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Parlamentskorrespondenz Nr. 118 vom 19.02.2018

Themenfelder:
Bildung
Format:
Parlamentarische Materialien
Stichworte:
Nationalrat/Berichte/Universitäten/Faßmann

Universitätsbericht 2017: Mehr Studierende und mehr Personal an öffentlichen Universitäten

Zahlen und Fakten zur Entwicklung der Universitäten und des Hochschulsystems in den Jahren 2014-2017

Wien (PK) – Zum fünften Mal hat das Wissenschaftsministerium dem Nationalrat den im Dreijahresrhythmus erscheinenden Universitätsbericht vorgelegt. In zehn umfangreichen Kapiteln gibt der Universitätsbericht 2017, den Wissenschaftsminister Heinz Faßmann dem Nationalrat vorgelegt hat, Auskunft über relevante Entwicklungen an den öffentlichen Universitäten in Österreich im Zeitraum von 2014 bis 2017 und zeichnet ein Bild ihrer künftigen Ausrichtung ( III-91 d.B.). Neben Fragen der Universitätsfinanzierung geht der Bericht besonders auch auf Themen wie Nachwuchsförderung, Entwicklung der Personalstruktur und die soziale Lage der Studierenden ein.

Die öffentlichen Universitäten haben nach wie vor eine dominierende Stellung im Hochschulbereich, heißt es in der Einleitung zum Bericht. Gleichzeitig gibt es vielfache Interdependenzen und Interaktionen mit seinen anderen Sektoren, also Fachhochschulen, Pädagogischen Universitäten und Privatuniversitäten. Der Hochschulbericht ist daher um eine übergreifende Perspektive bei der Darstellung der Entwicklungen im Hochschulraum bemüht. Er nimmt auch Bezug auf sektorenübergreifende strategische Projekte und Reformvorhaben, wie die PädagogInnenausbildung NEU.

Zuwachs der Universitätsfinanzierung entspricht dem BIP-Wachstum

Die jährlichen Ausgaben des Hochschulbudgets sind seit 2013 um 9,3% gestiegen, die direkt dem Universitätsbereich zuordenbaren Ausgaben um 8,1%, was in etwa der Steigerung des BIP-Wachstums entspricht (+8,3%). Die ausschließlich dem Universitätsbereich zuordenbaren Bundesausgaben des Jahres 2016 beliefen sich auf 3,447 Mrd. € (ein Anteil von 4,5% am Bundeshaushalt).

Die Leistungen an die einzelnen Universitäten werden in den Leistungsvereinbarungen (LV) mit den Universitäten verhandelt und abgeschlossen. In der im Berichtszeitraum zu Ende gegangenen LV-Periode 2013–2015 stellte der Bund insgesamt 9,1 Mrd. € zur Finanzierung der Universitäten bereit, um 8,9% mehr als in der Vorperiode. Ein Teil der zusätzlichen Mittel (450 Mio. €) wurde als Hochschulraum-Strukturmittel (HRSM) gestaltet, die indikatoren- und projektbezogen vergeben werden.

Für die LV-Periode 2016–2018 konnte das Universitätsbudget um 615 Mio. € aufgestockt werden, wobei 315 Mio. € in die Grundbudgets und 300 Mio. € in die HRSM flossen. Entsprechend der internationalen Tendenz wurden die indikatorengebundenen Mittel stärker erhöht (+67%) als die Basisfinanzierung (+3,8%). Im Zusammenhang mit der Erhöhung der HRSM wurde besonders darauf geachtet, die Weiterentwicklung der Doktoratsausbildung zu fördern und die Grundlagenforschung zu stärken. Unter Berücksichtigung der Studienbeitragsersätze (157 Mio. € jährlich) steht den Universitäten für die Periode 2016–2018 damit ein Gesamtbetrag von rund 9,721 Mrd. € zur Verfügung, ein Plus von 6,8% gegenüber der Vorperiode.

Noch im Jahr 2017 hat der Nationalrat den Gesamtbetrag zur Finanzierung der Universitäten für die LV-Periode 2019–2021 mit 11,070 Mrd. € festgelegt und die Bundesregierung beauftragt, bis 31.1.2018 ein Umsetzungsmodell für eine kapazitätsorientierte, studierendenbezogene Universitätsfinanzierung zu erarbeiten. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag liegt unterdessen vor. Das Globalbudget jeder Universität soll sich nach einem Drei-Säulen-Modell künftig aus drei Teilbeträgen für die Leistungsbereiche "Lehre", "Forschung/EEK" sowie "Infrastruktur und strategische Entwicklung" zusammensetzen.

Universitäre Immobilienprojekte decken zusätzlichen Raumbedarf ab

Im Berichtszeitraum 2014 bis 2017 wurden Bauvorhaben der Universitäten mit einem Investitionsvolumen von rund 380 Millionen Euro fertiggestellt, darunter der Neubau Med Campus Modul 1 der Medizinischen Universität Graz und neun Vorhaben aus dem Sonderbauprogramm 2014 der BIG. Im Februar 2017 wurde ein neues Sonderbauprogramm initiiert, für das Gewinnausschüttungen der BIG in Höhe von 150 Mio. € in 12 Bauprojekte investiert werden. Aufgrund der steigenden Studierendenzahlen und des erhöhten Raumbedarfs handelt es sich dabei neben Sanierungen auch um Neu- oder Erweiterungsbauten.

Steigende Zahl der Beschäftigten an Universitäten

An den Universitäten waren im Wintersemester 2016 rund 56.600 Personen beschäftigt, eine Steigerung um rund 2.600 Personen (4,8%) im Berichtszeitraum. 48% der Beschäftigten sind Frauen. Das wissenschaftlich-künstlerische Personal hatte mit 5,1% einen stärkeren Zuwachs zu verzeichnen als das allgemeine Personal (3,8%). Der Frauenanteil im wissenschaftlich- künstlerischen Personal hat sich von 39,5% im Jahr 2013 auf zuletzt 40,5% erhöht. Da nicht immer ein volles Beschäftigungsausmaß besteht, entspricht das rund 35.700 Vollzeitäquivalenten (VZÄ). Die Zahl der Beschäftigten ist damit im Berichtszeitraum um 1.164 VZÄ (3,4%) gewachsen. Die Kapazitäten des wissenschaftlich-künstlerischen Personals wurden mit 690 VZÄ stärker ausgebaut als das allgemeine Personal (475 VZÄ).

Bei ProfessorInnen ist die Personalkapazität im Berichtszeitraum um 5,5% (124,4 VZÄ) gestiegen, die Zahl der Personen um 5,9% auf 2.494. Der Frauenanteil ist bei unbefristeten Professuren (22,5% deutlich niedriger als bei zeitlich befristeten (31,6%). Die Altersstruktur der Professorenschaft hat sich weiter zugunsten jüngerer Jahrgänge verschoben. Dies steht in Zusammenhang mit den zahlreichen Neuberufungen. Rund 27% der Ende 2016 tätigen ProfessorInnen, das waren 667 Personen, wurden in den drei Jahren des Berichtszeitraums berufen. Von diesen kamen wiederum 53% aus dem Ausland, überwiegend aus einem EU-Land. Unter den Neuberufenen aus EU-Ländern kommen 66% aus Deutschland.

Die Zahl der Laufbahnstellen (Assistenzprofessuren und Assoziierte Professuren) hat sich um 46% auf 1.378 erhöht (626 Assistenzprofessuren und 752 assoziierte Professuren). Dem Ausbau der Assistenzprofessuren und Assoziierten Professuren steht ein Rückgang bei der auslaufenden Verwendung der (beamteten) UniversitätsdozentInnen gegenüber.

Im Bereich der wissenschaftlichen und künstlerischen AssistentInnen sind die Beschäftigtenzahlen um 6,2% (VZÄ +5,5%) gestiegen. Während die Zahl der wissenschaftlichen MitarbeiterInnen in auslaufenden Verwendungen um 10% gesunken ist, ist jene der UniversitätsassistentInnen um 7,3%, der Senior Lecturers um 22,8% und der Senior Scientists/Artists sogar um 33,7% gestiegen. Die Anzahl der LektorInnen ist um 3,1% auf 10.061 gewachsen, die Personalkapazität dabei allerdings zurückgegangen, sie lag Ende 2016 bei 1.390 VZÄ. Ende 2016 waren 6.011 studentische MitarbeiterInnen (+4%) an den Universitäten beschäftigt, mit einer Personalkapazität von insgesamt 1.173 VZÄ.

Das aus F&E-Erlösen drittfinanzierte Personal hat im Berichtszeitraum um 5% auf rund 11.600 Personen zugenommen. Die Gruppe des drittfinanzierten wissenschaftlichen und künstlerischen Personals hatte einen Zuwachs von 6% zu verzeichnen und liegt damit über jenem des gesamten wissenschaftlichen und künstlerischen Personals (+5%). Die Personalkapazität von Drittmittelfinanzierten wuchs um 1,2% auf 7.729 VZÄ (2016). Vor allem an Technischen Universitäten gibt es eine hohe Zahl an Drittmittelbeschäftigten im Bereich des wissenschaftlichen Personals.

Die Mehrzahl der Beschäftigungsverhältnisse an Universitäten (63%) wird befristet abgeschlossen, insbesondere des wissenschaftlich-künstlerischen Personals (78%). Auch Ausbildungsstellen sind in der Regel ebenso wie die Beschäftigungsverhältnisse von studentischen Mitarbeitenden befristet.

Betreuungsverhältnisse seit 2013 in etwa konstant geblieben

Im Wintersemester 2016 entfielen im Durchschnitt 117,9 ordentliche Studierende auf eine Professur (2013: 121) und 20,6 Studierende auf ein Vollzeitäquivalent Lehrpersonal (2013: 20,8). Beide Zahlenverhältnisse haben sich gegenüber 2013 infolge des Personalzuwachses leicht verbessert. Zieht man nur so genannte prüfungsaktive Studierende heran, entfielen im Studienjahr 2015/16 auf ein Vollzeitäquivalent des universitären Lehrpersonals 13,3 prüfungsaktive Studierende, auf eine Professur 76 prüfungsaktive Studierende. Diese Betreuungsrelationen sind gegenüber dem Studienjahr 2012/13 konstant geblieben.

Weiter steigende Zahl an Studierenden aus dem Ausland

Die Gesamtstudierendenzahlen haben sich im Berichtszeitraum um 3,3% erhöht, im WS 2016 308.374 wurden in- und ausländische ordentliche und außerordentliche Studierende verzeichnet. Der Zuwachs ging überwiegend auf ausländische Studierende zurück. Zuletzt kamen 28,7% der ordentlichen und außerordentlichen Studierenden aus dem Ausland. Im Rahmen eines ordentlichen Studiums studierten 280.783 Personen, davon 205.042 ÖsterreicherInnen. Der Ausländeranteil liegt hier bei 27%. Bei den inländischen ordentlichen Studierenden ist die Entwicklung in den letzten beiden Jahren rückläufig, während die Zahl der ausländischen ordentlichen HörerInnen weiter gestiegen ist (um 10,2% seit WS 2013). 66% der ausländischen Studierenden (ordentliche und außerordentliche Studierende) stammen aus EU-Staaten.

Von den ordentlichen Studien waren im WS 2016 55% Bachelorstudien, 19% Diplomstudien. Auf Masterstudien entfielen 18%, auf Doktoratsstudien 8% der ordentlichen Studien. Die Zahl der prüfungsaktiven Studien ist in der Berichtsperiode um 2,3% angestiegen. Der Anteil der prüfungsaktiven Studien an allen ordentlichen Studien lag im Berichtszeitraum im Schnitt bei 53%. Dabei lässt sich zeigen, dass Universitäten bzw. Studienfelder mit Studien, die Zugangsregelungen oder eine Eignungsfeststellung besitzen, deutlich höhere Anteile an prüfungsaktiven Studien aufweisen (an Medizinischen Universitäten und Kunstuniversitäten zwischen 76% und 87%, heißt es im Bericht.

Weniger Studienabschlüsse nach Maximum 2012/13

Die Zahlen der AbsolventInnen sind zuletzt gesunken. 35.864 Studienabschlüsse im Studienjahr 2015/16 sind ein Rückgang um 3,9% gegenüber 2012/13. Der Bericht führt das auf das Auslaufen einer Reihe von Diplomstudien mit Studienjahr 2013/14 zurück, was zu einem "Vorziehen" von Studienabschlüssen führte. Zuvor war 2012/13 ein neues Maximum von 37.312 Studienabschlüssen erreicht worden. Vor diesem Hintergrund ist auch der starke Rückgang der Erfolgsquoten von ihrem bisherigen Höchststand von 86,5% im Studienjahr 2012/13 auf 62,8% im Studienjahr 2015/16 zu sehen.

Der Anteil der Studienabschlüsse von Frauen ist gesunken und lag bei 55%. Abschlüsse ausländischer Studierender sind gegenüber 2012/13 gestiegen und machen mit 25% nun ein Viertel aller Abschlüsse aus. Im Studienjahr 2015/16 gab es 16.848 Abschlüsse von Bachelorstudien, was einem Anstieg von 4% im Berichtszeitraum entspricht. Bereits 47% aller Abschlüsse sind Bachelorabschlüsse. Die Masterabschlüsse (9.545 im Studienjahr 2015/16) weisen ein anhaltendes Wachstum auf (+60% im Berichtszeitraum), während Diplomabschlüsse rückläufig sind (–44%). Doktoratsabschlüsse blieben hingegen mit rund 2.200 pro Jahr relativ konstant. Der Frauenanteil lag hier bei 41,9%. Der überdurchschnittlich hohe Ausländeranteil von 33% zeigt die Attraktivität einer Doktoratsausbildung an einer österreichischen Universität.

67% der BachelorabsolventInnen des Studienjahres 2014/15 setzten bis zum Sommersemester 2017 ihr Studium mit einem Masterprogramm fort, die Tendenz ist rückläufig (Abschlussjahrgang 2008/09: 81%, Abschlussjahrgang 2011/12: 73%). Rund 16% der Diplom- bzw. MasterabsolventInnen beginnen laut Studierenden-Sozialerhebung innerhalb von zwei Jahren ein Doktoratsstudium. (Schluss) sox