LETZTES UPDATE: 07.06.2018; 12:58
Diese Seite als Lesezeichen hinzufügen

Parlamentskorrespondenz Nr. 645 vom 07.06.2018

Themenfelder:
Gesundheit/Generationen/Arbeit
Format:
Parlament international
Stichworte:
Parlament/Besuch/Tschechien/Gesundheitsausschuss

Delegation des tschechischen Gesundheitsausschusses zu Besuch im Parlament

Aussprache über Ärztemangel, Pflegesektor und Ausbildungsfragen

Wien (PK) – Mit sehr ähnlichen Problemen im Gesundheitssektor sehen sich Österreich und Tschechien konfrontiert. Dies war heute das Resümee eines im Parlament stattfindenden Austausches zwischen MandatarInnen beider Länder, wobei vor allem der Personalmangel in der Pflege, die ärztliche Unterversorgung in den ländlichen Regionen sowie Ausbildungsfragen im Mittelpunkt standen. Die Gesundheitssprecherin der ÖVP, Gabriela Schwarz, begrüßte die Gäste aus Tschechien und informierte u.a. über die aktuellen Vorhaben der Regierung. Von österreichischer Seite nahmen weiters die Abgeordneten Angela Fichtinger (ÖVP), Brigitte Povysil (FPÖ) und Maurice Androsch (SPÖ) teil. Vera Adámková, die Vorsitzende des tschechischen Gesundheitsausschusses, interessierte sich insbesondere für österreichische Lösungen im Pflegebereich, da in ihrem Land viele Krankenschwestern fehlen bzw. aufgrund der Umstellung des Ausbildungssystems nicht voll einsetzbar sind.

Angesichts der demographischen Entwicklung sei auch Österreich stark gefordert, hob Gabriela Schwarz (ÖVP) hervor, deshalb überlege man z.B. die Einführung einer Pflegelehre. Generell gebe es aber ein abgestuftes Ausbildungssystem, das neben dem gehobenen Dienst auch die Berufe Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz beinhalte. Diskutiert werde auch über Stipendien für angehende ÄrztInnen und die finanzielle Förderung von Praxen, um mehr MedizinerInnen in die Regionen zu bekommen. Außerdem gebe es Überlegungen, in Hinkunft die Anstellung von ÄrztInnen durch ÄrztInnen zu ermöglichen. FPÖ-Gesundheitssprecherin Brigitte Povysil, im Zivilberuf Radiologin und Spitalsärztin, war der Auffassung, dass auch Gesundheitszentren dazu beitragen können, die überfüllten Spitalsambulanzen zu entlasten. Zahlreiche Chancen biete zudem die Telemedizin, z.B. in Form der elektronischen Gesundheitsakte oder der Telekonsultationen mit FachkollegInnen.

Es existieren bereits einige erfolgreiche Kooperationen mit Tschechien im Gesundheitsbereich, erklärte die Waldviertler Mandatarin Angela Fichtinger (ÖVP), die u.a. auf das Rot-Kreuz-Wesen verwies. Was den Mangel an niedergelassenen Ärzten in ländlichen Gebieten angeht, so habe Niederösterreich derzeit einen Modellversuch gestartet, der die Entsendung von Spitalsärzten vorsieht. Maurice Androsch (SPÖ) stand diesem Projekt skeptisch gegenüber, da es speziell in den peripheren Regionen einen generellen Ärztemangel gibt. (Schluss) sue