sie auf der Website des Parlaments unter www.parlament.gv.at/SERV/FOTO/ARCHIV.